The Adicts im Interview
Abhängig von Punkrock

Münster/Berlin -

Mitte November des vergangenen Jahre haben The Adicts ihr mittlerweile elftes Studioalbum „And It Was So!“ veröffentlicht. Die Toten Hosen haben jüngst ihren Song „Viva La Revolution“ gecovert. Jetzt kommt die legendäre britische Punkband nach Münster.

Dienstag, 26.06.2018, 11:00 Uhr

Über 40 Jahre gibt es die britische Punkband The Adicts in nahezu unveränderter Besetzung. Im Oktober spielen sie in der Sputnikhalle.
Über 40 Jahre gibt es die britische Punkband The Adicts in nahezu unveränderter Besetzung. Im Oktober spielen sie in der Sputnikhalle. Foto: Jason Cook

Werdet ihr nicht langsam mal müde vom Touren? Sagst du dir schon mal, noch eine Show und dann reicht es?

Keith „Monkey“ Warren: Nein, es ist zwar ermüdend an Flughäfen oder im Van zu sitzen und darauf zu warten, dass irgendetwas passiert. Aber man weiß immer, dass am Ende die Show auf einen wartet, und die ist jedes Warten wert.

Ihr lebt auf unterschiedlichen Kontinenten, habt Familie. Was ist die Band für euch? Ein Hobby? Etwas, um Dampf abzulassen?

Monkey: Definitiv mehr als ein Hobby, es ist ein Lebensstil.

Wenn wir von Lebensstil sprechen, wie würdest du dann das Wort „Punk“ definieren?

Monkey: Punk selbst ist ein Widerspruch. Ein einziges Dilemma. Tatsächlich bekomme ich die Frage oft gestellt, und ich habe nie eine gute Antwort darauf gefunden (lacht). Es ist kompliziert. Sei einfach du selbst.

Ist es vielleicht eine Lebenseinstellung?

Monkey: Ich glaube, es ist mehr als das. Eher ein Gefühl als eine Einstellung oder ein Standpunkt.

Auf der Bühne siehst du aus wie der Joker. Was ist das für eine Figur?

Monkey: Rein visuell ist es eine Mischung aus Alexander DeLarge von „Clockwork Orange“, dem Joker aus Batman und einer wirr lachenden Figur, die es mindestens seit den 20er Jahren gibt. Aber das hat sich über die Jahre entwickelt. Es sind verschiedene Phasen. Ich finde es wichtig, immer etwas anders auszusehen.

Weil du dich hinter der Figur verstecken kannst?

Monkey: Nein, das Gegenteil ist der Fall. Die Figur erlaubt es, mehr aus mir herauszukommen. Aber um das klarzustellen: Ich bin ein guter Kerl und weder irre oder noch verwirrt (lacht).

Wie ist der Titel eures neuen und elften Albums „And It Was So!“ zustande gekommen?

Monkey: Der ist gar nicht mal so tiefgehend, wie du glaubst (lacht). Wenn Kid (Spitzname für Schlagzeuger Michael Davison) und ich miteinander reden und uns Geschichten von früher erzählen, dann sagen wir schon mal: So war das damals.

Also eher ein Zufall?

Monkey: Ja, das kam einfach so zustande, es war nicht geplant, es gab keine Richtung. Klingt nach einer Metapher für unser bisheriges Leben (lacht).

Brexit, Trump, Hass im Netz: Der zweite Song auf dem Album heißt „Fucked up World“. Ist Punk jetzt nicht immens wichtig?

Monkey: Ich glaube, dass Leute ihrem Ärger und ihrer Enttäuschung auf unterschiedlichen Wegen freien Lauf lassen. Und ich bin mir nicht sicher, ob irgendwer außerhalb der Punkrock-Community zuhört, was Punkrocker überhaupt zu sagen haben (lacht).

Es ist bereits euer elftes Album. Wenn du sie in eine Reihenfolge bringen müsstest, wo würde die aktuelle LP landen?

Monkey: Ich würde es in den Top drei sehen.

Im letzten Song geht es um das Thema Tod. Hast du jemals darüber nachgedacht?

Monkey: Ein bisschen schon. Wir sind alle um die 60 Jahre alt und haben unmittelbar mit dem Thema zu tun. Meine Mutter ist vergangenes Jahr gestorben. Aber ich denke jetzt nicht oft über meinen eigenen Tod nach. Tot ist tot. Sicher wird irgendwann die Zeit kommen, in der wir körperlich nicht mehr in der Lage sein werden, Konzerte zu spielen. Deshalb geben wir jetzt alles.

Du bist aus Ipswich. Von welcher Mannschaft bist du Fußballfan?

Monkey: Traurigerweise tatsächlich Ipswich. Pete (Gitarrist der Band) und Kid sind Fans von Sunderland, was ja wohl noch schlimmer ist (lacht).

Im Oktober kommt ihr nach Münster. Ist das euer erster Besuch?

Monkey: Ich weiß es gar nicht so genau. Vielleicht waren wir in den 80er Jahren mal in Münster. Wir sind ja auf unseren Tourneen viel in Deutschland unterwegs, nahezu jährlich. Deshalb kann ich das nicht ausschließen. Aber ich habe ein richtig schlechtes Gedächtnis (lacht).

Konzert

Dienstag, 9. Oktober, Sputnikhalle, Am Hawerkamp 31, 20 Uhr.

...

Wie viele Songs von eurem neuen Album schlagen sich in der aktuellen Setlist nieder?

Monkey: Ungefähr fünf, aber das kann sich bis Oktober noch ändern. Wir schreiben auch neue Songs, die wir bestimmt ausprobieren werden.

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