„Nah am Wasser“-Festival
Ein Tag mit mehr

Münster -

Das hat Münster wirklich noch gefehlt. Ein Festival am Coconut Beach. Nicht nur wegen der Location, sondern auch weil es musikalisch zwischen Vainstream und Docklands in eine unbesetzte Nische springt. Hip-Hop, Indie-Rock und -Pop, Singer-Songwriter: alles dabei. Die Premiere von „Nah am Wasser“ am Samstag gleicht einer tadellosen Jungfernfahrt auf dem Sonnendeck.

Montag, 16.07.2018, 17:24 Uhr aktualisiert: 16.07.2018, 17:59 Uhr
Vom Publikum am Beach frenetisch gefeiert: Maeckes & die Katastrophen legten ein beeindruckendes Set hin.
Vom Publikum am Beach frenetisch gefeiert: Maeckes & die Katastrophen legten ein beeindruckendes Set hin. Foto: Pjer Biederstädt

Katha und Eva sind eigens aus Nürnberg angereist um – nicht nur, aber – vor allem Olli Schulz zu sehen und beide geraten ins Schwärmen: „Was für eine wunderschöne Location.“

Sonne, Sandstrand, gelegentlich weht eine leichte Brise vom Kanal, ein paar Gäste springen in den Festival-Pool und beweisen danach Wringer-Qualitäten. Ausverkauft: 2500 Festival-Besucher, da darf auch Mitorganisator Alex Solke zufrieden resümieren: „Tolles Wetter, tolle Bands, tolles Publikum. Das war ein sehr guter Auftakt.“ Und weil es so schön war, beschlossen die Veranstalter am Montag, dass die zweite Auflage am 13. Juli 2019 steigen soll.

Doch zurück zu Samstag: Die Kleinsten tanzen mit Ohrenschützern im Sand, die Älteren chillen in den Liegestühlen, Altersdurchschnitt Mitte 20. Einige schauen von anliegenden Häuserdächern rüber oder ankern am Kanal. Das Publikum ist genauso bunt gemischt wie das facettenreiche Line-up.

Festival „Nah am Wasser“ begeistert die Massen

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  • Voller Strand: Die erste Auflage des Tagesfestivals „Nah am Wasser“ am Coconut Beach begeisterte am Samstag 2500 Musikfans. Bei strahlendem Sonnenschein spielten von mittags bis spät abends neun Bands vor der ausverkauften Strand-Location am Hawerkamp. 

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Am meisten elektrisierten Rapper Maeckes & die Katastrophen die Massen.

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  • Headliner Olli Schulz sorgte mit einer Mischung aus Singer-Songwriter-Klängen und genialem Gesabbel für Kurzweil. 

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  • Rapper Maeckes hielt es bei hohen Temperaturen nicht lange in seinem Anzug aus. Zum Glück hatte das Beinkleid an den Seiten Klettverschluss. Danach machte der Stuttgarter in kurzen Hosen weiter. "Ich mag eh kein Gelb", sagte er noch, bevor er das Publikum weiter nach allen Regeln der Kunst animierte.  

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  • Und wenn einer die Arme aller 2500 Menschen in die Luft bekam, war es Maeckes mit seiner Band.

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  • ...wenn es noch eines Beweises bedurft hätte...

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  • Richtig gute Stimme, richtig gute Band: Faber überzeugte als vorletzter Act des Abends mit einer Top-Performance. 

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  • Das Publikum war im Schnitt etwa Mitte 20 und dem Line-Up entsprechend sehr bunt durchmischt. 

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  • Der Faber-Schlagzeuger kleidete sich dem Tag entsprechend und fügte sich optisch per Hawaii-Hemd nahtlos ein in das Bild von Sommer, Sonne und Strand.

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  • Deichkind hätte zu dem Tag am Coconut Beach wohl gesagt: "Eingeölt mit Hawaiian Tropic, goldbraun sehen alle top aus. Der Strand is voll Frauen der ganze Mob bouncet. Dicker Sound! Ey DJ, mach die Box laut. Heute wird auf der Party zu Vinyl getanzt. Ich sag Dir, die Honeys fühlen das."

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  • Rampensau Olli Schulz ließ es sich natürlich nicht nehmen, ein Bad in der Menge zu nehmen. Inklusive (zuvor angekündigter) Knutscherei. Der Mann war Entertainment pur.

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  • Beliebtester Abkühlungsort? Der Pool. Und die Leute darin? Richtig gut drauf.

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  • Morgens um 4 Uhr aus Nürnberg losgefahren, eigens fürs Festival angereist und einen Sahne-Sommertag erwischt. Eva (l.) und Katharina haben den Tag und vor allem den Auftritt von Olli Schulz genossen. Um 1 Uhr ging es mit dem Zug zurück. Auch der Aufenthalt in Köln nachts um 3 Uhr und die späte Ankunft um 8 Uhr in der fränkischen Heimat konnte die Laune nach dem Münster-Besuch nicht trüben. 

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  • Die Schattenplätze vor dem Heaven waren ein gern genutzter Rückzugsort.

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  • Gilt auch für diese beiden: Sie strahlten mit der Sonne um die Wette. 

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  • Kreuzen die Gitarren: Die Band rund um Maeckes überzeugte mit diversen Fertigkeiten an Cello, Gitarre, Bass, Schlagzeug und an Musikinstrumenten für Kinder. 

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  • Isolation Berlin war ein Highlight des Tages. Sehr guter Indie-Rock aus der Hauptstadt. 

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  • Wichtigstes Utensil des Tages: Sonnencreme.

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  • Neben der Musik genossen die "Sonnenanbeter" auch kühles Nass - von außen und von innen.

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Längste Anreise: „Das Ding ausm Sumpf“. Sieben Stunden aus München schüttelt Alleinunterhalter Franz Brenninger mit seiner Hip-Hop-Performance locker ab.

Bestes Bühnenbild: Das Stuttgarter Quartett Rikas überzeugt nicht nur mit kalifornischer Strand-Pop-Musik, sondern auch mit silbernen Ballons, die den Bandnamen zeigen. Einfach gut.

Bestes Outfit: Fortuna Ehrenfelds Frontmann Martin Bechler macht auch im Pyjama mit Bärentatzenschuhen eine super Figur. Sein Indie-Pop und die launigen Ansagen sind das erste Highlight des Festivals.

Bester Sommerhit: Isolation Berlin haben bereits im Mai in Münster bewiesen , dass sie zu den besten Livebands des Landes gehören. Sänger Tobias Bamborschke stapelt dann auch nicht tief: „Manche von euch kennen uns noch nicht, aber wir werden bald sehr berühmt sein, vermute ich.“ Wer solche Ansagen macht, darf in der Folge nicht mit Ironie geizen: „Wir spielen jetzt unseren Sommerhit“, gefolgt von dem Lied „Alles grau“.

Bestes Sommerfeeling: Wenn jemand Sommer, Palmen und Strand musikalisch abbilden kann, dann Razz mit ihrer Mischung aus Indie-Rock und Synthie-Melancholie. Die Emsländer sorgen für super Stimmung bis in die hinteren Reihen.

Bester Auftritt: Maeckes & die Katastrophen liefern ein unvergessliches Set. Der Stuttgarter beginnt mit dem Titel-Song seines aktuellen Albums „Tilt”. Seines quietschgelben Anzugs entledigt er sich sofort, läuft und springt wie die deutsche Antwort auf Eminem über die Bühne. Das Publikum kniet, hüpft, klatscht – für so viel Einsatz gibt es von der Security Wasser verabreicht. Und von der Band zum Abschluss gelbe Rosen. We lika dissa.

Bester Moment: Balkanfolklore mit sonorem Gesang, reifen Songtexten und einem Charisma, das insbesondere die jungen Mädchenherzen höher schlagen lässt: das ist Faber . Seine Fans sind textsicher und machen Songs wie „Wem du’s heute kannst besorgen“ zu lauten Singalongs. Als der Schweizer Singer-Songwriter nach Sonnenmilch fragt, weil seine Nase zu verbrennen droht, fliegen ihm die Lotionen aus dem Publikum nur so entgegen.

Beste Ansagen: Olli Schulz läuft vorab rauchend über das Beachgelände, winkt den Nürnbergerinnen Katha und Eva aus dem Backstagebereich zu und ruft lachend: „Ich habe einen sitzen, ich kann heut‘ nicht mehr spielen.” Scherz! Nicht ganz 90 Minuten dauert sein Set, das mindestens zur Hälfte aus kurzweiligem Gesabbel besteht. Dazu gehört die obligatorische Publikumsbeleidigung („Ich komme nach Münster und schaue in einfache Gesichter“) wie der Gang in die Menge. Auch ernsthafte Anliegen, wenn Schulz beispielsweise Kante gegen Rechts und Homophobie im Hip-Hop zeigt, verkleidet er in amüsanten Anekdoten.

Noch am Abend geht es für Katha und Eva zurück nach Nürnberg. Doch der Tag am Strand und der Auftritt von Olli Schulz entschädigt für die lange Zugfahrt.

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