„Das ist eine wahnsinnige Leistung“
Rettungstaucher Silvan Rieder zum Höhlen-Unglück

Münster -

Das Drama in Thailand berührt den münsterischen Taucher Silvan Rieder. Unsere Zeitung sprach mit ihm.

Montag, 09.07.2018, 21:01 Uhr

„Das ist eine wahnsinnige Leistung“: Rettungstaucher Silvan Rieder zum Höhlen-Unglück
Die Höhle in Thailand zu betreten, gilt in der Regenzeit als sehr gefährlich. DLRG-Lehrtaucher Silvan Rieder (Bild im Text) aus Münster weiß, wie man Anfänger einweist. Foto: dpa

Die Welt atmet ein wenig auf – und Münster? Wie beurteilen hiesige Experten die Rettungs-Aktion für die Jungen-Fußballmannschaft, die in der überfluteten Höhle in Thailand teilweise noch immer festsitzt? Silvan Rieder , Anästhesist am Uniklinikum, ist gerade auf dem Weg in den OP, findet aber am Handy noch Zeit für eine Einschätzung. Seit 2008 ist der Arzt bei der DLRG in Münster und dort mittlerweile Lehrtaucher. Das Tauchen in Höhlen kennt Rieder aus eigener Erfahrung – wenn auch nur vom Urlaub her.

Mit den Rettungseinsätzen, die hier in der Ems, der Werse oder auch am Aasee bewältigt werden müssen, lasse sich der Katastrophen-Einsatz der Thailänder kaum vergleichen. Allein die Tat­sache, dass die dortigen Kollegen mit steigendem oder absinkenden Wasser kal­kulieren müssen, sei ein grundlegender Unterschied. Grundsätzlich gelte in der Tham-Luang-Höhle: Je nie­driger der Wasserstand, umso mehr Wegstrecke kann im Gehen bewältigt werden.

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Silvan Rieder Foto: privat

Aber wie soll das überhaupt zu schaffen sein – stundenlange, vier Kilometer weite Tauchwege – mit Jungen, die kaum schwimmen, geschweige denn tauchen können? „Man kann die Jungen in der Höhle anweisen wie jeden Anfänger eines Tauchkurses auch“, sagt Rieder. Das betreffe ­natürlich nur den Gebrauch der Atemmaske, des „Lungenautomaten“. Im Gegensatz zum Tauchkursus könne man natürlich nicht zwischendurch an die Ober­fläche, wenn ein Problem auftrete, etwa beim Druckausgleich.

Ebenso seien die engen Höhlentunnel ein Problem: da könne man leicht mit schwerem Gerät hängen bleiben oder sich verletzen. Rettungstaucher wie Silvan Rieder trainieren zwar nicht einen Höhlen-Einsatz, wohl aber den in überfluteten Gebäuden. Was die Einsätze in Münster angehe, so müsse allenfalls eine Person in einem versunkenen Fahrzeug im Kanal befreit werden. Alles in allem wagt Silvan Rieder keine Prognose zum Ausgang des Rettungseinsatzes: „Dafür habe ich zu wenig konkrete Informationen.“

Rettungsaktion aus thailändischer Höhle

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  • Nach wochenlanger Höhlen-Gefangenschaft konnten die ersten Jugend-Fußballer gerettet werden.

    Foto: Uncredited/Royal Thai Navy/dpa
  • Rettungswagen nahe der Unglückshöhle: Die Retter hatten sich nach langen Vorbereitungen erst am Morgen endgültig zu dem Einsatz entschlossen.

    Foto: Sakchai Lalit
  • Spezialtaucher holten die ersten der dreizehn Mitglieder einer Jungen-Fußballmannschaft am Sonntagabend ins Freie.

    Foto: Sakchai Lalit
  • Taucher hatten sich am Sonntagmorgen auf den Weg zu den eingeschlossenen Jugendlichen gemacht.

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  • Mehrere befreite Jungen wurden sofort ins nächstgelegene Krankenhaus gebracht.

    Foto: Sakchai Lalit
  • Ein Polizist bewacht den abgesperrten Zugang zu der Höhle, in der zwölf Jungen einer Fußballmannschaft und ihr Trainer seit 23. Juni eingeschlossen sind.

    Foto: Sakchai Lalit
  • Das Drama um die jungen Fußballer im Alter von 11 bis 16 Jahren und ihren Betreuer begann am 23. Juni, als Wassermassen die Gruppe mehrere Kilometer tief in der Höhle einschlossen.

    Foto: Sakchai Lalit
  • Die Retter hatten sich nach langen Vorbereitungen erst am Sonntagmorgen endgültig zu dem Einsatz entschlossen.

    Foto: Sakchai Lalit
  • Die Rettungsaktion ist äußerst gefährlich: Ein Taucher kam am Freitag bereits ums Leben.

    Foto: Uncredited
  • Damit der Einsatz nicht durch das Großaufgebot an Medien behindert wird, sperrten die Behörden den Eingang zur Höhle weiträumig ab.

    Foto: Uncredited
  • Britische Taucher hatten die Gruppe am Montagabend entdeckt, noch seien die Jungen im Alter von 11 bis 16 Jahren und ihr 25-jähriger Betreuer jedoch nicht ausreichend geübt im Tauchen, um den strapaziösen Weg aus der dunklen, kilometerlangen Höhle ins Freie zu wagen.

    Foto: Sakchai Lalit
  • Sauerstoffmangel und schlechte Wetteraussichten hatten zuletzt den Druck auf die Retter erhöht.

    Foto: Sakchai Lalit
  • In den nächsten Tagen soll es wieder heftige Regenfälle geben. In Südostasien ist gerade Monsunzeit. Zudem sank am bisherigen Aufenthaltsort der Gruppe in der Höhle der Sauerstoffgehalt in der Luft. Auch das sprach dafür, die Rettungsaktion nicht länger hinauszuschieben.

    Foto: Sakchai Lalit

Wie steht es um die ­gesundheitlichen Risiken? Sportmediziner Prof. Stefan-Martin Brand (Uniklinik), weist auf ein ganzes Bündel an Problemen hin: An­gefangen bei der Lungen­kapazität, die bei Jugend­lichen geringer ist. Zwar sei die Verfassung bei sport­lichen jungen Fußballern als gut einzuschätzen, dennoch könne es zu Herzrhythmusstörungen beim Tauchen kommen.

Und: Die Jungen seien nach Wochen in der sauerstoffarmen Höhle entkräftet und psychisch massiv be­lastet. Die Gefahr der Unterzuckerung sei gegeben. Generell gelte: Bei Angst­zuständen ist vom Tauchen abzuraten – was in der konkreten Situation natürlich nicht gehe. Der Sportmediziner: „Wenn das am Ende ­alles gutgeht, ist das eine wahnsinnige Leistung.“

Das Höhlen-Unglück

12 Mitglieder einer thailändischen Jungen-Fußballmannschaft waren zusammen mit ihrem Trainer in der überfluteten Tham-Luang-Höhle mehrere Wochen eingeschlossen. Die Rettungschancen galten als gering. Am Sonntag gelang die Rettung von vier Jungen durch Spezialtaucher; Montagnachmittag wurden vier weitere Jungen befreit. Damit war der Einsatz für diesen Tag beendet, sodass nun noch vier Jungen und ihr Trainer in ihrem „nassen“ Höhlenkerker ausharren müssen. Und die Zeit arbeitet gegen sie: Wegen der Monsun-Saison drohen neue Regenfälle.

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