Stadtwerke-Geschäftsführung vor dem Aus
Beide Chefs sollen gehen

Münster -

Neuerliche Kehrtwende im Stadtwerke-Wirrwarr: Der Aufsichtsrat des städtischen Versorgungsunternehmens hat nach Informationen unserer Zeitung am Donnerstagabend beschlossen, nun doch beide Geschäftsführer abzuberufen.

Donnerstag, 06.09.2018, 21:36 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 06.09.2018, 20:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 06.09.2018, 21:36 Uhr
Krisenstimmung bei den Stadtwerken (v.l.): Dr. Henning Müller-Tengelmann, Aufsichtsratschef Alfons Reinkemeier und Dr. Dirk Wernicke, hier bei der Vorstellung des Geschäftsberichts im Juni dieses Jahres.
Krisenstimmung bei den Stadtwerken (v.l.): Dr. Henning Müller-Tengelmann, Aufsichtsratschef Alfons Reinkemeier und Dr. Dirk Wernicke, hier bei der Vorstellung des Geschäftsberichts im Juni dieses Jahres. Foto: Matthias Ahlke

Vorausgegangen war ein monatelanger Streit in der Unternehmensspitze über Kompetenzen und Sachfragen, der teils sogar vor den Stadtwerke-Beschäftigten und im Aufsichtsrat ausgetragen wurde.

Unabgestimmter Vorschlag vom Tisch

Noch tags zuvor hatte Aufsichtsratschef und Stadtkämmerer Alfons Reinkemeier überraschend empfohlen, nur dem kaufmännischen Geschäftsführer Dr. Henning Müller-Tengelmann den Stuhl vor die Tür zu setzen. Stattdessen sollte der technische Geschäftsführer Dr. Dirk Wernicke zusammen mit einem Prokuristen vorübergehend das Unternehmen führen – so lange bis eine neue Stadtwerke-Spitze gefunden ist.

Nach einem turbulenten Tag und vielen Gesprächen im Hintergrund war der offenbar unabgestimmte Reinkemeier-Vorschlag aber vom Tisch. Wohl mit den Stimmen von CDU, Grünen, FDP sowie der Arbeitnehmer-Vertreter lautet die Empfehlung für die Ratssitzung am 19. September jetzt, beide Geschäftsführer von ihren Ämtern zu entbinden.

Verhältnis heillos zerrüttet

Die voraussichtliche Trennung von beiden Geschäftsführern dürfte sich schmerzhaft in der Stadtwerke-Bilanz bemerkbar machen: Müller-Tengelmann kann für den Fall seiner Abberufung angesichts seines noch mehr als vier Jahre laufenden Vertrages eine Abfindung von weit mehr als eine Million Euro erwarten. Bei Wernicke läuft der Vertrag 2019 aus, für eine Verlängerung gab es früh keine politische Mehrheit. Zwischen den beiden Verantwortlichen war das Verhältnis schon lange heillos zerrüttet.

Die andauernden Querelen in der Stadtwerke-Geschäftsführung und die verzweifelte Suche nach einem personellen Neuanfang gaben zuletzt einen theaterreifen Stoff her. Zuletzt kam fast täglich Überraschendes von der Bühne Hafenplatz, wo das städtische Versorgungsunternehmen seinen Sitz hat. Vorletztes Kapitel: der Reinkemeier-Vorschlag zur alleinigen Abberufung Müller-Tengelmanns. „Ich war sehr überrascht“, erklärte der am Donnerstagmittag der Stadtwerke-Chef, der von der geforderten Absetzung nach eigenen Worten aus der Zeitung erfahren hat.

Oberbürgermeister Lewe fordert Neuanfang

Kalt erwischt wurde offenbar auch Oberbürgermeister Markus Lewe vom Reinkemeier-Vorstoß. Zur verfahrenen Situation äußerte sich Lewe am Mittag zurückhaltend: „Ein Neuanfang – personell und strukturell – ist bei den Stadtwerken unumgänglich.“ Er habe aber volles Vertrauen in den Aufsichtsrat, dass dieser einen Vorschlag zur personellen Weichenstellung unterbreiten werde.

Konflikt blockiert wichtige Entscheidungen

Die Lage bei den Stadtwerken ist vertrackt: Das Gutachten einer Managementberatung, das der Rat infolge der Führungskrise in Auftrag gegeben hatte, fordert zu teils tiefgreifenden Veränderungen des Unternehmens in Struktur und Strategie auf. Zwar soll es laut Expertise weiter eine Doppelspitze bei den Stadtwerken geben. Doch deren Geschäftsordnung, das Regelwerk der Zusammenarbeit, müsse „dringend überarbeitet“, heißt es. „Zwischen den Geschäftsführern besteht ein Konflikt, welcher aktuell wichtige Entscheidungen blockiert“, lautet eine der dramatischen Kernaussagen der Gutachter.

Doch Müller-Tengelmann war dem Vernehmen nach nicht gewillt, die Spielregeln der Zusammenarbeit, die Bestandteil seines Arbeitsvertrages sind, zu seinem Nachteil ändern zu wollen. Deshalb sei das Vertrauen für eine zukunftsorientierte Zusammenarbeit nicht mehr gegeben, hatte Reinkemeier in seiner ursprünglichen Beschlussempfehlung festgestellt.

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