Aasee: Kritik an Gutachten
„Irreführung statt Aufklärung“

Münster -

Scharfe Kritik an dem am Freitag von der Stadt veröffentlichten Gutachten zur Umweltkatastrophe am Aasee: Es sei „irreführend“ und werfe mehr Fragen auf, als es Antworten gebe, so Linken-Ratsherr Rüdiger Sagel. Das Gutachten zeuge von „organisierter Tatenlosigkeit“ statt vorsorgender Maßnahmen.

Sonntag, 26.08.2018, 18:03 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 26.08.2018, 16:56 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Sonntag, 26.08.2018, 18:03 Uhr
Der Linken-Ratsherr Rüdiger Sagel hält das von der Stadt veröffentlichte Gutachten zur Umweltkatastrophe am Aasee für „irreführend“.
Der Linken-Ratsherr Rüdiger Sagel hält das von der Stadt veröffentlichte Gutachten zur Umweltkatastrophe am Aasee für „irreführend“. Foto: Oliver Werner

Schon der Titel „Kurzgutachten“ sei irreführend, da es sich um eine Stellungnahme eines in der Sache „Aasee-Katastrophe“ mitveranwortlichen Beauftragten handele und kein Gutachten mit einer Untersuchung von anderer oder gar neutraler Stelle sei. „Durch eine derart beschönigende und aufwertende Bezeichnung bereits in diesem Stadium der Aufklärung wird auch die Besetzung der vom ins Leben gerufenen Taskforce, mit der Umweltverwaltung als Kern dieser Untersuchungskommission, mehr als fragwürdig“, so Sagel weiter. Denn es drohe so weiterhin nur, dass sich die Verantwortlichen bei der Stadt selber von jeder Schuld reinzuwaschen versuchen – „wie wir das seit Tagen bereits erleben“, betont der Linken-Politiker.

Entsorgung toter Fische am Aasee

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Warum in dem „Kurzgutachten“ erwähnt werde, dass die am Hauptzufluss der Aa betriebene Phosphatfällanlage „vom Frühling bis in den Herbst“ betrieben wird, diese aber laut Sagel im Juni bereits ausgeschaltet wurde, ohne dass andere vorsorgende Maßnahmen ergriffen wurden, bleibe ein Geheimnis des „Kurzgutachtens“. Es dränge sich der Eindruck auf, dass man bei der Stadt in der Hoffnung lebte, dass schon alles gut gehen wird, so Sagel weiter.

Reaktionen zum Aasee: Hafengeruch und Unverständnis

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  • Monika Hellers Arbeitsweg führt sie täglich am Aasee vorbei. Nachdem sie am Freitag die unzähligen toten Fische gesehen hat, ist sie nun verwundert: „Es ist nicht nachvollziehbar, warum nicht schon eher etwas passiert ist.“ In anderen Seen der Gegend seien Fische gerettet worden, doch „hier passierte nichts“, so Frau Hellers Einschätzung.

    Foto: Hannah Würsching
  • Birgitta Beerhorst geht regelmäßig mit ihrem Hund Gandhi am Aasee spazieren. Wie schlecht es um Münsters Stadtsee bestellt ist, macht sie traurig: „Mir tut der Aasee leid.“ Doch in die Trauer mischt sich auch Wut: „Die Stadtoberen lassen sich nichts einfallen zum See.“ Für die Hundehalterin ist der See ein Stück Natur, der gut behandelt werden müsse: „Wir sind alle aufgerufen, uns darum zu kümmern.“

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  • Student Kamill Wiczok besitzt einen Fischereischein. Er finde es bedrückend, zu wissen, dass ein Großteil der Fische aus dem Aasee jetzt tot sei. Zwar werde aktuell bei der Beseitigung der toten Tiere von der Feuerwehr gute Arbeit geleistet, aber ein früheres Einschreiten hätte das Szenario vielleicht verhindern können. „Das ist eine kleine Naturkatastrophe für Münster“, sagt er.

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  • Robin Borkenhagen aus Münster war in den letzten Tagen häufiger am Ufer des Aasees unterwegs. Die toten Fische am Wochenende waren auch für ihn weder zu übersehen noch zu „überriechen“. „Das war ein penetranter Verwesungsgeruch und ein regelrechter Strand aus toten Fischen“, erzählt er. Er sei zwar kein Experte, aber er frage sich schon, warum vonseiten der Behörden nicht früher etwas unternommen wurde. „Man kann doch Wahrscheinlichkeiten heranziehen, wann so ein See kippt.“

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  • Für Margarete Schweter riecht der Aasee momentan nach Hafen: „fischig und modrig“. Der Gestank sei für sie jedoch das kleinere Übel. Dass mit dem heißen Sommer noch weitere Probleme wie das Fischsterben einhergingen, sei für sie absehbar gewesen. Man hätte früher etwas unternehmen müssen, sagt sie. „Die Politik zieht sich hier aus der Verantwortung.“

    Foto: Hannah Würsching
  • Denise Rüller geht fast täglich um den Aasee herum spazieren. Für sie stinke es am See momentan „wie nach schlechten Muscheln“. Zuvor seien ihr schon zwei Entenretter einer Tierschutzorganisation entgegengekommen. „Mindestens einen toten Vogel haben die beiden in ihrer Plastiktüte dabeigehabt“, erzählt sie.

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  • Auch Markus Haverkamp, der bereits seit 1986 im Münsterland angelt, empfindet das Fischsterben als „Katastrophe“ und „Trauerspiel“. Zwar lobt er den Einsatz der Feuerwehr, doch kämen die Maßnahmen „mindestens drei Wochen zu spät: Die Politik hat gepennt.“

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