Rund 2000 gehen auf die Straße
Friedlicher Protest gegen Rechts

Münster -

Alles hatte mit einem Aufruf über Facebook begonnen. Gefolgt sind ihm am Donnerstag viele. Sie setzten in der Innenstadt ein friedliches Zeichen gegen „rechten Hass“.

Donnerstag, 30.08.2018, 19:55 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 30.08.2018, 19:28 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 30.08.2018, 19:55 Uhr
Einige Hundert hatten sich an der Windthorststraße versammelt. Als die Demonstration auf dem Prinzipalmarkt ankam zählte die Polizei rund 2000 Teilnehmer.
Einige Hundert hatten sich an der Windthorststraße versammelt. Als die Demonstration auf dem Prinzipalmarkt ankam zählte die Polizei rund 2000 Teilnehmer. Foto: Björn Meyer

Etwa 2000 Menschen, so die Schätzung der Polizei, haben am Donnerstagnachmittag in Münster friedlich gegen „rechten Hass“ demonstriert. Von der Windthorststraße waren die Demonstrationsteilnehmer über die Stubengasse in Richtung Prinzipalmarkt gezogen. Dort gab es eine Abschlusskundgebung, bei der auch ein Erfahrungsbericht von jemandem verlesen wurde, der laut den Organisatoren der Demonstration bei den Ereignissen in Chemnitz vor Ort war. Dort war es nach einer tödlichen Messerattacke zu rechten Ausschreitungen gekommen.

Organisatoren zeigten sich positiv überrascht

Erst zwei Tage vor der Demo hatte sich das „Aktionsbündnis Münster gegen rechte Gewalt“ in privater Runde gegründet, wie Katharina Köhnke erzählt. Die 24-jährige, die für die SPD im Rat sitzt, ist eine der Organisatorinnen und zeigte sich selber überrascht, wie viele dem Aufruf über Facebook gefolgt waren: „Damit hätte ich nicht gerechnet“, sagt Köhnke, als sie auf dem Prinzipalmarkt auf die Menschenmenge schaut, die hinter ihr ankommt.

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Foto: Björn Meyer

Aus einigen Hundert wurden 2000

Mit einigen Hundert Teilnehmern war die Demonstration zunächst auf der Windthorst­straße gestartet. „Sollen wir mitgehen?“, fragt ein älterer Herr im Anzug die junge Frau neben ihm, die vielleicht seine Tochter ist. Doch nicht nur er überlegt, auf dem Weg zum Prinzipalmarkt schließen sich viele Münsteraner dem Protest spontan an. An der Stubengasse schätzt die Polizei die Zahl bereits auf 1000. Längst sind das vordere und das hintere Ende des Demonstrationszuges nicht mehr gleichzeitig zu sehen. Wenig später korrigieren die Beamten die Zahl dann noch einmal deutlich nach oben.

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Foto: Björn Meyer

Was die Demonstranten bewegt

Wer dabei ist? Natürlich viele junge Leute. Vorne gehen die, die immer da sind, wenn es gegen Rechts geht: die Antifa. Laut, aber ohne Aufruf zu Gewalt, skandiert sie ihren Protest. Dahinter sind Fahnen der Jusos und der Grünen zu erkennen. „Die Partei“ verteilt Aufkleber, auf denen „bedingungsloses Mindesthirn für alle“, gefordert wird. Andere Teilnehmer haben sich Pappschilder gebastelt. Lehrer, Versicherungsangestellte, Mütter mit Kinderwagen – viele lehnen sich gegen das auf, was sie Tage zuvor im Fernsehen und im Internet gesehen haben.

„Wir wollen nicht, dass diese Zustände als normal wahrgenommen werden und Menschen über Straßen gejagt werden“, sagt Köhnke. Damit steht sie in diesen Tagen ganz offenbar nicht alleine da.

Ausschreitungen in Chemnitz

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  • Nach dem Tod eines Mannes beim Stadtfest und Angriffen auf Ausländer bleibt die Lage in Chemnitz angespannt.

    Foto: Jan Woitas
  • Bei zwei Protestaktionen muss die Polizei Rechtsextreme und Gegendemonstranten trennen.

    Foto: Jan Woitas
  • Bei neuen Protesten rechter und linker Demonstranten in der Chemnitzer Innenstadt sind am Montagabend mindestens sechs Menschen verletzt worden.

    Foto: Sebastian Willnow
  • Es seien Feuerwerkskörper und Gegenstände geworfen worden, hieß es bei der Polizei.

    Foto: Jan Woitas
  • Nach Ende der beiden Demonstrationen räumte ein Polizeisprecher Personalmangel in den eigenen Reihen ein.

    Foto: Sebastian Willnow
  • Anlass der Proteste waren gewalttätige Ausschreitungen am Wochenende am Rande des Stadtfestes in Chemnitz. Auslöser dafür war, dass ein 35 Jahre alter Deutscher durch Messerstiche getötet worden war. Gegen einen 23 alten Syrer und einen 22 Jahre alten Mann aus dem Irak wurde Haftbefehl erlassen.

    Foto: Sebastian Willnow
  • An den Demonstrationen am Montagabend nahmen mehrere Tausend Menschen teil. Die Polizei versuchte mit einem Großaufgebot die von Rechten dominierte Protestveranstaltung und...

    Foto: Jan Woitas
  • ...eine vom Bündnis „Chemnitz nazifrei“ organisierte Veranstaltung zu trennen.

    Foto: Sebastian Willnow
  • Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) warnte vor dem Risiko zunehmender Selbstjustiz.

    Foto: Sebastian Willnow
  • Zur Demonstration „Pro Chemnitz“ mit Tausenden Teilnehmern sind nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes Hooligans und Rechtsextremisten aus dem gesamten Bundesgebiet angereist. Es sei überregional für Chemnitz mobilisiert worden und es habe am Montag überregionale Anreisebewegungen gegeben, sagte der Sprecher des sächsischen Verfassungsschutzes, Martin Döring, am Dienstag.

    Foto: Jan Woitas
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