Uni diskutiert über ihren Namensgeber
Wilhelm steht wieder zur Debatte

Münster -

Der Namenspatron der Uni Münster, der letzte deutsche Kaiser Wilhelm II., ist wieder Gegenstand von internen Diskussionen. Diesmal wird aber keine Umbenennung gefordert – vorerst.

Mittwoch, 18.07.2018, 21:00 Uhr aktualisiert: 18.07.2018, 21:41 Uhr
Die im Schloss beheimatete WWU und ihr Namenspatron: Die Rolle und Bedeutung des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. für die Universität wird jetzt wieder diskutiert. Vorerst in einer Arbeitsgruppe, die der Senat am Mittwoch einsetzte. 
Die im Schloss beheimatete WWU und ihr Namenspatron: Die Rolle und Bedeutung des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. für die Universität wird jetzt wieder diskutiert. Vorerst in einer Arbeitsgruppe, die der Senat am Mittwoch einsetzte.  Foto: Oliver Werner/dpa

Der große, öffentlich teils erbittert geführte Namensstreit liegt mittlerweile mehr als 20 Jahre zurück. Jetzt wird wieder über den Namenspatron der WWU , den preußischen Kaiser Wilhelm II. diskutiert. Einstweilen nur in einer Arbeitsgruppe, und allem Anschein nach ohne große Leidenschaft: Als der Senat in seiner Sitzung am Mittwochnachmittag die Einrichtung des Arbeitskreises beschloss, der sich mit der Person und der historischen Bedeutung Kaiser Wilhelms für die Leitlinie und das Selbstbild der nach ihm benannte „Westfälischen Wilhelms-Universität“ befassen soll, gab es keinerlei Diskussionsbedarf.

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Foto: Jürgen Diener

Was die neue Arbeitsgruppe fordert

Die Studenten Helena Blum, Niklas Haarbusch, Marcel Macke und Paul Seeliger hatten den Antrag gestellt, den der Senat bereits in der Juni-Sitzung im nicht öffentlichen Teil behandelt hatte. Die studentischen Senatoren fordern, nicht gleich den Namen zu wechseln, so wie es 1997 von Teilen der Studierenden und vor allem der Wissenschaftler gefordert wurde.

Was die neue Arbeitsgruppe verlangt, birgt deutlich weniger Zündstoff: Es soll ein Konzept zu einem historisch verantwortungsvollen Umgang der WWU mit Wilhelm II. entwickelt werden, „insbesondere durch die Beförderung einer kritischen, öffentlichen Auseinandersetzung mit seiner Person“, wie es wörtlich in dem Antrag heißt.

Was die Namensdebatte 1997 ergab

Mit anderen Worten: Neuerliche Namensdebatten um Wilhelm II. und seine „WWU“ sind nicht ausgeschlossen. 1997 hatte sich eine Senatskommission der Universität mehrheitlich für eine Umbenennung entschieden, der Senat sprach sich dann aber dagegen aus. Auch der Historiker Prof. Hans-Ulrich Thamer plädierte damals dafür, beim eingeführten Namen der Universität zu bleiben. Als einzige seinerzeit ernsthaft diskutierte Alternative wurde das wertneutrale Etikett „Universität Münster“ ins Feld geführt.

Nun wird die Rolle des letzten deutschen Kaisers, der vielen als Militarist und Antisemit gilt, also wieder Gegenstand der Debatte, vorerst in dem nicht-öffentlich tagenden Arbeitskreis.

In den gut 20 Jahren seit dem zuletzt geführten Namensstreit hat sich in Münster auf diesem Gebiet einiges getan: Straßen wurden umbenannt, und sogar die Hauptadresse der nach Wilhelm II. benannten Uni von Hindenburgplatz in Schlossplatz umbenannt. Letzteres bekanntlich durch einen Bürgerentscheid mit klarem Ergebnis.

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