Serie: Im Probenraum mit...
Kondensator: Elektrisierende Kapazität

Münster -

Tausende Bands, Ensembles und Solokünstler musizieren Jahr für Jahr auf Münsters Konzertbühnen. Das Publikum bekommt das Endprodukt präsentiert, doch die Entstehung bleibt im Verborgenen. In der Serie „Im Probenraum mit…“ schauen wir in die Werkstätten der Klangkünstler. Die sind immer ein Ort des Übens. Aber nie ausschließlich, sondern auch Wohnstube, Schlafzimmer oder Raum für Visionen. Im ersten Teil hat die Band Kondensator ihre Türen für uns geöffnet.

Mittwoch, 05.09.2018, 17:00 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 05.09.2018, 17:00 Uhr
Serie: Im Probenraum mit...: Kondensator: Elektrisierende Kapazität
Ganz schön laut, ganz schön gut: Kondensator probt am Alten Güterbahnhof das Set für das anstehende Konzert ein. Foto: Pjer Biederstädt

Zwischen der Welt da draußen und Münsters größtem Probenraumzentrum liegen nur ein paar Stufen und eine knarzende Eisentür. Unter den Gebäuden am Alten Güterbahnhof ist es ein bisschen wie unter Tage. Keyboarder statt Kumpel, Bandposter statt Bohrhammer – aber genau wie im Bergbau hat sich auch hier eine eigene Szene angesiedelt.

In dem Mucker-Biotop reiht sich Probenraum an Probenraum. Reggae neben Rock, Punk neben Pop. Und während die Klangfetzen gedämpft auf dem Flur pogen, erinnert das Neonlicht das graue Weiß der Gänge an glänzende Zeiten. Schön ist hier nichts. Herzlich alles.

Kondensator

1/21
  • Lichtspiel im Probenraum: Meike, Simon und Stefan (v.l.) üben ihr Set für das Konzert am Samstag (8.9.) in der Sputnikhalle ein.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Die Band Kondensator ist mit Bass, Gitarre und Drums instrumentiert.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Bandposter, Verstärker und eine Couch: Der Probenraum am Alten Güterbahnhof unter dem "Rare Guitar" ist für die drei Musiker quasi ein Ersatzwohnzimmer. 

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Foto: Pjer Biederstädt
  • Foto: Stefan Mensching
  • Foto: Pjer Biederstädt
  • Foto: Pjer Biederstädt
  • Foto: Pjer Biederstädt
  • Foto: Pjer Biederstädt
  • Foto: Pjer Biederstädt
  • Foto: Pjer Biederstädt
  • Foto: Pjer Biederstädt
  • Foto: Pjer Biederstädt
  • Foto: Pjer Biederstädt
  • Foto: Pjer Biederstädt
  • Foto: Pjer Biederstädt
  • Foto: Pjer Biederstädt
  • Foto: Pjer Biederstädt
  • Foto: Pjer Biederstädt
  • Foto: Pjer Biederstädt
  • Foto: Pjer Biederstädt

„Das ist unser Wohnzimmer“, sagt Meike Schmidt und schließt die Tür mit der Nummer 37 auf. Die Bassistin von „Kondensator“ öffnet das schmale Kellerfenster, damit sich etwas Luft in die Gemütlichkeit aus Couch, Kabeln und Verstärkern mischen kann. Stefan Mensching schnappt sich seine Gitarre, Simon Kalwey setzt sich hinter die Drums.

Gesang? Bloß keine Jodeltrine

Keine Zeit verlieren, das Set für das Konzert am Samstag steht auf der Agenda. „Nimm besser die, wird etwas lauter“, sagt der 34-Jährige an der Gitarre und gibt dem Gast Ohrenschützer. Stimmt, laut ist es. Aber der rein instrumental gespielte, stilprägende „Lärm“ ist selten brachial, weil durchsetzt mit gut getimten melancholischen Brüchen.

Kondensator

Oder wie es Schlagzeuger Simon sagt: „Unsere Songs sind kompakt, kurz und es passiert viel.“ Gesang ist nicht nötig, wäre aber möglich, wenn es passt. „Wir wollen keinen Hardcore-Shouter und erst recht keine Jodel-Trine.“ „90 Prozent unserer Konzertbesucher zocken selbst. Wir kriegen direkt das Feedback von der Mucker-Polizei“, ergänzt Stefan.

Probenraum als Nachtquartier

Ihren Probenraum teilen sich die drei Freunde mit zwei weiteren Bands. Monatsmiete total: 310 Euro. Mittwoch ist Kondensator-Tag. Stücke schreiben, am Sound feilen, Ideen umsetzen - die Beziehung zu den eng beieinander liegenden Wänden ist groß. „Manchmal habe ich hier sogar geschlafen, wenn die Zugverbindung nach Albachten mal wieder schlecht war“, erzählt die 22-jährige Bassistin.

Die Demo-Platte haben sie auch in dem Kellerraum aufgenommen. „Recording, Mixing, Mastering – wir machen alles in Eigenregie“, sagt Stefan. Zwischenschnitte gehen dann an befreundete Bands aus dem Szene-Keller. Überschneidungen gibt es zuhauf, denn die wenigsten spielen nur in einer Band, genau wie Stefan ( Ravermen) und Meike ( Black Space Riders). Man kennt sich im Mucker-Keller.

Der Facebook-Post wird geladen

Dass der Lehrer, die Buchhalterin und der Fahrlehrer wohl weiterhin arbeiten müssen, ist ihnen bewusst. „Es gibt dieses Bild von der Band, die Equipment für 5000 Euro in ein Auto für 150 Euro lädt, um damit 150 Kilometer zum Gig zu fahren, für den sie 50 Euro kriegen. Das sind wir“, fasst Stefan den Spirit der Band zusammen. Ehrgeiz ja, Ambitionen klar – aber der Spaß steht im Vordergrund. Und wenn der Plan mit der Platte und vielen Live-Auftritten funktioniert, wer weiß, ob Kondensator dann nicht doch mal weiter als 150 Kilometer fahren muss. 

Band-Steckbrief

Bandname: Kondensator

Gegründet: August 2017

Mitglieder: Meike Schmidt (Bass), Stefan Mensching (Gitarre), Simon Kalwey (Schlagzeug)

Musikrichtung: Noise-Rock

Probenraum: Nummer 37 im Proberaumzentrum Alter Güterbahnhof unter dem „Rare Guitar“, Hafenstraße 64

Nächster Auftritt in Münster: 8. September 2018, 19 Uhr, Sputnikhalle zusammen mit den Black Space Riders und Wooly Antshake

Aktuelle Platte: Demo namens „Demo“

Hier im Netz zu finden!

...
Anzeige
Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6028922?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
Archäologische Untersuchungen in Handorf
Die eisenzeitliche Urne wurde in Hornheide entdeckt und zeichnerisch dokumentiert. Urnenbestattung war im letzten Jahrtausend vor Christi Geburt üblich.
Nachrichten-Ticker