Dominikanerkirche
"Ich bin verzaubert" - Gerhard Richter stellt Pendel der Öffentlichkeit vor

Münster -

Münster ist um eine Kultur-Attraktion reicher: Der weltberühmte Maler und Bildhauer Gerhard Richter stellte am Samstag in der münsterischen Dominikanerkirche der Öffenttlickeit sein Kunstwerk „Zwei Graue Doppelspiegel für ein Pendel“ vor, das er der Stadt geschenkt hat. Die Stadtspitze war beigeistert. 

Samstag, 16.06.2018, 16:53 Uhr aktualisiert: 17.06.2018, 14:13 Uhr
Dominikanerkirche: "Ich bin verzaubert" - Gerhard Richter stellt Pendel der Öffentlichkeit vor
Der Künstler mit seinem Werk: Gerhard Richter präsentierte am Samstag in Münster sein Kunstwerk „Zwei Graue Doppelspiegel für ein Pendel“, das er der Stadt geschenkt hat. Foto: Oliver Werner

Einen geradezu überschwänglichen Oberbürgermeister und einen gut gelaunten, gleichwohl eher schweigsamen Künstler erlebten mehr als 20 Journalisten anlässlich der Präsentation des neuen Kunstwerkes von Gerhard Richter in der Dominikanerkirche in Münster.

Oberbürgermeister Markus Lewe lobte das von Richter konzipierte Foucault'sche Pendel samt der vier riesigen Glasflächen, die Richter in der profanierten Kirche installierte. „Das Kunstwerk entspricht der Würde dieses Raumes.“

Fragen verboten

Gerhard Richter selbst, der als bedeutendster zeitgenössischer Künstler gilt, ergriff erst als letzter von insgesamt neun Gesprächspartnern bei der Pressekonferenz das Wort und sagte, dass es sein Anliegen gewesen sei, „ein gutes, ansehnliches Stück Kunst zu liefern“. Fragen an den 86-jährigen Künstler waren während der Pressekonferenz nicht zugelassen.

Gerhard Richter überreicht der Stadt Münster sein Pendel-Kunstwerk

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  • Ein Pendel für Münster: 48 Kilogramm wiegt das Foucaultsche Pendel aus Messing, das die Stadt von Künstler Gerhard Richter geschenkt bekommen hat.

    Foto: Oliver Werner
  • Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe (r.) freute sich am Samstag (16.6.) über das Geschenk und darüber, dass der weltbekannte Künstler Gerhard Richter persönlich zur Übergabe nach Münster kam. 

    Foto: Oliver Werner
  • Der Künstler Gerhard Richter erklärt Münsters Bürgermeister Markus Lewe (r.) sein Pendel.

    Foto: Oliver Werner
  • Ein Foto mit dem Kunst-Star: Gerhard Richter (Mitte) nahm sich viel Zeit für Gespräche und Fotos. 

    Foto: Oliver Werner
  • Gerhard Richter hat in der Kirche eine dunkle Bodenplatte verlegen lassen. Darüber wird das eigentliche Kunstwerk des Kölners schwingen: Ein 48 Kilogramm schweres Foucaultsches Pendel aus Messing, das an einem 29 Meter langen Seil hängt. Es zeigt mit seiner Bewegung die Erdrotation an. Vier sechs Meter hohe Glastafeln, die paarweise vor den Wänden angebracht sind, reflektieren die Bewegung des Pendels im Kirchenraum.

    Foto: Oliver Werner
  • Ab Sonntag (17.6., 11.30 Uhr) ist die Installation mit dem Titel „Zwei Graue Doppelspiegel für ein Pendel“ in der Dominikanerkirche in der Stadtmitte allgemein zugänglich. Der Eintritt ist frei.

    Foto: Oliver Werner
  • Gute Laune: Einer der berühmtesten Künstler der Welt sorgte für einen veritablen Medienrummel in Münster.

    Foto: Oliver Werner
  • Foto: Oliver Werner
  • Foto: Oliver Werner

An dem Lob für die Installation änderte dies aber nichts. Der Warendorfer Landrat Olaf Gericke sprach von einem „Kunstwerk mit internationaler Strahlkraft“, das jetzt in Münster zu Hause sei. Münsters Kulturdezernentin Cornelia Wilkens meinte: „Ich bin verzaubert.“

Am Sonntag um 11.30 Uhr findet die öffentliche Präsentation statt. Bis 20 Uhr bleibt die Kirche an der Salzstraße an diesem Tag geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Gerhard Richter - einer der weltweit bedeutendsten Maler

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  • Gerhard Richter wurde 1932 in Dresden geboren, nach seiner Flucht in den Westen 1961 absolvierte er ein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf, wo Richter später dann eine Professur bekam. Auf dem Foto steht der Künstler im Jahr 2013 vor seinem Gemälde Strip (930-2) in der Galerie Neue Meister der Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden.

    Foto: Hendrik Schmidt
  • Als Richters größtes Verdienst gilt es, der Malerei in den 60er Jahren wieder neue Relevanz gegeben zu haben. Auf dem Foto ist sein Bild "Abstrakt" zu sehen.

    Foto: Oliver Berg
  • Zu Beginn von Richters Laufbahn in den 60er Jahren sprachen viele Kunst-Experten vom Ende der Malerei, denn wenn es um realistische Abbildungen ging, war die Fotografie überlegen. In Gerhard Richter sehen viele Kunsthistoriker denjenigen, der am stärksten dazu beigetragen hat, der Malerei eine neue Bedeutung gegeben zu haben.

    Foto: Federico Gambarini
  • Gerhard Richter ist ein Maler ohne Worte: Man hat ihn die Sphinx oder den großen Schweiger genannt, weil er seine Werke nicht erklärt. Diese Rätselhaftigkeit hat wohl zu seinem Ruf beigetragen. Zur Abbildung: 2016 wurde sein Werk "Tiger" im Museum Morsbroich in Leverkusen gezeigt.

    Foto: Monika Skolimowska
  • Als „Europas größten Maler“ bezeichnete ihn die „New York Times“, der „Guardian“ rühmte ihn als „Picasso des 21. Jahrhunderts“. Das Foto zeigt den Künstler im Jahr 2010 vor einer seiner Arbeiten im Dresdner Albertinum.

    Foto: Dietrich Flechtner
  • Richters Atelier befindet sich in einem bunkerähnlichen Riegelbau im Villenviertel Köln-Hahnwald. Er schirmt das dahinterliegende Wohnhaus ab. Der Künstler lebt dort mit seiner dritten Frau Sabine Moritz und dem jüngsten Sohn Theodor. Die Aufnahme zeigt ihn im Jahr 2016 in Köln in seinem Atelier vor einem seiner Bilder.

    Foto: Oliver Berg
  • Für Richters meistbewundertes Werk muss man keinen Eintritt zahlen. Es ist das 19 Meter hohe Fenster im südlichen Querhaus des Kölner Doms. Richter hat Sympathien für die Kirche, aber er glaubt nicht an Gott.

    Foto: dpa
  • Gerhard Richter wird in internationalen Rankings seit vielen Jahren als einer der weltweit einflussreichsten Künstler eingestuft. Auch im Ranking „Kunstkompass 2017“ wird er seit vielen Jahren als wichtigster Künstler geführt.

    Foto: Arno Burgi
  • Kunstwerke von Gerhard Richter gehören zu den teuersten der Welt. Es sei beängstigend, dass seine Kunst und sogar von ihm signierte Postkarten auf dem Markt Höchstsummen erzielten: „Eine erschreckende Entwicklung“, sagte Richter in einem Interview mit der „Die Zeit“. Hier steht Richter im Jahr 2009 in Duisburg vor seinem Werk "18 Farben".

    Foto: dpa
  • Die horrenden Preise für seine Bilder seien ein Beleg dafür, „wie irrsinnig sich der Kunstmarkt entwickelt hat“, sagte Gerhard Richter. Sie hätten mit dem Werk nichts zu tun. „Das ist doch reiner Personenkult“, meint der Künstler.

    Foto: Oliver Berg
  • Ein Beispiel: Das Werk „Abstraktes Bild“ von Gerhard Richter hat 2012 in London bei einer Auktion einen Rekordpreis von umgerechnet 41 Millionen Euro erzielt. Damit habe Richter Maßstäbe für lebende europäische Künstler gesetzt, teilte das Auktionshaus Sotheby‘s nach der Versteigerung mit.

    Foto: dpa
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