Reinigung des Hamburger Tunnels
Nur eine kurze Atempause

Münster -

Die Situation im Hamburger Tunnel stank zuletzt buchstäblich zum Himmel. Jetzt wurde dort gereinigt. Derweil ist noch unklar, wie genau der Tunnel zukünftig genutzt werden soll.

Mittwoch, 12.09.2018, 08:37 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 11.09.2018, 20:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 12.09.2018, 08:37 Uhr
Die Fahrradständer im Hamburger Tunnel dienen manchem als Sichtschutz für weniger appetitliche Taten.
Die Fahrradständer im Hamburger Tunnel dienen manchem als Sichtschutz. Foto: Matthias Ahlke

In der Nacht zu Dienstag haben die Abfallwirtschaftsbetriebe (AWM) den Hamburger Tunnel gereinigt. Dort hatte sich in den vergangenen Monaten der Müll unter den Fahrradständern sichtlich gehäuft, hinzu kam eine intensive Duftnote menschlicher Hinterlassenschaften. Michael Milde, Abteilungsleiter der Verkehrsplanung in der Verwaltung, sprach unserer Zeitung gegenüber am Dienstag von „in der Tat unhaltbaren Zuständen“.

250 Kilogramm Abfall

Mit vier Mitarbeitern seien die AWM zwischen 2 und 6 Uhr im Einsatz gewesen, teilte AWM-Sprecherin Manuela Feldkamp auf Nachfrage mit. Neben einer Großkehrmaschine, E-Laubbläsern und Abfallsaugern sei auch ein Druckschlauch mit Stahlrohr zum Einsatz gekommen – unter anderem wohl um Urin von Wänden und Asphalt zu waschen.

Fahrrad-Situation am Hauptbahnhof Münster

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  • Bis Ende Januar 2018 war hinter diesem Zaun an der Bremer Straße Platz für knapp 1.800 Fahrräder. Für die Bauarbeiten an der Ostseite des Hauptbahnhofs musste der Bereich geräumt werden. Bis zur geplanten Fertigstellung der neuen Gebäude in zwei Jahren müssen die Radfahrer auf alternative Stellplätze ausweichen.

    Foto: Christine Bader
  • Im Hamburger Tunnel hat die Stadt Münster Mitte 2017 Doppelstockständer für 400 Fahrräder aufgestellt. Diese können den Bedarf allerdings noch lange nicht decken.

    Foto: Christine Bader
  • Zu Stoßzeiten ist es schwer, einen regulären Stellplatz zu finden. Außer den Doppelstockständern im Hamburger Tunnel gibt es nur die Radstation als überdachte Abstell-Alternative. Aber auch diese ist regelmäßig ausgebucht.

    Foto: Christine Bader
  • Die Fahrradflut vor dem Hamburger Tunnel prägt seit langem das Bild auf der Vorderseite des Hauptbahnhofes.

    Foto: Christine Bader
  • Pläne, Fahrradparkplätze im Parkhaus Bahnhofsstraße einzurichten, hat die Stadt Münster wieder verworfen. Stattdessen muss der Berliner Platz als Stellplatz herhalten.

    Foto: Melina Liethmann
  • Am Berliner Platz reihen sich die Fahrräder an- und aufeinander.

    Foto: Melina Liethmann
  • Die offiziellen Stellplätze reichen längst nicht für alle Leezen: Wer „wildparkt“ läuft Gefahr, abgeschleppt zu werden. Wiederfinden kann man sein Fahrrad bei der Fahrradfundstelle am Industrieweg.

    Foto: Melina Liethmann
  • In der Hektik den Zug zu erwischen, passiert auch mal das ein oder andere Missgeschick.

    Foto: Melina Liethmann
  • Auch Fußgänger bekommen die Fahrradparkplatz-Knappheit zu spüren. Viele Radler weichen auf den Gehweg aus.

    Foto: Melina Liethmann

Wer den Hamburger Tunnel am Dienstagmorgen betrat, der sah – und roch: Die Maßnahme, für die die Abfallwirtschaftsbetriebe der Stadt rund 1000 Euro in Rechnung stellen werden, hat sich gelohnt. 250 Kilogramm Abfall seien aus dem Tunnel geholt worden, so Feldkamp.

Neue Fahrradstation geplant

Die AWM bezeichnen die Reinigungsaktion derweil als Testlauf. Die Ergebnisse würden nun im Dialog mit dem Tiefbau- und dem Ordnungsamt ausgewertet. Michael Milde freute sich am Dienstag über den wahrnehmbaren Effekt, kündigte aber zudem an, dass es in Zukunft durchaus angedacht sei, die Fahrradbesitzer für gewisse Zeiten aufzufordern, ihre Räder zu entfernen, um besser reinigen zu können.

Das, so Milde, hätte den Nebeneffekt, dass eine merkliche Anzahl unbenutzter „Schrotträder“ aussortiert würden. Unklar ist derweil, ob mit der neuen Fahrradstation auf der Bahnhofsostseite, die frühestens 2020 fertiggestellt sein soll, die Abstellmöglichkeiten im Tunnel wegfallen. Es sei durchaus angedacht, dort Parkmöglichkeiten für Fahrräder zu belassen, man nehme aber auch wahr, dass man dabei eventuell platzsparender vorgehen müsse, so Milde.  

Kommentar: Naive Planung

Dass es im Hamburger Tunnel stinkt, und dass sich bis zum Wochenbeginn der Müll unter den Fahrrädern buchstäblich häufte, dafür sind natürlich zuallererst diejenigen verantwortlich, die den Müll dort hinschmeißen oder – vielleicht auch und – zwischen die Räder urinieren.

Dass Menschen so rücksichtslos agieren, ist fraglos unschön, zugleich aber auch nicht wirklich überraschend. Schon bevor die Stadt im Hamburger Tunnel für zigfachen Sichtschutz durch die aufgestellten Fahrradständer gesorgt hat, stand dort nicht alles zum Besten. Mittlerweile war die Situation in vollem Umfang beschämend. Müll, vergammelndes Essen, Erbrochenes, Urin – willkommen in Münster, liebe Bahnreisende.

Hinzu kommt, dass der Tunnel ein Verkehrsproblem hat. Immer wieder kommt es zu gefährlichen Situationen zwischen Radfahrern und Fußgängern. Verwunderlich ist das freilich nicht, wenn auf einer viel benutzten Achse die Fahrbahn um rund die Hälfte verkleinert wird. Auch wenn es weh tut: Die Fahrradständer sind gut gemeint, schaffen aber mehr Probleme, als sie lösen. Die Stadt sollte hier nachbessern – möglichst nicht erst 2020, sondern so schnell wie möglich.

Von Björn Meyer

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