Projekt Wohnen für Hilfe
Studierende ziehen ein – und helfen im Haushalt

Münster -

Ursula und Erwin Stroot sprechen mit ihrem Projekt „Wohnen für Hilfe“ ältere Münsteraner an: Sie wohnen häufig allein in großen Häusern und wären dankbar für Hilfe in Haushalt und Garten. Die können Studierende leisten, die dafür eine Unterkunft finden.

Dienstag, 04.09.2018, 07:30 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 04.09.2018, 07:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 04.09.2018, 07:30 Uhr
Ursula und Erwin Stroot machen seit 2009 aus Studierenden und älteren Menschen Win-win-Wohngemeinschaften.
Ursula und Erwin Stroot machen seit 2009 aus Studierenden und älteren Menschen Win-win-Wohngemeinschaften. Foto: privat

Das Wintersemester steht vor der Tür und Erwin Stroot rennt die Zeit davon. Der Vorsitzende des Seniorentreffs Hansahof sucht für Studierende Wohnraum bei älteren Menschen. Das Problem: Die Bewerbungen der Jungen für das Projekt „Wohnen für Hilfe“ übersteigen das Wohnangebot der Senioren um das Zehnfache.

"Win-win-Situation"

„Insgesamt haben sich in diesem Jahr schon weit über 100 Studierende beworben. Allein heute am Morgen habe ich acht von ihnen geantwortet“, erzählt Stroot. China, Russland, USA – junge Menschen von überall interessierten sich für das Mehrgenerationen-Wohnen. Das Prinzip ist verlockend: Ältere Menschen mit viel Wohnraum stellen Studierenden eine Bleibe zur Verfügung, die helfen dafür im Haushalt. Im Grunde sei es eine „Win-win-Situation“.

Angebote der Senioren fehlen

Doch Stroot hat aktuell erst zwölf Unterkünfte vermittelt, sonst sind es um die 30. „Mir fehlen Angebote der Senioren“, sagt der 76-Jährige. Magere fünf Zimmer stehen gerade zur Verfügung. „Die sind bis zum Ende der Woche alle weg“, ist sich Stroot sicher.

Meine Frau und ich besuchen die älteren Leute, damit sie sehen, dass wir ein vernünftiges Ehepaar sind, auf das Verlass ist.

Erwin Stroot

Die Skepsis der älteren Herrschaften sei durch Ungewissheit begründet. Sind die jungen Leute zuverlässig? Habe ich ständig Remmidemmi im Haus? Dies seien die Fragen, die die Senioren umtrieben. „Meine Frau und ich besuchen die älteren Leute, damit sie sehen, dass wir ein vernünftiges Ehepaar sind, auf das Verlass ist“, sagt der ehrenamtlich Engagierte.

In den allermeisten Fällen funktioniert das Konzept. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regeln: „Eine junge Frau aus der Ukraine hat mit sehr viel Knoblauch gekocht. Die ältere Dame war aber nur Salz und Pfeffer gewöhnt. Das war zu viel für sie“, erzählt Stroot ein solches Beispiel.

Zusammen mit seiner Frau Ursula hat er seit der Übernahme des Projekts aus den Händen der Stadt im Jahr 2009 bisher 205 junge und alte Menschen zu einer Wohngemeinschaft zusammengeführt.

Zum Thema

Wer Wohnraum für Studierende anzubieten hat, kann sich bei Erwin Stroot unter Telefon  0251-294907 oder per E-Mail an e.stroot@gmx.de wenden.

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