Verdichtung in Neubaugebieten
Münsteraner rücken zusammen

Münster -

Für viele junge Familien ist es bis heute der große Traum: das Standardreihenhaus mit 130 Quadratmetern Wohnfläche auf einem 350 Quadratmeter großen Grundstück, frei nach dem Motto: Klein, aber mein. 

Montag, 03.09.2018, 07:46 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 03.09.2018, 06:55 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 03.09.2018, 07:46 Uhr
Auf dem Gelände des ehemaligen Autohauses Beresa neben der Weseler Straße (rechts im Bild ) in Münster entsteht derzeit ein Neubaugebiet mit einer Dichte von 65 Wohnungen je Hektar.
Auf dem Gelände des ehemaligen Autohauses Beresa neben der Weseler Straße (rechts im Bild ) in Münster entsteht derzeit ein Neubaugebiet mit einer Dichte von 65 Wohnungen je Hektar. Foto: Wilfried Gerharz

Geht man nun mit den Augen eines Städteplaners an diesen Wunsch heran, dann packt man noch mal 150 Quadratmeter dazu, die – anteilig – für Straßen, öffentliche Stellplätze und Spielplatz eingeplant werden müssen. Das heißt: Auf einem Baufeld mit einer Größe von einem Hektar (10 000 Quadratmeter) könnte ein Städteplaner – grob gesprochen – 20 solcher Träume unterbringen.

So weit der Plan. Längst ist bekannt, dass sich Münster anders entwickelt als der Rest des Münsterlandes. Das gilt nicht nur für die (ex­trem) hohen Preise, sondern auch für die so genannte Wohndichte.

Ein Beispiel: In Albachten, einem Stadtteil im Westen Münsters rund zehn Kilometer vom Dom entfernt, plant die münsterische Stadtverwaltung ein Neubaugebiet mit 55 Wohnungen je Hektar. Im Vergleich zu dem soeben beschriebenen Baufeld mit den 20 Reihenhäusern ist es in Albachten bereits 2,75 Mal dichter. Dabei liegt Albachten – aus Innenstadtperspektive – schon sehr weit draußen.

Neubaugebiet auf ehemaligen Beresa-Gelände

Der neue Trend macht sich noch stärker bemerkbar, wenn man von Albachten drei Kilometer weiter stadteinwärts nach Mecklenbeck fährt. Auf dem ehemaligen Gelände des Autohauses Beresa entsteht ein Neubaugebiet mit einer Dichte von 65 Wohnungen je Hektar.

Weiter geht’s durch die Stadt: Auf einem alten Gärtnereigrundstück im Zen­trum des Stadtteils Kinderhaus wird ebenfalls ein Wohnquartier geplant. Hier liegt die Dichte bereits bei geplanten 80 bis 90 Wohnungen je Hektar. Das klassische Reihenhausgrundstück müssten sich hier mindestens vier Familien teilen. Womit auch klar ist, dass solche Zahlen nur erreicht werden können, wenn es in die Höhe geht.

Ab 90 Wohnungen je Hektar halten Experten eine „durchgängige Mehrgeschossbebauung“ für erforderlich, um entsprechende Dichteziele zu erreichen.

Münster setzt auf Nachverdichtung

Damit ist klar, dass sich Münster, die einzige Großstadt im Münsterland, in einem grundlegenden Wandel befindet und auch an den Rändern „urbaner“ wird. Das hängt zum einen mit dem anhaltenden Bevölkerungswachstum zusammen, zum anderen aber auch damit, dass die Städteplaner und vor allem die Grünen, die gemeinsam mit der CDU regieren, den Slogan ausgegeben haben: „Binnenentwicklung vor Außenentwicklung“. Sprich: Bevor großflächig neue Baugebiete am Stadtrand ausgewiesen werden, setzt man auf Nachverdichtung, Flächenrecycling und Baulücken, die geschlossen werden.

Seit Jahrzehnten drängt sich der Charakter einer Großstadt dem Münster-Besucher kaum auf, weil es zwar eine verdichtete Innenstadt gibt, viele Wohnquartiere aber – vor allem am Stadtrand – einen dörflichen Charakter haben und sich kaum vom Umland unterscheiden.

Das ändert sich derzeit grundlegend. In Münster-Gremmendorf zum Beispiel, einer bevorzugten Wohngegend im Südosten, will das städtische Unternehmen Wohn- und Stadtbau 750 Wohnungen auf einem 68.000 Quadratmeter großen Baufeld errichten. Das wären mehr als 110 pro Hektar.

Da braucht man über das Reihenhäuschen im Grünen erst gar nicht mehr nachzudenken.

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