Hitzewelle hält weiter an
So schläft man bei Hitze gut

Münster -

Wie kann man bei der bestehenden Hitzewelle am besten schlafen? Oder wo? Und kann die Hitze eigentlich „ausgesperrt“ werden? Experten geben Tipps.

Donnerstag, 02.08.2018, 19:34 Uhr

Die Temperaturen fallen derzeit in der Nacht kaum unter die 20-Grad-Marke. Auf der Suche nach einem geeigneten Schlaflager könnte auch eine Nacht unter freiem Himmel in Betracht gezogen werden., angelehnt an eine Kunst-Aktion von Thomas Nufer.
Die Temperaturen fallen derzeit in der Nacht kaum unter die 20-Grad-Marke. Auf der Suche nach einem geeigneten Schlaflager könnte auch eine Nacht unter freiem Himmel in Betracht gezogen werden., angelehnt an eine Kunst-Aktion von Thomas Nufer. Foto: Matthias Ahlke

In diesen Tagen stehen wieder – oder immer noch? – ungewöhnlich warme Nächte bevor. Auch nachts fallen die Temperaturen häufig nicht unter die 20-Grad-Marke.

Zum Schlafen in den Keller umziehen

Viele Menschen klagen darüber, dass sie deswegen morgens unausgeschlafen sind. Schlafforscher und Mediziner Prof. Dr. Peter Young von der Universität Münster kennt das Problem. „Am besten ist es, in den kühlsten Raum im Haus oder in der Wohnung zu wechseln und dort das Nachtlager aufzuschlagen.“ Auch der Balkon oder Kellerräume seien geeignet. Ein Ventilator könne ebenfalls für „etwas Abhilfe“ sorgen. „Allerdings: Der durch die Hitze gestörte Schlaf sollte auch nicht überbewertet werden. Wir sollten hinnehmen, dass wir jetzt vielleicht mal einige Tage nicht so gut schlafen und vielleicht auch nicht ganz so leistungsfähig sind.“

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Schlafmediziner Prof. Dr. Peter Young. Foto: UKM

Ein Mensch braucht im Sommer etwa eine halbe Stunde weniger Schlaf als im Winter.

Schlafforscher Prof. Dr. Young

Der Wissenschaftler hat noch einen weiteren Tipp parat: „Splitten Sie Ihre Schlafzeiten auf. Machen Sie also zum Beispiel direkt nach der Arbeit ein Schläfchen, damit kann man das nächtliche Schlafdefizit etwas ausgleichen.“

Studien hätten gezeigt, dass das Licht verantwortlich ist für den leicht unterschiedlichen Bio-Rhythmus im Sommer und im Winter. „Ein Mensch braucht im Sommer etwa eine halbe Stunde weniger Schlaf als im Winter.“

Ostsee fast so warm Mittelmeer - und es bleibt schwül-heiß

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  • Rügen ist die neue Riviera: Dank des Ausnahme-Sommers ist das Wasser an der Ostseeküste inzwischen fast so warm wie an Mittelmeerstränden.

    Foto: Markus Scholz
  • Zwischen der Lübecker Bucht und der dänischen Grenze pendeln die Temperaturen an der Oberfläche aktuell zwischen 23 und 25 Grad.

    Foto: Markus Scholz
  • In einer repräsentativen Emnid-Umfrage für die Tageszeitung «Die Welt» können sich 54 Prozent der Befragten noch über das heiße Wetter freuen und genießen den Sommer.

    Foto: Frank Molter
  • Schwimmer können sich vor der Urlauberhochburg Timmendorfer Strand über Wassertemperaturen von 24 bis 25 Grad freuen. Die Insel Fehmarn liegt mit 23 bis 24 Grad nahezu gleichauf. An der Kieler Förde sind es 24 Grad, ebenso in Eckernförde. Am Ostseebad Flensburg soll die Wassertemperatur sogar 25 bis 26 Grad erreichen.

    Foto: Frank Molter
  • Ein Ende der Hitzewelle ist auch in den kommenden Tagen nicht in Sicht, im Gegenteil: Aufgrund zunehmender Feuchtigkeit dürfte die 28 bis 38 Grad heiße Luft noch unerträglicher erscheinen, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) zu den Aussichten für die kommenden Tage berichtete.

    Foto: Markus Scholz
  • Ein junger Mann springt am Lechwehr in die kühlen Fluten des Lechs.

    Foto: Karl-Josef Hildenbrand
  • Am Sonntag und Montag kommt es zumindest in der Nordhälfte stellenweise zu einer leichten Abkühlung.

    Foto: Karl-Josef Hildenbrand
  • An der See betragen die Temperaturen dann nur noch 21 Grad. Im Süden wird bei Temperaturen zwischen 28 und 35 Grad weiter geschwitzt.

    Foto: Karl-Josef Hildenbrand
  • Die Breisgau S-Bahn fährt über das ausgetrocknete Flussbett der Dreisam. Durch die Hitze und Trockenheit der letzten Wochen ist die Dreisam dort komplett verschwunden.

    Foto: Patrick Seeger
  • Üble Folgen hat die Hitzewelle mittlerweile für die Fische im Hochrhein. Mit den steigenden Wassertemperaturen ist die Schmerzgrenze für Äschen und Bachforellen erreicht. 27,4 Grad hat der schweizerische Fischereiverband im Wasser bei Stein am Rhein westlich des Bodensees gemessen. Wasser über 27 Grad gilt als tödlich.

    Foto: Patrick Seeger
  • Wegen des Niedrigwassers müssen am Mannheimer Hafen derzeit viele Passagiere die Flusskreuzfahrtschiffe verlassen. Für diese Schiffe führe der Rhein nicht genug Wasser, um Richtung Basel weiterzufahren, erläuterte die Hafenmeisterin. Die Gäste werden dann von ihren Reisegesellschaften per Bus nach Süden gebracht. Im Bild: Trockengefallene Sandbänke in der Elbe.

    Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
  • An Schlaf ist bei den Tropennächten kaum zu denken? Mit diesen Tipps sollte das Einschlafen bei der Sommerhitze leichter fallen.

    Foto: dpa-infografik GmbH

Wie kann es gelingen, die Wohnung kühl zu halten?

Ein weiterer wichtiger Aspekt in diesem Zusammenhang: Wie kann es gelingen, eine Wohnung kühl zu halten? Prof. Dr. Bernd Boiting ist Experte für Raumluft- und Kältetechnik an der Fachhochschule Münster. Für die Antwort auf diese Frage müssten drei wichtige Randbedingungen berücksichtigt werden.

„Sonnenstrahlung muss außerhalb der Wohnung gleichsam aufgehalten werden.“ Vorhänge im Innern einer Wohnung seien nicht geeignet, Räume vor der Überhitzung zu schützen. Sie erreichen nur eine eher geringe Wirkung. „Und wer einen Vorhang verwenden will, weil er außen nicht verschatten kann, sollte dafür Sorge tragen, dass dieser die Sonnenstrahlung möglichst nach außen reflektiert“, erläutert Boiting.“ Unter dem Stichwort „Verschattung von außen“ verweist der Experte auf Jalousien oder Markisen, die „dem Lauf der Sonne“ entsprechend eingesetzt werden. Gegen Mittag müsse die südliche Seite eines Hauses oder einer Wohnung verschattet werden, im Laufe des Nachmittags dann die westliche Seite. So könnten die Folgen der dann frontal auf die Fassade stehenden Sonne erheblich gemildert werden.

Man könne aber auch von innen dazu beitragen, dass eine Wohnung kühl bleibe. Der Einsatz jedweder elektrischer Geräte erzeuge neben der Funktion auch Wärme. Spül-, Waschmaschinen oder Herde etwa sollten erst abends betrieben werden; LED-Beleuchtung sei besser als andere Formen von Beleuchtung.

Gewinner und Verlierer der Hitzewelle

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  • Gewinner

    Speiseeishersteller: Eisdielenbesitzer berichten bei Stichproben über glänzende Geschäfte, im Einzelhandel zählt Speiseeis ebenfalls zu den Rennern. Laut der Union der italienischen Speiseeishersteller in Deutschland (Uniteis) ist dieses Jahr vor allem Fruchteis gefragt. „Es ist ein wunderbarer Eis-Sommer“, sagt Uniteis-Sprecherin Annalisa Carnio, meint aber auch: „Am meisten verkaufen wir bei Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad Celsius.“ Bei allem, was an Temperaturen darüber liegt, steige eher der Bedarf nach Flüssigkeiten als nach Speiseeis.

    Foto: Wolfgang Kumm
  • Gewinner

    Sonnenschutz-Anbieter: Um sich vor Sonnenbrand zu schützen, ist sowohl auf dem Balkon als auch im Garten oder am Strand ein Mittel unerlässlich: der Sonnenschutz. Egal ob als Sonnensegel, Sonnenschirm, Baldachin oder Markise, Schattenspender aller Art sind bei den sommerlichen Temperaturen sehr gefragt. „Bei den Bereichen Pavillon, Bewässerung, Camping und Grillen verspüren wir einen deutlichen und starken Nachfragezuwachs“, sagte eine Sprecherin der Baumarktkette Hagebau. Gute Nachfrage bestätigen auch viele Fachgeschäfte bei Ventilatoren und Klimageräten.

    Foto: Patrick Pleul
  • Gewinner

    Sonnencreme-Hersteller: Die Sonnenstrahlung sorgt nicht nur für gesunde Bräune, sondern verursacht auch Sonnenbrand - und im schlimmsten Fall Hautkrebs. Sonnencremes stehen daher laut Einzelhandel hoch im Kurs.

    Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand
  • Gewinner

    Getränkewirtschaft: Hitze macht durstig. Das hat auch in den vergangenen Sommerwochen die Absätze von Bier deutlich nach oben getrieben. „Gerade auch die alkoholfreien Sorten sind derzeit äußerst gefragt“, sagt Marc-Oliver Huhnholz, Sprecher beim Deutschen Brauer-Bund. „Wir blicken sehr optimistisch auf dieses Geschäftsjahr.“

    Die Fußball-Weltmeisterschaft und das Sommerwetter haben schon im ersten Halbjahr den Bierabsatz angekurbelt. Er stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 0,6 Prozent oder 0,3 Millionen Hektoliter, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Brauereien und Bierlager setzten damit rund 47,1 Millionen Hektoliter Bier ab.

     

    Foto: Sina Schuldt
  • Verlierer

    Landwirtschaft: Die Bauern haben große Angst um ihre Ernte. Was für ambitionierte Freizeitgärtner schon eine Herausforderung ist, treibt vielen Landwirten angesichts verdorrender Felder Kummerfalten auf die Stirn. Bauernverbände rechnen etwa bei der Getreideernte in vielen Regionen des Landes mit Ausfällen. Bauernverbands-Präsident Joachim Rukwied fürchtet gar ein „existenzbedrohendes Ausmaß“ in Teilen der Bundesrepublik.

    Foto: Julian Stratenschulte
  • Verlierer

    Wälder: Wegen Trockenheit gibt es in Teilen Deutschlands Warnungen vor Waldbränden. In Niedersachsen etwa besteht fast landesweit allerhöchste Bandgefahr, in Brandenburg bei Fichtenwalde standen jüngst schon Wälder in Flammen. Die geringen Niederschläge der vergangenen Wochen und die stark gestiegenen Temperaturen haben die Bäume bereits in Mitleidenschaft gezogen. Besonders hoch ist die Gefahr entlang von Straßen- und Wegböschungen sowie an Waldrändern und Hecken, wo vertrocknete Gräser und Stauden leicht in Brand geraten können.

    Foto: Jan Woitas
  • Verlierer

    Binnenschiffahrt: Wegen der extremen Hitze und Trockenheit sinken die Pegelstände stark. Deshalb müssen etliche Schiffe mit deutlich weniger Ladung fahren als sonst, wie Rolf Nagelschmidt vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Köln sagt.

    Foto: Frank Rumpenhorst
  • Verlierer

    Kraftwerke: Mehrere Kraftwerke mussten nach der tagelangen Hitze gedrosselt werden. Denn so gelangt weniger Witze über Kühlwasser in Flüsse. Auch hieß es kürzlich aus einem Kraftwerk aus Nordrhein-Westfalen, dass die Wassertemperatur im Kühlturm wegen der Hitze zu hoch gewesen sei.

    Foto: Paul Zinken
  • Verlierer

    Fische: Fische sterben, wenn das Wasser immer wärmer wird. „Spätestens ab 28 Grad ist mit Schädigungen der Gewässerbiologie zu rechnen“, sagt Holger Sticht vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Einige Fische in Flüssen suchten sich kühlere Orte zum Laichen und brächten so ihren natürlichen Takt durcheinander. „Problematischer ist die Lage in Stillgewässern und kleineren Fließgewässern“, sagt Fischereibiologe Olaf Niepagenkemper. Wenn es wärmer wird, könne das Wasser weniger Sauerstoff aufnehmen.

    Ein tausendfaches Fischsterben am Rhein ist nach Experteneinschätzung kaum noch abzuwenden. „Ich rechne schon nächste Woche mit der Tragödie“, sagte der Geschäftsführer des schweizerischen Fischereiverbandes, Philipp Sicher. Der Rhein habe westlich des Bodensees bereits 25 Grad Wassertemperatur.

    Foto: Thomas Frey

Kräftig und länger durchlüften

Die dritte Komponente sei, die Speicherkapazität einer Wohnung oder eines Hauses zu nutzen. „Kräftig und länger durchlüften, und zwar dann, wenn es gefühlt im Hause wärmer ist als draußen.“ Der beste Zeitpunkt dafür sei meistens am frühen Morgen oder in den frühen Abend- und Nachtstunden. „Wenn die Techniken sinnvoll miteinander kombiniert werden, kann theoretisch eine Raumtemperatur im Bereich von 26 Grad erreichbar sein“, ist sich Boiting sicher. Natürlich müsse bedacht sein, dass das in Groß- oder Innenstädten wegen des Wärmestaus aufgrund des fehlenden Windes und der räumlichen Enge durchaus schwieriger zu realisieren sei.

Er verweist zudem auf die „schon lange geltende“ Energieeinsparverordnung. Darin sei unter anderem geregelt, dass Architekten bei der Planung eines Hauses Sorge für den „sommerlichen Wärmeschutz“ tragen müssten.

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