Personalstreit beim Versorgungsunternehmen
Kein gutes Zeugnis für die Stadtwerke

Münster -

Die Stadtwerke Münster haben an mehreren Fronten Probleme. Jetzt liegt das Ergebnis der Untersuchung einer Unternehmensberatung vor. Die Politik ist am Zug.

Montag, 03.09.2018, 20:41 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 03.09.2018, 20:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 03.09.2018, 20:41 Uhr
Zerstritten: die Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Henning Müller-Tengelmann (l.) und Dr. Dirk Wernicke (r.); mit im Bild Aufsichtsratschef Alfons Reinkemeier. 
Zerstritten: die Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Henning Müller-Tengelmann (l.) und Dr. Dirk Wernicke (r.); mit im Bild Aufsichtsratschef Alfons Reinkemeier.  Foto: Matthias Ahlke

Nach der Ankündigung des technischen Stadtwerke-Geschäftsführers Dr. Dirk Wernicke, für eine Vertragsverlängerung nicht zur Verfügung zu stehen, kommt aus dem politischen Raum eine Forderung nach seiner sofortigen Ablösung. Unterdessen dringen Details aus der Strategieanalyse nach außen, die eine Managementberatung in den vergangenen Monaten nach intensiver Auswertung von Kennzahlen und Mitarbeiterbefragungen bei den Stadtwerken durchgeführt hat.

Mitarbeiter massiv belastet

Demnach belastet der Konflikt in der Geschäftsführung die Mitarbeiter massiv. Der Ton zwischen den Geschäftsführern in Gegenwart von Führungskräften und Mitarbeitern habe sich in den letzten Monaten erheblich verschärft und lasse oft Form und Sachlichkeit vermissen, heißt es in dem Gutachten. Dieses liegt jetzt der Rats­politik vor. Zugleich fühlten sich Stadtwerke-Beschäftigte „durch den aktuellen Konflikt bei Innovationsthemen gehemmt“, heißt es. In der Vergangenheit lagen der technische Geschäftsführer und sein kaufmännischer Kollege Dr. Henning Müller- Tengelmann immer wieder im Streit – teils über Sachfragen, aber auch auf der persönlichen Ebene.

Stadtwerke vor großen Herausforderungen

Nach Einschätzung der Gutachter verfestigt sich der Konflikt innerhalb der Geschäftsführung durch die Geschäftsordnung. Diese habe „in Verbindung mit den Arbeitsverträgen eine Selbsterhaltungslogik“ inne. Die Gutachter empfehlen angesichts der Größe des Unternehmens zwar weiterhin eine Doppelspitze in der Stadtwerke-Geschäftsführung (Vier-Augen-Prinzip). Gleichzeitig dürfe es ein „Weiter so“ nicht geben.

Das städtische Versorgungsunternehmen steht der Analyse zufolge vor großen Herausforderungen. Trotz steigenden Umsatzes werde der Gewinn in den nächsten Jahren sinken. Der größte finanzielle Hebel scheint deshalb in der Ausgründung einer großen Netzgesellschaft zu liegen.

Der Aufsichtsrat der Stadtwerke wird sich am Dienstagabend mit den brisanten Personalfragen beschäftigen.

Sagel: Wernicke muss gehen

Der Fraktionschef der Linken, Rüdiger Sagel, drängt auf die rasche Entlassung des Stadtwerke-Geschäftsführers Dr. Dirk Wernicke. Sagel reagierte damit auf einen Brief, den Wernicke, wie berichtet,  an die Aufsichtsratsmitglieder geschickt hatte: „Das Schreiben von Dr. Wernicke kann nur eine Konsequenz haben.“ Nicht Wernicke selbst, sondern der Aufsichtsrat bestimme darüber, ob dieser noch ein Jahr beschäftigt werde. Wernicke hatte im Hinblick auf seinen, im kommenden Jahr auslaufenden Vertrag erklärt, danach ausscheiden zu wollen. Aufsichtsratsmitglied Sagel dazu: „Wernickes Schreiben an die Aufsichtsratsmitglieder ist ein Dokument des Scheiterns und kann nur eine Konsequenz haben, sofort die Reißleine zu ziehen.“ Die Äußerungen des Stadtwerke-Chefs bewertete Sagel so, dass die „geistige Innovationskraft des Managers offensichtlich erschöpft“ sei. „Wenn er zudem dem Konkurrenzdruck in einer Führungsposition nicht gewachsen ist und ihm bei sensiblen Entscheidungen, wie kürzlich bei der Baumfällaktion im Hafen die Sensibilität fehlt, dann ist die Zeit abgelaufen.“ Der technische Geschäftsführer habe sich selbst diqualifiziert, heißt es in der Pressemitteilung.

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