Historische Reise im August 1988
Vor 30 Jahren: Friedensaktivisten aus Münster in Minsk

Münster -

Die Friedens-AG von GAL/Die Grünen machte vor genau 30 Jahren eine Begegnungsreise nach Minsk im noch sowjetischen Weißrussland. Es war die Zeit von Perestroika und Glasnost, der Umgestaltung und Öffnung des sowjetischen Systems unter Michail Gorbatschow.

Freitag, 17.08.2018, 11:54 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 16.08.2018, 22:30 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 17.08.2018, 11:54 Uhr
Im August 1988, vor genau 30 Jahren, unternahm die Friedens-AG von GAL/Die Grünen Münster eine Begegnungsreise nach Minsk im noch sowjetischen Weißrussland.
Im August 1988, vor genau 30 Jahren, unternahm die Friedens-AG von GAL/Die Grünen Münster eine Begegnungsreise nach Minsk im noch sowjetischen Weißrussland. Foto: pd

Im August 1988, vor genau 30 Jahren, unternahm die Friedens-AG von GAL/Die Grünen Münster eine Begegnungsreise nach Minsk im noch sowjetischen Weißrussland. Es war die Zeit von Perestroika und Glasnost, der Umgestaltung und Öffnung des sowjetischen Systems unter Michail Gorbatschow. Die Münsteraner trafen mit Stadtplanern, Deutschlehrerinnen, Historikern sowie Mitgliedern des Belorussischen Friedenskomitees und Veteranen zusammen, heißt es in einer Pressemitteilung.

Als erste parteinahe Gruppe aus Westdeutschland nahmen die Friedensbewegten die Spuren des deutschen Vernichtungskrieges gegen die Sowjetunion auf. Am 14. August besuchten sie die Gedenkstätte Katyn bei Minsk. Das Dorf Katyn war am 22. März 1943 von einer SS-Einheit mit seinen 149 Einwohnern, darunter 75 Kindern, verbrannt worden. Insgesamt 186 Dörfer mitsamt ihrer Bevölkerung verbrannten die deutschen Besatzer. Dass diesem Vernichtungskrieg ein Viertel der weißrussischen Bevölkerung zum Opfer fiel, war in Deutschland damals nahezu unbekannt.

Den sowjetischen Veteranen und Mitgliedern des Friedenskomitees übergaben die deutschen Gäste die Dokumentation „Spuren des Vernichtungskrieges gegen die Sowjetunion und anderer Kriege gegen Russland im Münsterland“, die Winfried Nachtwei zusammengestellt hatte. Der Reisebericht ist jetzt mitsamt der Dokumentation unter www.nachtwei.de zugänglich. Für den friedensbewegten Grünen Nachtwei gerieten die aufwühlenden Reiseerfahrungen zum Anstoß für weitere Spurensuche. Am 17. Oktober 1988, zwei Monate nach Besuch der Gedenkstätte Katyn, berichtete die Tagesschau von dem mutmaßlichen, in Münster lebenden Kriegsverbrecher Boleslavs Maikovskis. Dem ehemaligen Hauptmann der lettischen Hilfspolizei wurde vorgeworfen, maßgeblich an der Ermordung von 170 Einwohnern des ostlettischen Dorfes Audrini im Januar 1942 beteiligt gewesen zu sein. Nachtwei wurde hellhörig, fand in seinem Archiv Dokumente zu Audrini und gab sie an den WDR weiter. Zwischen 1990 und 1994 fand schließlich der Maikovskis-Prozess am Landgericht Münster statt.

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