Aufnahme von Flüchtlingen aus Seenotrettung
Initiative attackiert Oberbürgermeister

Münster -

Münsters schwarz-grüne Rathausmehrheit ist sich uneins, ob die Stadt freiwillig Flüchtlinge aufnehmen sollte, die per Seenotrettung im Mittelmeer aufgegriffen wurden. Während sich die Grünen für eine Aufnahme aussprechen, hatte Oberbürgermeister Markus Lewe davor gewarnt, den Bogen zu überspannen. Auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Stefan Weber hatte sich dahingehend geäußert, und vor einer Überforderung der Aufnahmebereitschaft gewarnt.

Dienstag, 07.08.2018, 08:30 Uhr

Bereits im Juli hatte das Aktionsbündnis „Seebrücke Münster“ auf der Stubengasse für die Aufnahme von in Seenot geratenen Flüchtlingen demonstriert.
Bereits im Juli hatte das Aktionsbündnis „Seebrücke Münster“ auf der Stubengasse für die Aufnahme von in Seenot geratenen Flüchtlingen demonstriert. Foto: Maximilian von den Benken

Diese Befürchtungen kann die Initiative „Münster – Stadt der Zuflucht“ nicht teilen. Sie hat am Montag einen Appell öffentlich gemacht, den über 150 Bürger der Stadt sowie 28 Gruppen unterzeichnet haben. Darin heißt es: „Mit großem Bedauern stellen wir fest, dass Oberbürgermeister Markus Lewe sich dem Beispiel anderer Städte nicht anschließt, sondern sich weigern möchte, zusätzliche Geflüchtete nach der Seenot-Rettung in Münster aufzunehmen.“

Mit Nachdruck appelliere man an Markus Lewe, seine Absage an diese Art der humanitären Hilfe zu überdenken. „Insbesondere wenden wir uns in diesem Appell gegen die Begründung und die Wortwahl, die Herr Lewe in seinem Vorstoß benutzt“, schreibt die Initiative. Der Oberbürgermeister, so die Initiative, suggeriere in einem in dieser Zeitung erschienenem Bericht, die Aufnahme von aus der Seenot Geretteten sei der Münsteraner Bevölkerung „kaum noch zu vermitteln“.

"Inakzeptable Bevormundung"

„Dies ist eine inakzeptable Bevormundung. Sie missachtet ferner die Mitmenschlichkeit und Solidarität, mit der sich eine wachsende Anzahl von Menschen aus Münster schon seit langer Zeit für die Aufnahme zusätzlicher Geflüchteter einsetzt.“

Vielmehr sei die Zahl der ehrenamtlichen Initiativen im Bereich Flucht und Migration lang und wachse bis heute weiter. Von einer Nicht-Vermittelbarkeit könne daher keine Rede sein. Mit einer geschlossenen Stimme aus der Zivilgesellschaft weise man Lewes pauschale Behauptung, Münsters Bevölkerung sei gegen die neue Aufnahme von Geflüchteten, zurück.

„Demgegenüber wäre es für uns nicht vermittelbar, wenn die breit vorgetragene Forderung, unsere Stadt möge ein Teil dieser Bewegung sein, mit nur wenigen Sätzen beiseite gewischt würde“, schreibt die Initiative. Unter anderem ist der Appell vom Caritasverband für die Stadt Münster, dem Eine Welt Netz NRW und der SPD-Ratsfraktion unterzeichnet.

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