Reaktion auf Missstände
Ordnung in privater Hand: Neuer Sicherheitsdienst am Aasee

Münster -

Die Meinungen darüber, ob es am Aasee wortwörtlich ordnungsgemäß zugeht, gehen auseinander. Das Ordnungsamt sieht keine gravierenden Probleme, einige Anlieger sehen das ganz anders und haben jetzt eigenständig reagiert.

Samstag, 08.09.2018, 13:00 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 08.09.2018, 13:00 Uhr
Der Bereich Aaseeterrassen und Bastion ist immer wieder Mittelpunkt der Diskussionen von Anliegern und Ordnungsbehörden.
Der Bereich Aaseeterrassen und Bastion steht immer wieder im Mittelpunkt der Diskussionen von Anliegern und Ordnungsbehörden. Foto: kal

Nicht nur das Fischsterben im Aasee hat in diesem Sommer die Gemüter hochkochen lassen. Auch über Lärmbelästigung und die Sicherheitslage am stadtnahen Seebereich wird seit Monaten diskutiert. Trotz der Gespräche sowie einiger Maßnahmen: So richtig zufrieden kann niemand mit der aktuellen Situation sein. Diejenigen nicht, die gerne Shisha rauchen, weil sie es dort nicht mehr dürfen.

So mancher Anwohner nicht, weil er sich vom abendlichen und vor allem nächtlichen Treiben junger Leute gestört fühlt. Die Gastronomen nicht, weil sie durch dieselbe Szene ihr Geschäft in Gefahr sehen. Die Polizei nicht, weil sie wenig erpicht darauf ist, die originären Aufgaben des Ordnungsamtes zu übernehmen. Und das Ordnungsamt nicht, weil es sich für etwas verantwortlich gemacht sieht, was man, so dessen Leiter Martin Schulze-Werner, auch als Ordnungsbehörde nicht gänzlich verhindern könne.

Ärger mit Jugendlichen

Als sich die Bürgerinitiative „Pro Aasee“ in dieser Woche im A2 traf, wurde deutlich, dass die Bandbreite der Punkte, mit denen die Nachbarn des populärsten Naherholungsgebietes der Stadt nicht einverstanden sind, groß ist. Grillen im trockenen Gras, Wildpinkler, laute Musik, jugendliche Alkoholexzesse.

„Die spielen da Wodkaflaschen-Weitwurf“, sagt Dr. Wolfgang Westermann, der direkt gegenüber der sogenannten Bastion an der Annette-Allee wohnt. Überwiegend Jugendliche seien es, die dort noch immer bis tief in die Nacht lärmend feierten. Auch zu Pöbeleien und einigen Gewalttaten war es in der jüngeren Vergangenheit gekommen.

Die schönsten Bilder vom Aasee

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  • Der Aasee gehört zu den Wahrzeichen von Münster.

    Foto: hpe
  • Der Aasee aus der Vogelperspektive.

    Foto: Luftbildkontor Fischer
  • Trauerschwan "Schwarze Petra" schwimmt neben ihrer "große Liebe" - einem Tretboot in Form eines weißen Plastikschwans - auf dem Aasee.

    Foto: Friso Gentsch
  • Der Blick auf die Aasee Terrassen.

    Foto: kal
  • Die Aasee-Wiesen sind gerade im Sommer ein beliebter Treffpunkt.

    Foto: Oliver Werner
  • Segelboote an den Aasee Terrassen.

    Foto: kal
  • Segelboote auf dem Aasee.

    Foto: hpe
  • Die Aaseekugeln sind gerade im Sommer gut besucht.

    Foto: Oliver Werner
  • Anlässlich der Aaseerenaden versammeln sich Zuschauer auf den Aasee Terrassen.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Feuerwerk über dem Aasee.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Auch Gänse machen gerne am Aasee Rast.

    Foto: Oliver Werner
  • Der Aasee und, hinter den Bäumen, der Dom.

    Foto: Oliver Werner
  • Zum Katholikentag 2018 in Münster fand ein Tretboot-Gottesdienst auf dem Aasee statt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Das Solarschiff Solaaris und mehrere Segelboote auf dem Aasee.

    Foto: Ralf Emmerich
  • Sonnenuntergang am Aasee.

    Foto: Oliver Werner
  • Ein Ruderer auf dem Aasee.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Der „Pier“ am Aasee - erbaut im Rahmen der Skulptur-Projekten 1997 vom Künstler Jorge Pardo.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Ein Schwanentretboot beobachtet die Regatta auf dem Aasee.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Zur Montgolfiade fliegen bunte Ballons über dem Aasee um die Wette.

    Foto: hpe
  • Das Jugendgästehaus - eines der Hotels direkt am Aasee mit bestem Blick aufs Wasser.

    Foto: Oliver Werner

Darauf gibt es jetzt eine ungewöhnliche Reaktion. Wie ein Vertreter der GBV Südertor, die hinter den Aaseeterrassen steht, auf der Sitzung der Bürgerinitiative bestätigte, ist auf Veranlassung der GBV derzeit in warmen Nächten ein privater Sicherheitsdienst am See im Einsatz. Der hat zwar keine rechtliche Handhabe, soll aber trotzdem durch Ansprechen und das Verweisen auf die Nachtruhe für Anstand sorgen. Notfalls auch wenn im kommenden Frühjahr die Saison wieder losgehe, ließ man wissen.

Massiv störende Freizeitaktivitäten

Offensichtlich übernimmt der private Dienst damit Aufgaben, die eigentlich dem Ordnungsamt der Stadt zufallen. Doch dessen Leiter Martin Schulze-Werner gibt sich bei dem Thema selbstbewusst. Im Juni und Juli habe es in der Tat massive störende Freizeitaktivitäten gegeben, räumt Schulze-Werner ein.

Mit dem Aufstellen von Pollern gegen parkende Autos auf den Aaseeterrassen, dem Shisha-Verbot sowie mit Kontrollen an der Seite der Polizei habe man die Situation aber beruhigt, befindet Schulze-Werner. Damit allerdings ist nicht gemeint, dass es am Aasee keine Ruhestörungen mehr geben wird. „Totenstille“, dafür könne eben auch eine Ordnungsbehörde nicht sorgen.

Zudem, das erkennt auch die Bürgerinitiative „Pro Aasee“ und nimmt damit den Rat der Stadt in die Verantwortung: Nachts sind im gesamten Stadtgebiet maximal zwei Wagen des Ordnungsamtes unterwegs. Unter der Woche bis 22.30 Uhr, am Wochenende immerhin bis nach Mitternacht. Danach sei die Polizei Ansprechpartner für Ruhestörungen, so Schulze-Werner. Er sagt, Münster habe nach Köln das flächenmäßig zweitgrößte Stadtgebiet in Nordrhein-Westfalen. Das Ordnungsamt verfüge aber nur über 28 Kräfte, in Köln seien es über 100.

Hinzu komme, dass es manchmal eine Diskrepanz zwischen objektiver und subjektiver Sicherheitslage gebe. „Gott sei Dank“, sagt Schulze-Werner, „ist Münster eine Stadt, in der viele junge Leute leben.“ Da werde es zwangläufig mal lauter, so der Leiter des Ordnungsamtes. Es hört sich danach an, als würden die Diskussionen weitergehen.

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