Grünflächenamt hofft auf Baumpaten
Münsters Stadtbäume brauchen dringend Wasser

Münster -

Es ist zu trocken und zu warm – und der gelegentliche Starkregen ist in Nullkommanichts verschwunden, ohne das Erdreich zu durchfeuchten: Münsters Bäume haben eine kritische Zeit vor sich. Die Stadt freut sich über Nachbarn, die einfach mal einen Eimer Wasser auskippen.

Freitag, 15.06.2018, 07:00 Uhr

Auch wenn es so aussieht: Die Lindenblütenblätter auf der Promenade sind noch kein Anzeichen von Trockenheit. Aber das Grünflächenamt macht sich Sorgen um Münsters Bäume. 
Auch wenn es so aussieht: Die Lindenblütenblätter auf der Promenade sind noch kein Anzeichen von Trockenheit. Aber das Grünflächenamt macht sich Sorgen um Münsters Bäume.  Foto: Matthias Ahlke

Auf der Promenade, besonders zwischen Hörster Straße und Windthorststraße, macht sich Herbststimmung breit: Wie ein grüner Teppich bedecken kleine Blätter den Boden. Das bemerken die Passanten, die im Vorübergehen von Trockenheit oder Krankheiten sprechen . . . Weder noch, sagt Franz-Josef Gövert vom Grünflächenamt: „Das sind Blütenblätter der Linde.“ In Jahren mit wechselhafterem Wetter falle ihre Menge einfach nicht so sehr auf.

In diesem Fall also: Entwarnung. Doch grundsätzlich, sagt Gövert, beginne für Münsters Bäume gerade eine kritische Zeit. In diesem Jahr gab es zu viel Wärme und vor allem zu wenig Regen. „Da muss jetzt was kommen“, meint der Baum-Fachmann, „sonst besteht die Gefahr, dass viele Bäume den Sommer nicht überstehen.“

Blätterteppich auf der Promenade

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Leben unter schwierigen Bedingungen

Derzeit sei das Erscheinungsbild der etwa 100 000 Bäume auf städtischem Grund und Boden relativ gut, weil sie im Frühjahr hätten Reserven bilden können. Jetzt aber drohen Trockenheit und Stress, was wiederum Krankheiten begünstige. Sorgenkinder seien etwa die Rosskastanie, der sowohl eine bakterielle Krankheit als auch die Miniermotte zusetzen, oder die Esche, deren junge Triebe absterben. Der gefürchtete Eichenprozessionsspinner hingegen sei für Menschen gefährlicher als für die Eichen selbst.

Die rund 50 000 Straßenbäume hätten mit besonders schwierigen Bedingungen wie kleinen Baumscheiben, engen Standorten, Abgasen oder Straßenbaustellen zu kämpfen. Sie vertrocknen regelrecht – die großen Wassermengen eines Gewitterregens fließen schnell ab und erreichen die Wurzeln kaum. Dauerregen wäre gut. Oder Bewässerung.

„Jeden Tag ein Eimer“

Die „Schutzgemeinschaft Deutscher Wald“ (SDW) in Bonn ruft derzeit Anlieger dazu auf, Straßenbäume privat zu bewässern. „Eine große Kanne für den Stadtbaum!“, heißt die Aktion, die Franz-Josef Gövert für „eine sehr gute Sache“ hält: „Jeden Tag ein Eimer oder jede Woche drei Eimer – das hilft sehr.“ Es gebe in Münster schon viele ehrenamtliche Baumpaten. Es müssten mehr werden, um die Bäume sicher durch den Sommer zu bringen. „Die Stadt kann das nicht leisten.“

Stadtbäume in Münster

Nach Angaben der „Schutzgemeinschaft Deutscher Wald“ gehört Münster zu Deutschlands grünen Großstädten. Pro 1000 Einwohner werden 173 Straßenbäume gezählt. – dazu kommen etwa ebenso viele Bäume auf Schulhöfen oder in Grünanlagen. Spitzenreiter Heilbronn (198) ist nicht weit entfernt, Hamburg (132), Berlin (123) oder Köln (69) sind weit abgeschlagen. Häufigste Baumarten sind nach Angaben des Grünflächenamts Linde und Eiche – aber auch Ahorn, Rosskastanie, Hainbuche und Baumhasel sind stark vertreten.

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