Kinder-Uni: Prof. Romer beleuchtet die Pubertät
Auch mal die Eltern erziehen

Münster -

Im Grunde machen Teenager während der Pubertät ihren „Gefühlsführerschein“, erklärte Prof. Dr. Georg Romer bei der Kinder-Uni. Und Eltern müssen lernen, sich zurückzunehmen und einfach mal ausprobieren lassen.

Samstag, 08.09.2018, 09:00 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 08.09.2018, 09:00 Uhr
Warum werden Eltern in der Pubertät so schwierig? Der Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Uniklinikums, Prof. Dr. Georg Romer, kam zum Auftakt der Kinderuni-Vorlesung mit einigen Kindern ins Gespräch.
Warum werden Eltern in der Pubertät so schwierig? Der Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Uniklinikums, Prof. Dr. Georg Romer, kam zum Auftakt der Kinderuni-Vorlesung mit einigen Kindern ins Gespräch. Foto: hö

Ausgesprochen viele unter Elfjährige wollten bei der Kinderuni am Freitagnachmittag wissen, was bei der Pubertät so auf sie zukommt. Und als Prof. Dr. Georg Romer, der Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitätsklinikums, in die Runde fragte, wer auf diesem Gebiet schon Erfahrungen mit älteren Geschwistern hat, da sprudelte es schon aus den Kids heraus. „Die werden immer so schnell aggressiv.“ Ein junger Gast bemerkte sogar wissend: „Die haben Stimmungsschwankungen.“

Was den Kern der Veränderungen im Körper eines Pubertierenden trifft: „Alle Gefühle, ob Trauer, Begeisterung oder Wut sind in dieser Zeit heftiger“, erklärte Romer. Kontrolle und vorausschauendes Denken kommen später. Dafür, so Romer, „braucht es oft noch den Leitplankenschutz der Eltern“. Weshalb es auch Sinn mache, dass Jugendliche unter 18 noch keinen hochprozentigen Alkohol kaufen dürfen.

Vom Beginn der hormonellen Veränderungen bis zum emotionalen Erwachsenensein ist es ein langer Weg. In der modernen Gesellschaft beginne die Geschlechtsreife (lat. pubertas) immer früher, bei Mädchen oft schon mit elf oder zwölf Jahren, bei Jungen etwas später, ab dem zwölften Lebensjahr. Vor 100 Jahren indes, „bekamen Mädchen erst mit 17 Jahren ihre erste Monatsblutung“, erklärte Romer. „Die biologische Pubertät beginnt also immer früher.“

Die großen Veränderungen finden allerdings auch im Kopf statt. In kaum einer Zeit verfolgen Menschen mit solcher Zielstrebigkeit Dinge, die sie interessieren, für die sie brennen. Dazu gehöre auch, aus Fehlern lernen zu dürfen. „Siehste, hab‘ ich dir doch gesagt“, sollten sich Eltern daher verkneifen. „Dafür dürft Ihr sie ein bisschen miterziehen“, ermunterte Romer die jungen Zuhörer. Damit die Erwachsenen merken, dass der Nachwuchs wieder ein Stückchen mehr allein regeln kann.

Zoff in der Familie und Diskussionen, bei denen die Regeln der Eltern in Frage gestellt werden, seien ganz normal. Romer: „Und das Leben der Erwachsenen wird weniger langweilig.

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