Nach Hospitation in der Ukraine
Aus wenig viel machen

Münster -

Heike Bönninghausen hospitierte zuletzt in einem Hospiz in der Ukraine. Dort mangelt es nahezu an allem, außer dem Einsatz der Mitarbeiterinnen. Nun möchte die Münsteranerin Geldspenden sammeln.

Dienstag, 04.09.2018, 09:46 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 04.09.2018, 09:15 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 04.09.2018, 09:46 Uhr
Heike Bönninghausen hat aus der Ukraine Fotos mitgebracht, die erste Eindrücke von den ärmlichen Verhältnissen in der Hospizarbeit geben.
Heike Bönninghausen hat aus der Ukraine Fotos mitgebracht, die erste Eindrücke von den ärmlichen Verhältnissen in der Hospizarbeit geben. Foto: Björn Meyer

Seit rund 15 Jahren arbeitet die Krankenschwester Heike Bönninghausen für das Johannes-Hospiz. Zunächst ehrenamtlich, seit acht Jahren schließlich hauptberuflich. In dieser Zeit hat sie viel erlebt: Leid, Schmerz und Trauer – aber auch immer wieder Momente des Glücks, wenn todkranke Menschen eine ihrer letzten Freuden erleben. Doch was Heike Bönninghausen zuletzt widerfuhr, das hat sie „tief berührt“, wie sie selber sagt.

Schon häufiger hat Bönninghausen in Hospizeinrichtungen anderer Länder hospitiert. In Kopenhagen, Zürich, Bukarest und Moskau schaute sie sich bereits Häuser an. Um Eindrücke zu gewinnen, aber auch um einen europäischen Austausch zu fördern. Jüngst ist sie aus der Ukraine zurückgekehrt, aus dem Hospiz in Iwano-Frankiwsk, einer Universitätsstadt mit rund 220 000 Einwohnern. Was sich nach einer Parallele zu Münster liest, ist in Wahrheit eine andere Welt – zumindest hinsichtlich der Hospizarbeit.

„Dort fehlt es einfach an allem“, beschreibt Bönninghausen, was sie dort erlebte. Eine Dusche gebe es nicht, in dem einen Badezimmer für die bis zu 30 Bewohner der Einrichtung stehe lediglich eine Badewanne zur Verfügung, in die viele aber nicht mehr hineinkommen. Doch auch an einfachen Dingen, an Verbandsmaterial und Inkontinenzvorlagen etwa, fehle es.

„An einem Morgen hat die Leiterin zwei Stunden herumtelefoniert, weil nicht genug Geld für Lebensmittel da war. Sie hat mir erzählt, dass sie einen Händler gesucht hat, der ihnen Rabatt gewährt.“

Trotz der Umstände und der persönlichen Arbeitsbedingungen – die Angestellten absolvieren Zwölf-Stunden-Schichten – werde dort mit der gleichen großen Hingabe gearbeitet, wie sie das aus Deutschland kenne, erklärt Bönninghausen. Körperliche Schwerstarbeit sei das für die Ukrainerinnen, während sie selber im Johannes-Hospiz für vieles nur auf einen Knopf drücken müsse, sagt die 52-Jährige. Um Geld sei sie übrigens nicht gebeten worden. „Im Gegenteil, man ist mir dankbar und glücklich, vor allem aber sehr wissbegierig begegnet“, sagt Bönninghausen, die in den vier Tagen vor Ort mehrere Vorträge zur Arbeit in Deutschland hielt.

Dennoch möchte sie nach ihrer Rückkehr nach Münster mehr tun. Aus der Geschäftsführung des Johannes-Hospiz bekam sie dafür Unterstützung signalisiert. Dabei ist Hospiz-Arbeit auch in Deutschland kein Leichtes. 300 000 Euro Spendengelder, sagt Sabine Lütke Schwienhorst, müsste allein das Johannes-Hospiz jedes Jahr an Spenden sammeln.

Doch ausnahmsweise möchte das Hospiz nun auch um Spenden für die Einrichtung in der Ukraine bitten. Vornehmlich Geld, aber auch in der Pflege benötigte Sachleistungen sind willkommen.

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Wer für die Einrichtung spenden möchte, der kann das unter dem Betreff „Hospiz in der Ukraine“ auf das Spendenkonto des Johannes-Hospiz bei der Darlehenskasse Münster, IBAN: DE30 4006 0265 0002 2226 00, BIC: GENOMDEM1DKM

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