Ratsfraktionen arbeiten das Fischsterben auf
Mehr Fragen als Antworten

Münster -

Zwei Stunden lang sprach die Spitze der Stadtverwaltung mit Vertretern der Ratsparteien über das Fischsterben im Aasee. Trotzdem tappt man noch, wie zu hören ist, bei der Ursachenerforschung im Dunkeln.

Mittwoch, 29.08.2018, 07:56 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 29.08.2018, 07:30 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 29.08.2018, 07:56 Uhr
Vieles deutet darauf hin, dass die Stadt künftig bei Krisen im Aasee schneller als bisher auf eine Sauerstoffzufuhr setzen wird. Hier pumpt die Feuerwehr Emsdetten Wasser in den See.
Vieles deutet darauf hin, dass die Stadt künftig bei Krisen im Aasee schneller als bisher auf eine Sauerstoffzufuhr setzen wird. Hier pumpt die Feuerwehr Emsdetten Wasser in den See. Foto: Matthias Ahlke

„Es gibt mehr Fragen als Antworten.“ Mit diesen Worten kommentierte der CDU-Fraktionsvorsitzende Stefan Weber am Dienstag den aktuellen Stand der Ursachenforschung für das dramatische Fischsterben im Aasee. Rund zwei Stunden lang informierte die Stadtverwaltung unter Leitung von Stadtdirektor Thomas Paal und Umweltdezernent Matthias Peck die Spitzen der Ratsfraktionen am Montagabend über den Stand der Dinge.

Dabei wurde bekannt, dass die Stadt zur Aufklärung des Sachverhaltes nicht länger eine „ Task Force“ einrichten möchte, sondern „nur“ einen Runden Tisch. Er tagt am heutigen Mittwoch zum ersten Mal.

„Alle wichtigen Fragen wurden nicht beantwortet“, bewertete der Linke Rüdiger Sagel das Treffen, die Stadt tappe bei der Ursachenforschung „im Dunkeln“. Auch für den SPD-Fraktionschef Dr. Michael Jung verlief das Gespräch nach eigenem Bekunden unbefriedigend: „Es gibt bislang keine Klärung des Sachverhalts.“

Der Aasee ist nicht der einzige See in NRW. Aber ein solches Desaster hat sich nirgendwo anders ereignet.

Rüdiger Sagel

Vor allem treibt ihn die Frage um, warum andere Städte besser durch den Hitzesommer gekommen sind: „Der Aasee ist nicht der einzige See in NRW. Aber ein solches Desaster hat sich nirgendwo anders ereignet.“

Reaktionen zum Aasee: Hafengeruch und Unverständnis

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  • Monika Hellers Arbeitsweg führt sie täglich am Aasee vorbei. Nachdem sie am Freitag die unzähligen toten Fische gesehen hat, ist sie nun verwundert: „Es ist nicht nachvollziehbar, warum nicht schon eher etwas passiert ist.“ In anderen Seen der Gegend seien Fische gerettet worden, doch „hier passierte nichts“, so Frau Hellers Einschätzung.

    Foto: Hannah Würsching
  • Birgitta Beerhorst geht regelmäßig mit ihrem Hund Gandhi am Aasee spazieren. Wie schlecht es um Münsters Stadtsee bestellt ist, macht sie traurig: „Mir tut der Aasee leid.“ Doch in die Trauer mischt sich auch Wut: „Die Stadtoberen lassen sich nichts einfallen zum See.“ Für die Hundehalterin ist der See ein Stück Natur, der gut behandelt werden müsse: „Wir sind alle aufgerufen, uns darum zu kümmern.“

    Foto: Hannah Würsching
  • Student Kamill Wiczok besitzt einen Fischereischein. Er finde es bedrückend, zu wissen, dass ein Großteil der Fische aus dem Aasee jetzt tot sei. Zwar werde aktuell bei der Beseitigung der toten Tiere von der Feuerwehr gute Arbeit geleistet, aber ein früheres Einschreiten hätte das Szenario vielleicht verhindern können. „Das ist eine kleine Naturkatastrophe für Münster“, sagt er.

    Foto: Hannah Würsching
  • Robin Borkenhagen aus Münster war in den letzten Tagen häufiger am Ufer des Aasees unterwegs. Die toten Fische am Wochenende waren auch für ihn weder zu übersehen noch zu „überriechen“. „Das war ein penetranter Verwesungsgeruch und ein regelrechter Strand aus toten Fischen“, erzählt er. Er sei zwar kein Experte, aber er frage sich schon, warum vonseiten der Behörden nicht früher etwas unternommen wurde. „Man kann doch Wahrscheinlichkeiten heranziehen, wann so ein See kippt.“

    Foto: Hannah Würsching
  • Für Margarete Schweter riecht der Aasee momentan nach Hafen: „fischig und modrig“. Der Gestank sei für sie jedoch das kleinere Übel. Dass mit dem heißen Sommer noch weitere Probleme wie das Fischsterben einhergingen, sei für sie absehbar gewesen. Man hätte früher etwas unternehmen müssen, sagt sie. „Die Politik zieht sich hier aus der Verantwortung.“

    Foto: Hannah Würsching
  • Denise Rüller geht fast täglich um den Aasee herum spazieren. Für sie stinke es am See momentan „wie nach schlechten Muscheln“. Zuvor seien ihr schon zwei Entenretter einer Tierschutzorganisation entgegengekommen. „Mindestens einen toten Vogel haben die beiden in ihrer Plastiktüte dabeigehabt“, erzählt sie.

    Foto: Hannah Würsching
  • Auch Markus Haverkamp, der bereits seit 1986 im Münsterland angelt, empfindet das Fischsterben als „Katastrophe“ und „Trauerspiel“. Zwar lobt er den Einsatz der Feuerwehr, doch kämen die Maßnahmen „mindestens drei Wochen zu spät: Die Politik hat gepennt.“

    Foto: Matthias Ahlke

Der Wunsch von einem geretteten See

Ganz anders bewertete Bürgermeister Gerhard Joksch von den Grünen den Sachverhalt. Die unvorteilhaften Rahmenbedingungen am Aasee (zu flach, zu geringer Wasserzufluss, hoher Nährstoffeintrag) und der Klimawandel ließen Schlimmes befürchten: „Die Vorstellung, wir könnten den See wieder gesund bekommen, ist weg“, zeigte er sich nach dem Gespräch desillusioniert. „Die Probleme sind zu groß geworden.“

Als früherer Stadtbaurat wurde Joksch im Hitzesommer 2003 mit den Problemen des Aasees konfrontiert, aber auch verglichen mit damals habe sich die Situation verschlechtert, meinte er. Allenfalls punktuell könne die Stadt „Feuerwehr spielen“ und Sauerstoff in den See pumpen. Sich davon aber eine Rettung des Sees zu versprechen, sei ein „frommer Wunsch“.

Die Vorstellung, wir könnten den See wieder gesund bekommen, ist weg.

Gerhard Joksch

Gleichwohl sind diese Feuerwehr-Maßnahmen wohl Konsens bei den Kommunalpolitikern. Nach Auskunft von Weber herrschte jedenfalls Einvernehmen, eine derart zugespitzte Krise nicht noch einmal erleben zu wollen.

Geblieben ist derweil das Misstrauen vieler Ratsmitglieder gegenüber der Stadtverwaltung. So forderte der FDP-Ratsherr Hans Varnhagen eine „vorbehaltlose Aufklärung des Geschehens durch unabhängige Wissenschaftler“.

Fischsterben im Aasee : Sauerstoffwerte wieder im Keller

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