Tipps zur Krankenversicherung
Informationen sind wichtig: Häufig lauern Kostenfallen

Münster -

In der kommenden Woche informiert die Verbraucherzentrale über wichtige, gleichwohl aber häufig vernachlässigte Regelungen bei der Krankenversicherung.

Dienstag, 11.09.2018, 20:09 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 11.09.2018, 19:04 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 11.09.2018, 20:09 Uhr
Mechthild Schneider gibt Tipps, wie man sich am besten krankenversichert.
Mechthild Schneider gibt Tipps, wie man sich am besten krankenversichert. Foto: Björn Meyer

„Es gibt Schritte, die lassen sich nicht mehr rückgängig machen“, sagt Mechthild Schneider, Leiterin der Verbraucherzentrale NRW in Münster. Im Bezug auf die persönliche Krankenversicherung stelle die Verbraucherzentrale dabei immer wieder fest: „Dass viele nicht wissen, was sie da eigentlich entscheiden.“

Dabei stellt Schneider heraus: Die eine Lösung gebe es nicht. Es sei vielmehr ganz individuell zu schauen, welche Alternative auf den Einzelnen passe. Denn häufig lauern sonst Kostenfallen. Etwa für den Studenten, der zunächst in der privaten Versicherung eines Elternteils mitversichert werde, einmal befreit aber als Student nicht mehr den Weg in die gesetzliche Pflichtversicherung findet. „Wenn man sich befreien lässt, kann man das für den aktuellen Status nicht mehr ändern“, erklärt Schneider.

Spätestens dann, wenn sich die Lebenssituation verändere, solle man sich über das Thema informieren. Nur so ließen sich Fehlentwicklungen, die häufig teure Folgen hätten, vermeiden. Denn für die gleiche Versicherungsleistung würden häufig ganz unterschiedliche Summen gezahlt. Schneider gibt das Beispiel von zwei Beziehern geringer Renten über 600 Euro.

Alles klar mit der Krankenkasse?

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  • Pflichtversicherte: Arbeitnehmer mit einem Jahreseinkommen bis zu 59.400 Euro brutto (monatlich 4950 Euro) werden automatisch gesetzlich krankenversichert. Wer eine passende Kasse für sich sucht, sollte darauf achten, in welcher Höhe ein Zusatzbeitrag von der jeweiligen Krankenkasse erhoben wird und welche Extras und Serviceleistungen die Krankenkasse bietet.

    Foto: dpa
  • Freiwillig Versicherte: Besserverdiener, die mehr als 5000 Euro im Monat brutto an Einnahmen erzielen, haben eine größere Wahlfreiheit: Sie können sich gesetzlich oder privat krankenversichern. Wer in einer gesetzlichen Kasse bleibt, gilt fortan als freiwillig versichert. Versicherte zahlen ihre Beiträge dann nicht nur von ihrem Verdienst, sondern müssen auf sonstige Einkünfte ebenfalls anteilig Beiträge zahlen. Doch auch Geringverdiener können freiwillig versichert sein, zum Beispiel Rentner oder Familienangehörige, die die Voraussetzungen für eine Pflichtversicherung nicht mehr erfüllen. Der Nachteil: Sie müssen dann meist höhere Beiträge zahlen als Pflichtversicherte. Freiwillig Versicherte sollten deshalb bei jeder Änderung ihrer persönlichen Lebenssituation prüfen, ob und zu welchen Bedingungen sie in die günstigere Pflichtversicherung wechseln können.

    Foto: /colourbox.com
  • Privatversicherte: Gutverdiener und Selbstständige können sich statt gesetzlich auch privat krankenversichern und profitieren zunächst von günstigen Beiträgen. Nachteilig ist, dass die private Krankenversicherung nicht auf weitere Familienmitglieder ausgedehnt werden kann und die Versicherungsbeiträge im Laufe des Lebens steigen. Eine Rückkehr in die gesetzliche Kasse ist meist ausgeschlossen. Privat Krankenversicherte sollten deshalb von Anfang an Geld für die kontinuierlichen Beitragssteigerungen beiseitelegen.

    Besonderheit bei Ehepaaren: Bei Verheirateten entscheidet die Art der Krankenversicherung oftmals mit über die Beitragshöhe. Sind beide gesetzlich krankenversichert, richten sich die monatlichen Zahlungen nach den jeweiligen eigenen Einnahmen. Ist ein Partner jedoch freiwillig gesetzlich und der andere privat versichert, kann die gesetzliche Kasse das Einkommen des privat abgesicherten Ehegatten zur Beitragsberechnung des gesetzlich versicherten Partners heranziehen. Wer Kinder hat, kann Freibeträge geltend machen.

    Foto: Patrick Pleul
  • Familien: Die gesetzliche Krankenversicherung macht es möglich, dass Ehepartner und Kinder beitragsfrei über das zahlende Mitglied mitversichert werden. Vorausgesetzt, ihre Einnahmen betragen monatlich nicht mehr als 435 Euro. Oder sie verdienen pro Monat nicht mehr als 450 Euro in einem Minijob. Diese Regel gilt auch für Rentner, die nicht pflichtversichert sind.

    Foto: Frank Leonhardt
  • Rentner: Wer eine Rente bezieht und zu 90 Prozent in der zweiten Hälfte seines Erwerbslebens gesetzlich versichert war, wird bei seiner gesetzlichen Krankenkasse als Pflichtversicherter geführt. Hierzu werden Rentnern seit August letzten Jahres für jedes Kind pauschal drei Jahre Versicherungszeit mehr angerechnet. Die Neuregelung gilt auch für alle, die schon in Rente sind. Versicherte, die in Renten gehen oder sind, sollten auf alle Fälle ihren Status von ihrer Krankenkasse prüfen und gegebenenfalls zu ihrem Vorteil ändern lassen.

    Foto: Andreas Gebert
  • Bei Problemen mit der Krankenkasse bietet die Verbraucherzentrale NRW eine Rechtsberatung in 20 kommunalen Beratungsstellen an. Kontakt: www.verbraucherzentrale.nrw/gesundheitsberatung

    Foto: Oliver Berg

Trotz der gleichhohen Rente sei es möglich, dass der eine Bezieher nur 50 Euro, der andere jedoch 160 Euro an die Krankenversicherung zahle. Grund sei die Regelung für gesetzliche Pflicht- beziehungsweise freiwillig Versicherte. „Gerade bei Rentnern ist das Thema Krankenversicherung kompliziert und besonders bitter für die, die wenig bekommen“, sagt Schneider. Auch beim Thema Familienversicherung sowie der Anrechnung von Kindern kann Mechthild Schneider Tipps geben.

Über das Thema Krankenversicherung hält sie in den Räumen der Verbraucherzentrale, Aegidiistraße 46, am kommenden Mittwoch (19. September) einen Vortrag. Dort sollen die Zuhörer auch die Möglichkeit erhalten, Fragen zu erstellen.

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