17. Volksbank-Münster-Marathon
Geschichten hinter Startnummern

Münster -

Eine berührende Geschichte, eine, die erstaunt und ganz viel Spaß. Die Läufer beim Münster Marathon hatten vor, nach und sogar während des Laufs so einiges zu erzählen.

Montag, 10.09.2018, 07:42 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 09.09.2018, 18:28 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 10.09.2018, 07:42 Uhr
Nicht nur die vielen Zuschauer, auch einige Künstler in bunten Kostümen feuerten die Läufer auf der Strecke an.
Nicht nur die vielen Zuschauer, auch einige Künstler in bunten Kostümen feuerten die Läufer auf der Strecke an. Foto: Matthias Ahlke

Dem hageren, jungen Mann, der soeben den Marathon absolviert hat, sind die Anstrengungen der letzten Stunden anzusehen, als er auf dem Prinzipalmarkt steht. Besonders sportlich sieht er nicht aus – und doch hat Lothar Altenkirch Außerordentliches geschafft. Etwas, wogegen die zurückliegenden gut 42 Kilometer gar nichts sind.

Diagnose Lymphdrüsenkrebs

Im Alter von 18 Jahren bekam Altenkirch die Diagnose Lymphdrüsenkrebs. Die Ärzte gaben ihm nur noch wenige Monate zu leben. Altenkirch erhielt Chemotherapien, brach zusammen, musste künstlich ernährt werden. Doch er kämpfte sich gegen alle Prognosen zurück ins Leben, besiegte den Krebs und läuft mittlerweile eben Marathon. „Man soll sich von keinem einreden lassen, dass man etwas nicht schafft“, sagt Altenkirch, der ein Buch über seine Geschichte geschrieben hat, das demnächst erscheinen soll. Altenkirchs Geschichte berührt, und soll als Beispiel dienen, bei anderen geht es derweil gelöster zu.

17. Volksbank-Münster-Marathon 2018

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  • Laufspektakel mit 6000 Startern Foto: Matthias Ahlke
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Zwischendurch ein Gläschen Wein

Bei Thomas mit der Startnummer 197 zum Beispiel, der tief atmend bei Kilometer 41 am Weinstand an der Himmelreichallee ankommt. „Ihr seid mein Ziel“, scherzt er und gönnt sich gemütlich ein Glas des Weißen.

Weniger Zeit hat dort die Schlussläuferin der Staffel „Kranke Schwestern“. „Das glaubt mir kein Mensch, dass ich zwischendurch angehalten habe, um Wein zu trinken“, sagt sie und leert den Inhalt des Glases in einem Schluck.

Katharina Moll (r.) und Simone Puls gönnten sich etwas Wein.

Katharina Moll (r.) und Simone Puls gönnten sich etwas Wein. Foto: Björn Meyer

Noch einmal nachschenken lassen sich derweil Katharina Moll und Simone Puls vom SVA Salzbergen. Hier sei nur ihr Vorbereitungslauf für den Berlin-Marathon erzählen die beiden Staffelläuferinnen, die seit Jahren in Münster dabei sind.

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Mit 70 Jahren auf der Zielgeraden

Und noch einer kennt Münster schon in- und auswendig: Hans-Werner Rehers. Er studierte in Münster, praktizierte danach als Augenarzt und fing Ende des vergangenen Jahrtausends an zu laufen. Erst fünf, dann mal zehn Kilometer.

Mittlerweile läuft der in Osnabrück lebende 70-Jährige Marathon. Nicht einen oder zwei im Jahr. 323 Mal hat er die Strecke bei einem offiziellen Rennen bereits hinter sich gebracht, als er in Münster im Ziel ankommt.

Wer mit Pacemaker Hans-Werner Rehers läuft, der kann sicher sein, dass er nach fünf Stunden im Ziel ankommt.

Wer mit Pacemaker Hans-Werner Rehers läuft, der kann sicher sein, dass er nach fünf Stunden im Ziel ankommt. Foto: Björn Meyer

Bilanz

Der 17. Volksbank-Marathon verlief aus Sicht der Hilfsorganisationen erfreulich ruhig, wie die Berufsfeuerwehr mitteilt. Trotzdem: Insgesamt 50 Läuferinnen und Läufer wurden während des Marathons medizinisch versorgt. Nach der Erstversorgung wurden 14 Patienten durch die Einsatzkräfte zur Weiterbehandlung in Krankenhäuser transportiert.

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Sich gegenseitig aufbauen

Wie er das trainiere? „Gar nicht. Ich bin eher faul“, sagt Rehers spitzbübisch. Dabei läuft er auf Zeit, allerdings nicht auf eine möglichst gute, sondern eine möglichst genaue. „5.00“ steht auf einem an seinem Arm befestigten Ballon, denn Rehers ist ein sogenannter „Pacemaker“. Wer mit ihm läuft, der kann sicher sein, dass er nach fünf Stunden im Ziel ankommt.

In dem Tempo sei Marathon eine kommunikative Sache – findet Rehers. Doch nicht immer sind die, die mit ihm laufen, auch wirklich zum Reden aufgelegt. Manche haben sich hohe Ziele gesteckt, geraten dann aber aus dem einen oder anderen Grund während des Laufs an ihre Grenzen. „Die versuche ich aufzubauen“, sagt Rehers.

Die Leute hier sind mit Herzblut dabei. Hier bist du Mensch, in Berlin bist du nur Zähl- und Zahlvieh.

Hans-Werner Rehers

Beim Münster-Marathon war er in all den Jahren dabei. Er lobt die Stimmung: „Die Leute hier sind mit Herzblut dabei. Hier bist du Mensch, in Berlin bist du nur Zähl- und Zahlvieh.“

Nach einem Schlückchen Wein muss Rehers dann aber doch schnell weiter. Lachend ruft er noch: „Ich will eine 4,59er-Zeit, sonst heißt es nachher, ich sei als Pacemaker nicht geeignet.“

17. Volksbank-Münster-Marathon 2018

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