Neue Vorfahrtsregelung an der Promenade
Logische Konsequenz oder Fahrradstadt-Wahn?

Münster -

Der Plan steht: Ab 2019 sollen Radfahrer auf dem nord-östlichen Teil der Promenade (Kreuztor bis Salzstraße) Vorfahrt erhalten. Eine gute Idee? In unserer Redaktion gehen die Meinungen auseinander.

Freitag, 15.06.2018, 19:00 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 15.06.2018, 19:00 Uhr
Neue Vorfahrtsregelung an der Promenade: Logische Konsequenz oder Fahrradstadt-Wahn?
An zunächst vier Kreuzungen soll die Promenade ab 2019 Vorfahrt bekommen, die sechs restlichen Kreuzungen sollen später folgen. Foto: Matthias Ahlke

Pro: Die Masse macht es

Wer als Radler in Münster unterwegs ist, erlebt es immer wieder: An großen, stark befahrenen Straßen müssen sie zuweilen lange warten, bis sie die Straße überqueren können. Das ist lästig, aber zumindest nachvollziehbar: Die Verkehrsplaner „bevorzugen“ an diesen Stellen den Autoverkehr bewusst, um den Verkehrsfluss zu erhöhen.

Gemäß dieser Logik ist es auch richtig, wenn die Verkehrsplaner den Radfahrern auf dem Promenadenabschnitt zwischen Kreuztor und Salzstraße an insgesamt vier Knotenpunkten die Vorfahrt einräumen. Denn die Promenade ist die „Radelautobahn“ schlechthin. Das damit verbundene Radfahreraufkommen ist deutlich höher als das Autoaufkommen auf den querenden Straßen. Im Ergebnis bringt die Änderung also eine quantitative Verbesserung im Verkehrsfluss.

Die Stadt Münster hat sich bewusst dafür entschieden, die zweifelsfrei vorhandenen Verkehrspro­bleme zu lösen. Dazu gehört auch das Ende der bislang quasi „amtlichen“ Vorstellung, dass sich ein Radweg stets einer von Autos benutzten Straße unterordnen muss.

Klaus Baumeister

 

An diesen Kreuzungen bekommt die Promenade Vorfahrt

1/6
  • Ab 2019 sollen Radfahrer, die auf der Promenade fahren, an diesen vier Kreuzungen Vorfahrt haben:

    Foto: Matthias Ahlke
  • Salzstraße

    Foto: Matthias Ahlke
  • Hörstertor – hier regelt derzeit eine Ampel den Verkehr

    Foto: Matthias Ahlke
  • Kanalstraße

    Foto: Matthias Ahlke
  • Am Kreuztor

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die sechs weiteren Kreuzungsbereiche sollen später folgen. Dort könnten Unterführungen - wie an der Mauritzstraße - oder Brücken gebaut werden.

    Foto: Matthias Ahlke

 


 

Konfliktbereich Promenadenkreuzungen

 

Contra: Fußgänger nicht vergessen

Der Vorschlag klingt vernünftig: Vorfahrt für Radfahrer auf der Promenade an der Salzstraße, am Hörstertor, an der Kanalstraße und am Kreuztor – Autofahrer müssen warten. So weit, so gut. Leider haben die Verkehrsplaner in ihrem Wahn, Münsters Ruf als Fahrradstadt zu festigen, das schwächste Glied in der Kette vergessen: die Fußgänger.

Wer heutzutage „per pedes“ auf der Salzstraße in Richtung Innenstadt unterwegs ist, kann sein blaues Wunder erleben. Das Gros der Radfahrer ignoriert die Vorfahrt-gewähren-Schilder und klingelt die querenden Fußgänger von der Promenade. Wird die Promenade zum vorfahrtberechtigten Fahrradschnellweg umgebaut, können Fußgänger an dieser Stelle endgültig einpacken.

Münster schickt sich einmal mehr an, die Verkehrsprobleme in der Stadt zu verschärfen, anstatt sie zu lindern. Bestes Beispiel dafür ist der Umbau des Ludgerikreisels. Obwohl der Platz knapper geworden ist, zwängen sich die Radfahrer noch immer an den Autos vorbei. Gut gemeint ist halt noch lange nicht gut gemacht.

Andreas Fier

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5822629?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
Ein Hauch von Hollywood
Hollywood-Flair vor der Gooiker Halle: Für die Filmpremiere von „Eises Kälte“ wurde extra der rote Teppich ausgerollt.
Nachrichten-Ticker