„Meyer macht‘s“: American Football
Leiden bei den Münster Blackhawks

Münster -

Unser Autor Björn Meyer hatte beim fünften Teil seiner Serie „Meyer macht‘s“ mit einem anstrengenden Training gerechnet, aber keineswegs mit dem, was er bei den Münster Blackhwaks erleben durfte.

Samstag, 01.09.2018, 10:00 Uhr aktualisiert: 04.09.2018, 15:21 Uhr
Wer oben schiebt, wendet viel Kraft auf, hat aber eigentlich schon verloren. Möglichst tief attackieren und den Gegner aushebeln ist dagegen ebenso richtig wie leicht gesagt.
Wer oben schiebt, wendet viel Kraft auf, hat aber eigentlich schon verloren. Möglichst tief attackieren und den Gegner aushebeln ist dagegen ebenso richtig wie leicht gesagt. Foto: Oliver Werner

„Wenn dir schwindelig ist, dann ist der Helm zu eng“, sagt einer der rund 30 Blackhawks-Spieler, als ich durchgeschwitzt Richtung meiner Sporttasche torkele. Ich befinde mich im „Cage“, dem Käfig. So nennen die Blackhawks ( übersetzt: schwarze Falken ) den eingezäunten Platz ihres insgesamt deutlich größeren Areals an der Sentruper Höhe.

„Schwindelig? So würde ich das nicht nennen“, denke ich und versuche zu atmen. Ich bin kaputt, hinüber, groggy, völlig am Ende. Das Problem daran: Das Training läuft erst seit einer halben Stunde. „Alles okay“, behaupte ich wahrheitswidrig und greife zu meiner Wasserflasche. Ein paar Schlucke, dann geht‘s weiter.

American Football - eine gute Idee?

Gut eineinhalb Stunden zuvor, als ich an dem warmen Sommertag auf die von Bäumen umringte Anlage schlendere, kann ich mir die Anstrengungen, die vor mir liegen, noch nicht ausmalen. Wochenlang habe ich es für eine gute Idee gehalten, einmal American Football auszuprobieren. Sogar noch an diesem Mittwochabend, zehn Tage vor Rückrundenbeginn der Oberliga, denke ich das. Später am Abend werden mir zwei Dinge klar sein: Es war tatsächlich eine gute Idee, – und hoffentlich kommt sie mir nie wieder.

Das Ankleiden gestaltet sich komplizierter als geahnt. Protektoren für die Hüfte, dazu welche für die Knie, Oberschenkel und gewisse andere Teile in der Region. Das bekomme ich noch alleine hin, aber dann wird es schwierig. Das ikonische Schulter-Pad und das Trikot darüber sind für Footballer schwer und für mich unmöglich alleine anzulegen. Dazu wird der Helm möglichst genau angepasst und mit einem Mundschutz versehen.

Kaputt, hinüber, groggy

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  • Unser Redakteur Björn Meyer trainierte American Football bei den Münster Blackhawks Foto: Oliver Werner
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  • Unser Redakteur Björn Meyer trainierte American Football bei den Münster Blackhawks Foto: Oliver Werner
  • Unser Redakteur Björn Meyer trainierte American Football bei den Münster Blackhawks Foto: Oliver Werner

Wackelt der Helm, wird es gefährlich. Wackelt er nicht, ist Football auch nicht ungefährlich. „Verletzungen hat man häufiger“, sagt die Vorsitzende des 2013 gegründeten Vereins, Claudia von Diepenbroick-Grüter, die durch ihren Sohn zu den Blackhawks kam. Sie schränkt aber ein: „Das hat man bei anderen Mannschaftssportarten ja auch.“

Mit dem Aufwärmen geht´s los 

Eine kurze Begrüßung, dann gibt Headcoach Bilal Khalil, ein ehemaliger Bundesliga-Spieler, das Signal zum Aufwärmen. Nur Augenblicke später beginnen die Spieler, militärisch geordnet, ihre Aufwärmrunden. Das Tempo ist zu schnell für mich, dementsprechend rasch bin ich aus der Puste, zumal sich das Laufen in voller Montur ungewohnt anfühlt. Geruhsamer wird es danach nicht. Ausfallschritte, Hampelmänner, Liegestütz – ich würde sagen, ich bin nicht aufgewärmt, sondern kurz vorm Verglühen, als ich einer Gruppe der Linebacker, Defensiv-Spieler, die natürlich stark, aber auch schnell sind, zugeteilt werde.

Nicht nur wegen der großen Anzahl der Spieler im Team, mindestens 35 müssen in der Oberliga bei jedem Spiel auf dem Meldebogen stehen, sondern vor allem wegen der völlig unterschiedlichen Aufgaben, die jeder zu erledigen hat, wird in Kleingruppen trainiert. Heißt im Umkehrschluss, dass es auch entsprechend vieler Trainer bedarf. Headcoach, Defense und Offense, dazu Trainer für speziellere Positionen und besondere Spielzüge.

Linebacker, Wide Receiver und Quarterbacks

Die schnellen kurzen Bewegungen, die für Linebacker auf dem Trainingsplan stehen, setzen mir zu. „Lowest wins“, erinnert mich Benjamin Blanke, Coach der Defensive Line, immer wieder daran, dass nur erfolgreich ist, wer tief attackiert und seinen Gegner aushebeln kann. Ich komme relativ schnell an meine körperliche Grenze und halte es daher für einen guten Vorschlag, mal bei den Wide Receivern, den Passempfängern, mitzumachen.

Schnuppertag bei den Münster Blackhawks

„Die trainieren immerhin mit Ball“, denke ich. Die Bewegungen des Quarterbacks, sozusagen des Spielmachers, lesen, den Ball fangen – das klappt ordentlich. Leider dauert die Übung nicht mehr lange. „Jetzt mit Gegenspieler“, sagt Offensiv-Coach Payman Dalili. Wie mir plötzlich bewusst wird, stehen keineswegs nur potenzielle Passempfänger um mich herum, sondern auch Jungs, die genau das verhindern wollen. Yan Ulrich Guetang zum Beispiel, der als Free Safety fungiert, eine Art Allzweckwaffe in der De­fense. Dass ihn alle konsequent Yan Ulrich nennen, liegt bei dem Namen nahe. Coach Dalili meint, Yan Ulrich bestehe nur aus Muskeln.

Kollisions- statt Kontaktsport

Die Übung ist denkbar einfach. Zwei Spieler stehen sich, nur wenige Meter voneinander entfernt, gegenüber. Einer hat einen Football und will weiter, der andere will das verhindern. Oder, wie in meinem Fall: Einer hat keine Ahnung, der andere ist Yan Ulrich. Als wir uns in der Mitte treffen, fliege ich – und zwar rückwärts. Ich weiß nicht mehr genau, wie ich lande, aber ich erinnere mich auch Tage danach noch an die Intensität des Einschlags auf mir.

Klar, beim Superbowl auf dem heimischen Sofa hört man es knallen, aber ehrlich gesagt hatte ich mir nicht annähernd ein Bild von der brachialen Kraft gemacht, die sogar in Deutschlands vierter Liga auf mich wartet. Football sei eben kein Kontakt-, sondern ein Kollisionssport, heißt es. Jetzt weiß ich warum.

In der Pause Wurftechniken üben

Als ich Yan Ulrich wenig später wieder gegenüber stehe, bin ich mir sicher, dass er mein Potenzial jetzt besser einschätzen kann. Doch wenn dem so ist, lässt er sich das nicht anmerken. „T‘schuldigung“, sagt er lächelnd, als er mich aus dem Rasen zieht. Ich will etwas entgegnen, bin aber sowohl sprach- als auch luftlos.

Ich brauche definitiv eine Pause und lasse mir von einem der Jugendspieler kurz ein paar Techniktipps zum Werfen geben, einer Aufgabe, die nur dem Quarterback, Chef der Offense, zukommt. Das Geheimnis eines guten Wurfs liegt nicht nur im relativ steif gehaltenen Arm, sondern vor allem in der richtigen Hüftdrehung und der Rotation, die bestenfalls nur ein Finger dem Ball im letzten Moment verleiht. Da ich nicht das erste Mal einen Football in der Hand habe, klappt das ganz gut. Ich erhalte Lob – Balsam für die Seele eines geschundenen Körpers.

Rund 100 Spielzüge

Dann geht‘s erst richtig zur Sache. Spielsituationen werden simuliert, Offense gegen Defense. Rund 100 Spielzüge haben die Blackhawks für jedes Spiel auf dem Zettel. Alle haben einen Namen. Wie man sich die alle merkt? „Ist gar nicht so schwer, das System baut aufeinander auf“, erklärt Offensiv Line- und Special Teams-Koordinator Justus Müller-Rensmann.

Das Geheimnis des Erfolgs aber liege nicht nur in den eigenen Spielzügen, sondern auch im Wissen um den Gegner. Nahezu jedes Ligaspiel zeichnen die Blackhawks dafür auf Video auf.

Intensität des Spiels

Wieder staune ich, in der Offense eingeteilt, über die Intensität. Ein Akteur der Defense räumt am Ende eines Spielzugs krachend mit ausgebreiteten Armen gleich zwei Spieler ab, die ihm den Rücken zudrehen und wohl nicht mehr mit einem Tackling gerechnet haben. „Heyyy!“, schallt es vorwurfsvoll aus einigen Kehlen. „War nicht abgepfiffen“, sagt er ungerührt. Ein Defensice Tackle, eine der imposantesten Erscheinungen der Blackhawks, liegt derweil schmerzverzerrt auf dem Boden. Sein Ellenbogen – „das müssen die röntgen“, sagt einer der Coaches und fügt an: „So ist das Leben.“ Und ich? Als der erste Laufspielzug über mich angesagt wird, bekomme ich von einem meiner Mitspieler im Vorbeilaufen einen Rat: „Bleib nicht stehen, sonst tut‘s weh.“ Also renne ich, was das Zeug hält, gewinne Raum – und werde gefällt. Leicht benommen richte ich mich auf und sehe, dass meine Mitspieler zufrieden sind. Abklatschend werde ich empfangen. Ein verdammt gutes Gefühl. „Football“, sagt Benjamin Blanke nach dem Training auf dem Weg zur Kabine zu mir, das sei wie ein Virus, der einen nicht mehr loslasse.

Keine schmerzfreie Position

Tatsächlich schlafe ich in der Nacht wie ein Kranker, weil ich keine Position finde, in der ich schmerzfrei liegen könnte. Dennoch überwiegt mein Respekt für das, was ich bei den Blackhawks erlebt habe, bei Weitem das Selbstmitleid, das ich für mich empfinde. Draußen dämmert derweil der Morgen, und mir, dass ich American Football ab jetzt immer ganz anders sehen und wohl auch spüren werde.

Zum Thema

Das nächste Heimspiel der Blackhawks findet am 8. September um 15 Uhr auf der Sentruper Höhe gegen den Tabellenführer Aachen Vampires statt.

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