Wohnungsnot und steigende Preise
Wachsende Unzufriedenheit im Südviertel

Münster -

Die Initiative „Zuhause im Südviertel“ (ZIS) registriert wachsende Unzufriedenheit im Südviertel: Wohnungen werden immer teurer. Wenn es denn überhaupt welche gibt.

Mittwoch, 20.06.2018, 09:00 Uhr aktualisiert: 20.06.2018, 09:12 Uhr
Gebaut wird im Südviertel. Viele Bewohner beklagen allerdings, dass sie sich die Wohnungen nicht mehr leisten können.
Gebaut wird im Südviertel. Viele Bewohner beklagen allerdings, dass sie sich die Wohnungen nicht mehr leisten können. Foto: Matthias Ahlke

Die Unzufriedenheit im Südviertel wächst. Das jedenfalls ist das, was die Initiative „Zuhause im Südviertel“ (ZIS) bei ihren Gesprächen mit Anwohnern des Viertels immer häufiger zu hören bekommt. Ursache sei die spürbar angespannte Wohnsituation. Es entstehe der Eindruck, dass alles, was im Viertel neu gebaut oder modernisiert werde, danach nur noch mit hochpreisigen Mieten angeboten werde, sagt Oda Strack , die sich mit einigen anderen vor zwei Jahren zu der Initiative „ZIS“ zusammenschloss.

„Der Ton wird merklich rauer“, sagt Strack. Mieter würden zuletzt immer häufiger davon berichten, dass sie sich Mieten nach Sanierungen nicht mehr leisten könnten. Auf der Hammer Straße sei einem Mieter, der sich gegen seinen Auszug aus einem Haus gewehrt habe, die Heizung abgedreht worden. In der Augustastraße hätten sich dagegen zuletzt alle Mieter eines Hauses zusammengetan und bislang erfolgreich gegen eine drohende Mietpreiserhöhung gewehrt.

„Das Thema Wohnen läuft tatsächlich immer wieder bei uns auf“, bestätigt Reinhold Kauling, der ebenfalls zu „ZIS“ gehört. Er berichtet davon, dass man versucht habe, die Stadt planerisch mit ins Boot zu holen, die Bitte aber nicht als so dringlich empfunden und schließlich abgelehnt worden sei. Dennoch glaubt er, dass Bürgerbeteiligung nicht nur wichtig für die Demokratie, sondern auch ein enorm wichtiger Schritt für das Südviertel sei.

Aus diesem Grund hat ZIS eine Vortagsreihe ins Leben gerufen, die am Dienstagabend im Südviertelbüro begann. Dort sprach Dr. Christian Krajewski von der Westfälischen Wilhelms-Universität über das Thema „Gentrifizierung“.

Krajewski, der einst über genau dieses Thema in Berlin promovierte, hat auch in Münster für Kreuz- und Hansaviertel Untersuchungen zu Gentrifizierung, also dem sozioökonomischen Strukturwandel gewisser Quartiere, vorgenommen. Derartige Daten liegen für das Südviertel allerdings nicht vor. Auf den ersten Blick sehe er eine solche Entwicklung nicht, dennoch sei es aus seiner Sicht sinnvoll, einmal genauer hinzusehen.

Mindestens genauso wichtig und interessant sei es aber, gewisse Problemkreise zu skizzieren. Klar ist für Krajewski derweil, dass viele Probleme bereits über Jahre und Jahrzehnte angelegt worden seien. Kurzfristig seien viele Probleme des Wohnmarktes daher nicht zu lösen. Mittel- und langfristig durch eine gute Planung dagegen schon.

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Weitere Vorträge: „Selbstorganisiert wohnen – solidarisch wirtschaften“, Matthias Kayß, 27. Juni, 19 Uhr

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„Mietverdrängung durch Modernisierung und / oder Umwandlung in Eigentumswohnungen“, Ulla Fahle, 11. Juli, 18 Uhr

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