Rätselraten um Richter
Nicht das Pendel ist die Kunst

Münster -

Was hat sich Gerhard Richter bei diesem Pendel in der Dominikanerkirche wohl gedacht?

Sonntag, 19.08.2018, 10:00 Uhr
Gerhard Richter
Gerhard Richter Foto: Oliver Werner

Mit Verlaub: Es ist fast unmöglich, auf diese Frage eine Antwort zu bekommen. Denn der 86-jährige, international anerkannte Künstler kann zwar auf ein umfangreiches Schaffen zurückblicken. Aber er redet nicht gern darüber.

Im Fall seines Kunstwerks „Zwei graue Doppelspiegel für ein Pendel“ kommt noch hinzu, dass das Foucaultsche Pendel, das in der Dominikanerkirche zu bewundern ist, natürlich nicht von Gerhard Richter erfunden wurde, sondern von Léon Foucault .

Von Richter stammt „nur“ die Idee, ein Pendel im Rahmen eines Kunstwerkes zu installieren und dieses Gesamtkunstwerk dann in einer Kirche zu platzieren.

Faszination Foucaultsches Pendel

Wie die Kuratoren Dr. Gail Kirkpatrick und Marcus Lütkemeyer schreiben, war Richter schon lange fasziniert vom Foucaultschen Pendel und dem damit verbundenen physikalischen Phänomen. Beim Erkunden der Dominikanerkirche als möglichem Standort sei Richter angetan gewesen von „den monumentalen Ausmaßen, von der Atmosphäre und Eleganz der wohl proportionierten Raumkörper, die sich untereinander nahezu spiegelbildlich entsprechen“.

Apropos Spiegelbild: Das Pendel ist nicht zu trennen – zumindest in künstlerischer Hinsicht – von den insgesamt vier jeweils sechs mal 1,34 Meter großen und grauen Spiegelplatten. Jeweils zwei hängen nebeneinander, und zwar genau in Höhe des Pendels und an den beiden gegenüberliegenden Wänden der Kirche.

Die Ruhe der Kirche und des Pendels

Wer also als Besucher der Dominikanerkirche zu erkennen geben möchte, dass er verstanden hat, was der Künstler mit dem Kunstwerk sagen möchte, der schaut sich das Pendel durch den Spiegel an.

Er kann sich aber auch einfach hinsetzen, die Ruhe der Kirche auf sich wirken lassen und schweigend dem Pendel folgen. So würde es auch Gerhard Richter machen. Wenn er denn mal sagt, was er macht.

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