Pro & Contra
Sollen die Fahrradständer weiterhin im Hamburger Tunnel bleiben?

Die Situation im Hamburger Tunnel eskaliert. Sollen die Fahrradständer raus, damit der Tunnel nicht noch mehr versifft? Zwei Meinungen zum Thema.

Samstag, 15.09.2018, 12:40 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 15.09.2018, 12:30 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Samstag, 15.09.2018, 12:40 Uhr
Pro & Contra: Sollen die Fahrradständer weiterhin im Hamburger Tunnel bleiben?
Die Fahrradständer im Hamburger Tunnel. Foto: Matthias Ahlke

PRO

Raus mit den Dingern

Ja, ja und nochmals ja – raus mit den Dingern. Nicht allein die Tatsache, dass diese Ständer ein willkommenes Versteck für diejenigen darstellen, die sich ihrer verdauten flüssigen Nahrung entledigen müssen.

Das Resultat: Es stinkt zum Himmel. Diese übel riechenden Hinterlassenschaften und deren unerträgliche Duftwolken sowie Müll sind es aber nicht allein, die nach einer Demontage der monströsen Konstruktionen schreien. Es sind vielmehr die enormen Dimensionen: Die Radständer nehmen gefühlt mehr als die Hälfte der verfügbaren Nutzfläche des Tunnels in Anspruch.

Ein friedliches Miteinander zwischen Radlern und Fußgängern ist schlicht nicht mehr möglich. Oft sind es die Radfahrer, die wild klingelnd, gestikulierend und teils lauthals versuchen, die Fußgänger zur Seite zu schreien. Dabei vergessen sie, wer für die engen Zustände verantwortlich ist: sie selbst und ihre Räder.

von Kay Böckling

Wie funktionieren die doppelstöckigen Fahrradständer am Hauptbahnhof?

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  • Rund um den Bahnhof stehen neue doppelstöckige Fahrradständer. Aber wie kommt die Leeze bloß nach oben?

    „Wenn man es erst einmal ausprobiert hat, ist es ganz einfach“, sagt Alexander Nienhaus, der die Doppelstockständer für uns ausprobiert hat.

    Hier ist unsere Bedienungsanleitung:

    Foto: Matthias Ahlke
  • Erstmal den Träger für das Rad herausziehen...

    Foto: Matthias Ahlke
  • ... bis es nicht weiter geht.

    Wichtig: Nur wenn die Schiene vollständig in die Gasse gezogen ist, lässt sie sich herunterklappen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Als nächstes den Träger auf den Boden drücken.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Dann das Vorderrad der Leeze unten in die Führung setzen, ...

    Foto: Matthias Ahlke
  • ... hochschieben und abschließen. Denn wenn das Rad erst in der oberen Etage steht, kommt man oft nur noch schwer an das Schloss.

    Wichtig: Hier machen manche den Fehler, das Rad von der Seite in das Gestell hieven zu wollen – und das kann bei nicht ganz so leichten Modellen etwas anstrengend sein.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Nun kann man den heruntergedrückten Ständer wieder hochziehen ...

    Foto: Matthias Ahlke
  • ... und mitsamt dem Fahrrad nach vorn schieben. Fertig.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Im Hamburger Tunnel und in Bahnhofsnachbarschaft stehen nun doppelstöckige Fahrradständer. Wer den Anweisungen der Piktogramme an den Ständern folgt, braucht keine große Kraftanstrengung, um das Rad auf den oberen Parkplatz zu bugsieren. Foto: Matthias Ahlke

CONTRA

Eine Notlösung – immerhin

Ja, der Hamburger Tunnel ist versifft. Ja, der Tunnel stinkt, es ist eng, jeder möchte nur weg. Aber was bitte wäre besser, wenn man die Fahrradständer aus dem Tunnel entfernen würde?

Würde man sie an anderer Stelle aufstellen, wäre eben dort das Chaos. Würde man in Gänze auf sie verzichten, gäbe es demnächst überhaupt keine Chance mehr, rund um den Hauptbahnhof den wild abgestellten Rädern zu entgehen. Die bis heute einfach völlig unbefriedigende Freiflächenplanung am Hauptbahnhof zwingt die Verkehrsplaner dazu, auch auf die vorhandenen Flächen im Tunnel zurückzugreifen, um dort Fahrradstellplätze anzubieten.

Das ist nicht mehr als eine Notlösung angesichts einer völlig verkorksten Situation. Aber es ist immerhin besser als gar keine Lösung. Die eigentliche Misere besteht darin, dass bislang überhaupt keine Lösung erkennbar ist.

von Klaus Baumeister

Fahrrad-Situation am Hauptbahnhof Münster

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  • Bis Ende Januar 2018 war hinter diesem Zaun an der Bremer Straße Platz für knapp 1.800 Fahrräder. Für die Bauarbeiten an der Ostseite des Hauptbahnhofs musste der Bereich geräumt werden. Bis zur geplanten Fertigstellung der neuen Gebäude in zwei Jahren müssen die Radfahrer auf alternative Stellplätze ausweichen.

    Foto: Christine Bader
  • Im Hamburger Tunnel hat die Stadt Münster Mitte 2017 Doppelstockständer für 400 Fahrräder aufgestellt. Diese können den Bedarf allerdings noch lange nicht decken.

    Foto: Christine Bader
  • Zu Stoßzeiten ist es schwer, einen regulären Stellplatz zu finden. Außer den Doppelstockständern im Hamburger Tunnel gibt es nur die Radstation als überdachte Abstell-Alternative. Aber auch diese ist regelmäßig ausgebucht.

    Foto: Christine Bader
  • Die Fahrradflut vor dem Hamburger Tunnel prägt seit langem das Bild auf der Vorderseite des Hauptbahnhofes.

    Foto: Christine Bader
  • Pläne, Fahrradparkplätze im Parkhaus Bahnhofsstraße einzurichten, hat die Stadt Münster wieder verworfen. Stattdessen muss der Berliner Platz als Stellplatz herhalten.

    Foto: Melina Liethmann
  • Am Berliner Platz reihen sich die Fahrräder an- und aufeinander.

    Foto: Melina Liethmann
  • Die offiziellen Stellplätze reichen längst nicht für alle Leezen: Wer „wildparkt“ läuft Gefahr, abgeschleppt zu werden. Wiederfinden kann man sein Fahrrad bei der Fahrradfundstelle am Industrieweg.

    Foto: Melina Liethmann
  • In der Hektik den Zug zu erwischen, passiert auch mal das ein oder andere Missgeschick.

    Foto: Melina Liethmann
  • Auch Fußgänger bekommen die Fahrradparkplatz-Knappheit zu spüren. Viele Radler weichen auf den Gehweg aus.

    Foto: Melina Liethmann
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