Kinderschutz-Forum
Durchatmen und Nerven behalten

Münster -

Beim Kinderschutz-Forum diskutieren derzeit in Münster rund 500 Experten darüber, wie Kinder noch besser vor Gewalt und Vernachlässigung geschützt werden können. Ein zentrales Thema sind die Gefahren des Schütteltraumas.

Donnerstag, 20.09.2018, 08:00 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 20.09.2018, 08:00 Uhr
Die Nerven behalten, wenn das Kind schreit: Arthur Kröhnert und Jessika Kühn-Velten von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Kinderschutz-Zentren wollen aufklären.
Die Nerven behalten, wenn das Kind schreit: Arthur Kröhnert und Jessika Kühn-Velten von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Kinderschutz-Zentren wollen aufklären.

Das zentrale Fotomotiv der neuen Kampagne der Bundesarbeitsgemeinschaft der Kinderschutz-Zentren zeigt ein schreiendes Baby. Der junge Vater, der den Säugling hält, behält – augenscheinlich – die Ruhe. Das aber fällt schwer genug, wenn das Baby partout nicht zu beruhigen ist. Unter dem Foto steht die Frage: „Ihre Nerven liegen blank?“

Das ist häufig genug der Fall – und auch verständlich, meinen Arthur Kröhnert und Jessika Kühn-Velten von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Kinderschutz-Zentren, die passend zum heutigen Weltkindertag im Fürstenberghaus bei ihrem diesjährigen Forum mit über 500 Experten aus Wissenschaft und Praxis zentrale und aktuelle Herausforderungen des Kinderschutzes diskutieren.

200 Schütteltrauma-Fälle jährlich

Eine davon ist es zu verhindern, dass Säuglinge durch ein Schütteltrauma dauerhafte Hirnschädigungen erleiden. Genau das passiert immer dann, wenn bei jungen Eltern die Nerven blank liegen, sie in ihrer Verzweiflung, das Baby nicht beruhigen zu können, den Säugling schütteln. Schon ein leichtes Schütteln kann schwerwiegende Folgen haben, wenn das Köpfchen des Kindes nicht gehalten werde, sagt Jessika Kühn-Velten, Vorstandsmitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft. Bundesgeschäftsführer Arthur Kröhnert liefert Zahlen: Hundert bis 200 Fälle von Schütteltraumata würden bundesweit jährlich aktenkundig, etwa 20 Prozent der Kinder sterben, viele erleiden Behinderungen, führt Kröhnert aus, „die Dunkelziffer ist hoch“.

Das Kind sicher ablegen, das Zimmer verlassen und die Tür zumachen. Dann erst mal durchatmen und sich vielleicht Hilfe holen.

Arthur Kröhnert

Die Kinderschutzzentren, in Münster vertreten durch die Kinderschutz-Ambulanz des DRK, wollen nun erstens über die möglichen Folgen aufklären und jungen Eltern Hilfe und Rat geben.

Eltern sind unerfahren und allein

„Verzweiflung und Wut sind normale Gefühle von Eltern, wenn das Kind schreit und schreit“, sagt Kröhnert und rät: „Das Kind sicher ablegen, das Zimmer verlassen und die Tür zumachen. Dann erst mal durchatmen und sich vielleicht Hilfe holen.“

Junge Eltern seien heute unerfahrener mit solchen Grenzsituationen und häufiger allein mit ihrem Kind, sagt Kröhnert. Die Bundesarbeitsgemeinschaft macht sich dafür stark, dass werdende Eltern schon in Geburtsvorbereitungskursen auf die Gefahren des Schütteltraumas hingewiesen werden und Strategien lernen, mit Ausnahmesituationen umzugehen.

Kinderschutz ist präsentes Thema

Kinderschutz sei heute in der Gesellschaft ein sehr präsentes Thema, stellt Kröhnert fest – wie gut Kinder aber heute in Deutschland tatsächlich vor Gewalt und Vernachlässigung geschützt seien, komme sehr darauf an, wo sie groß werden, schränkt er ein. Es gebe auch auf der Gesetzesebene noch viel Verbesserungswürdiges – etwa die Zusammenarbeit von Justiz und Jugendhilfe-Behörden, ein weiteres Thema des Forums.

Fälle, wie der Missbrauch des Jungen in Staufen, der von seiner Mutter und deren Partner im Internet zum Missbrauch angeboten wurde, hätten dann möglicherweise vermieden werden können.

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