Tödlicher Unfall auf Warendorfer Straße
Prozess gegen 29-jährigen Autofahrer beginnt am Landgericht

Münster -

Fünfeinhalb Monate nach dem tragischen Unfall auf der Warendorfer Straße in Münster muss sich der Unfallfahrer vor dem Landgericht Münster verantworten. Er war im Januar stark alkoholisiert und mit über 100 Stundenkilometern in den Wagen einer 31-jährigen Frau gerast. Sie überlebte den Unfall nicht. Prozessauftakt ist Mittwochfrüh.

Mittwoch, 20.06.2018, 06:30 Uhr aktualisiert: 20.06.2018, 14:04 Uhr
Tödlicher Unfall auf Warendorfer Straße: Prozess gegen 29-jährigen Autofahrer beginnt am Landgericht
In einer bislang beispiellosen Aktion hat die Polizei Münster am 20. März zusammen mit Gutachtern, Unfallsachverständigen und der Staatsanwaltschaft auf der Warendorfer Straße den tödlichen Unfall vom 30. Januar rekonstruiert. Foto: Helmut P. Etzkorn

Der Prozess gegen einen 29-jährigen Raser aus Münster beginnt um 9 Uhr vor der 8. Großen Strafkammer. Dem bereits inhaftierten Münsteraner wird vorgeworfen, mit seinem 340 PS starken Auto am 30. Januar gegen 22.45 Uhr mit mindestens 111 Stundenkilometern und 1,36 Promille Blutalkoholgehalt die Warendorfer Straße stadtauswärts gefahren zu sein. Auf Höhe des Programmkinos "Cinema" rammte er den Peugeot der Autofahrerin, die von der Friedensstraße auf die Warendorfer Straße hatte abbiegen wollen. Der Wagen der Frau schleuderte durch die Wucht auf den Parkstreifen vor dem Cinema und wurde bis zur Mitte zerstört. Die Frau starb noch in der Nacht in der Uni-Klinik an den Unfallfolgen .

Totschlagsvorwurf fallen gelassen

Nach einer bespiellosen Rekonstruktion am Ort des des Unfalls durch Polizei, Gutachter, Unfallsachverständige und die Staatsanwaltschaft Münster hatte die Staatsanwaltschaft den Unfallfahrer im Mai wegen Totschlags angeklagt. Der Totschlagsvorwurf wurde allerdings wieder fallen gelassen . Ein Tötungsvorsatz sei wahrscheinlich nicht nachweisbar, hatte das Schwurgericht seine Entkräftung des Totschlagsvorwurfs begründet.

Argumentation: Der Fahrer habe sich mit der ihm vorgeworfenen Fahrweise selbst in (Lebens-)Gefahr gebracht. Er habe außerdem die beträchtliche Beschädigung seines ihm bedeutsamen Wagens riskiert. Die ihm vorgeworfene Alkoholisierung habe ihn zudem die Gefahr unter- und seine Fähigkeiten als Autofahrer überschätzen lassen. All dies spreche dafür, dass er darauf vertraut habe, dass nichts passieren würde. Dieser Bewertung folgte auch das Oberlandesgericht, nachdem die Staatsanwaltschaft Münster diese Rechtsauffassung angefochten hatte.

Daher muss der Mann nun mit einer Verurteilung wegen vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs sowie der grob verkehrswidrigen und rücksichtslosen Geschwindigkeitsüberschreitung mit Todesfolge rechnen, nicht aber mit einer Verurteilung wegen Totschlags. Der Unterschied liegt im möglichen Strafmaß. Kommt es zur Verurteilung wegen des verbliebenen Tatvorwurfs, drohen dem Münsteraner ein bis zehn Jahre Haft. Bei einer Verurteilung wegen Totschlag müsste er mit bis zu 15 Jahren Freiheitsstrafe rechnen.

So läuft der Prozess ab

Am ersten Verhandlungstag werden in aller Regel nach Verlesen der Anlageschrift die persönlichen Verhältnisse des Angeklagten beleuchtet. Ob er sich selbst zum Vorwurf äußern wird, ist unklar. Gutachter werden während des Prozesses ihre Berichte von der Unfallrekonstruktion abgeben.

Zunächst sind fünf Verhandlungstage angesetzt, ein Urteil wird für Ende Juli erwartet.

Warendorfer Straße: Polizei rekonstruiert tödlichen Unfall

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  • Warendorfer Straße: Polizei rekonstruiert tödlichen Unfall Foto: hpe
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