Augenzeuge kritisiert Polizei
„Frau wäre fast unter Auto geraten“

Münster -

Ein ziviles Fahrzeug der Polizei bremst auf dem Friesenring eine Radfahrerin aus. „Einige Meter“ vor ihr sei das Fahrzeug zum Stehen gekommen, heißt es in einer Mitteilung der Polizei. Doch ein Zeuge berichtet gegenüber unserer Zeitung, dass das Fahrzeug nur einen halben Meter vor der Radlerin zum Stoppen kam. Wer von beiden hat recht?

Dienstag, 17.07.2018, 21:25 Uhr

(Symbolbild)
(Symbolbild) Foto: dpa

Immerhin dies steht fest: Eine Radfahrerin und ein Polizeiwagen kollidierten. Über die Intensität des Zusammenstoßes, der sich am vergangenen Mittwoch um 16.25 Uhr am Friesenring ereignete, gehen die Einschätzungen jedoch auseinander.

Die Polizeimeldung

„Mit dem Handy in der Hand gegen Polizeiwagen gestoßen“ – so ist die Meldung überschrieben, die die Polizei nach dem Vorfall verbreitete. Darin heißt es, dass Beamte eine mit dem Handy hantierende Radlerin mehrmals aufgefordert hätten, anzuhalten. Die Frau sei jedoch weitergefahren. Daraufhin habe ein Polizeiwagen „mehrere Meter vor ihr“ auf den Radweg aufgesetzt. Die Radlerin sei gegen das Fahrzeug gefahren und habe sich dabei leicht verletzt, so die Polizei weiter. Sachschaden am Pkw: 1500 Euro.

Die Polizeimeldung im Wortlaut

Hier können Sie die Polizeimeldung im genauen Wortlaut nachlesen.

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Augenzeuge schildert Vorfall anders

Zufällig war Dirk Kößl mit einer Bekannten vor Ort, die beiden machten einen Spaziergang. Was er erzählt, hört sich ein wenig anders an als das, was im Polizeibericht steht. „Wir hörten ein Hupen, dann sahen wir einen Pkw. Wir dachten erst, dass der Fahrer mit der Frau Ärger hat und sie bedrohen will“, berichtet Kößl. Dann sei der Wagen plötzlich auf den Bürgersteig gefahren – nicht „einige Meter“ vor der Radlerin, wie die Polizei schreibt.

„Die Frau hatte höllisches Glück"

Sondern „höchstens einen halben Meter vor der Frau“, wie Kößl berichtet. Ungebremst sei die Radlerin auf das Fahrzeug geknallt. „Die Frau hatte höllisches Glück, sie wäre fast unter das Auto geraten.“ Umso erstaunter war er, dass aus dem Pkw, der nicht als Polizeiauto erkennbar war, zwei Uniformierte stiegen.

„Einer der beiden riss dem Mädchen ihre Kopfhörer aus den Ohren“, so Kößl weiter. Das Mädchen habe gerufen: „Ich habe Schmerzen.“ Im Polizeibericht heißt es an dieser Stelle: „Die Münsteranerin fuhr mit ihrer Leeze gegen den Wagen und verletzte sich dabei leicht.“

Polizei um Stellungnahme gebeten

Kößl berichtet, dass nun ein anderer Beamter zu ihm und seiner Bekannten gekommen sei und gesagt habe: „Gehen Sie weiter – oder wollen Sie ihre Personalien aufgeben?“ Er ging weiter, was ihn im Nachhinein ärgert. Als er zu Hause war, schrieb er einen Brief an die Polizei, in dem er um Stellungnahme bittet. „Was wir gesehen haben, lässt uns keine Ruhe. Wir sind noch immer schockiert“, sagt er.

Polizei-Sprecher Andreas Bode verspricht, dass man die Vorwürfe des Zeugen im Hause prüfen werde. „Dem werden wir nachgehen“, versichert Bode.

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