Neue Ausstellung im Stadtmuseum
Wie Münster in die Südsee kam

Münster -

Westfalen in der Südsee? Zahlreiche Menschen aus dem Westfälischen machten sich um 1900 tatsächlich auf an das andere Ende der Welt, das wir heute Ozeanien nennen. Warum? Auf diese Frage sucht eine neue Ausstellung im Stadtmuseum Münster eine Antwort.

Donnerstag, 20.09.2018, 19:18 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 20.09.2018, 18:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 20.09.2018, 19:18 Uhr
Die Ausstellung kann – obgleich ein Stück Stadtgeschichte Münsters – nicht dauerhaft im Stadtmuseum präsentiert werden.
Die Ausstellung kann – obgleich ein Stück Stadtgeschichte Münsters – nicht dauerhaft im Stadtmuseum präsentiert werden. Foto: Oliver Werner

Der Satz steht in gestochen schöner Schreibschrift in jeder Zeile des Heftes: „Die Kirche ist das Haus Gottes.“ Geschrieben hat ihn vor ungefähr hundert Jahren ein Kind in Palau. Der heutige Inselstaat in der Südsee war damals eine deutsche Kolonie, und die Schule, in der das Kind schreiben und auch die deutsche Sprache lernte, wurde von westfälischen Ordensleuten betrieben.

Westfalen und die Südsee im  Stadtmuseum 

Sie versuchten Christentum und deutsche Kultur in der pazifischen Inselwelt zu verbreiten. Die Kapuziner der rheinisch-westfälischen Provinz konzentrierten sich auf diese Aufgabe, der Herz Jesu-Orden in Hiltrup wurde eigens zu diesem Zweck gegründet.

Eine Sonderausstellung im Stadtmuseum beleuchtet ab Samstag (22. September) bis zum 13. Januar 2019 anhand zeitgenössischer Fotos, Dokumente und vieler anderer Exponate die Beziehung zwischen Westfalen und der Südsee.

Silke Hensel, Professorin für außereuropäische Geschichte am Exzellenzcluster Religion und Politik der Universität Münster, hat den Anstoß zu der Ausstellung gegeben, und die Geschichte der Missionare und ihre Wirkung in Westfalen beziehungsweise im Deutschen Reich, wie in der Südsee aufgearbeitet.

Neue Ausstellung im Stadtmuseum: „Aus Westfalen in die Südsee“

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  • Die Ausstellung „Aus Westfalen in die Südsee. Katholische Mission in den deutschen Kolonien“ wurde in Kooperation vom Stadtmuseum Münster und dem Excellenzcluster „Religion und Politik“ der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) erarbeitet. Foto: Stadtmuseum Münster
  • Die Ausstellung „Aus Westfalen in die Südsee. Katholische Mission in den deutschen Kolonien“ wurde in Kooperation vom Stadtmuseum Münster und dem Excellenzcluster „Religion und Politik“ der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) erarbeitet. Foto: Stadtmuseum Münster
  • Die Ausstellung „Aus Westfalen in die Südsee. Katholische Mission in den deutschen Kolonien“ wurde in Kooperation vom Stadtmuseum Münster und dem Excellenzcluster „Religion und Politik“ der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) erarbeitet. Foto: Oliver Werner
  • Die Ausstellung „Aus Westfalen in die Südsee. Katholische Mission in den deutschen Kolonien“ wurde in Kooperation vom Stadtmuseum Münster und dem Excellenzcluster „Religion und Politik“ der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) erarbeitet. Foto: Oliver Werner
  • Die Ausstellung „Aus Westfalen in die Südsee. Katholische Mission in den deutschen Kolonien“ wurde in Kooperation vom Stadtmuseum Münster und dem Excellenzcluster „Religion und Politik“ der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) erarbeitet. Foto: Oliver Werner
  • Die Ausstellung „Aus Westfalen in die Südsee. Katholische Mission in den deutschen Kolonien“ wurde in Kooperation vom Stadtmuseum Münster und dem Excellenzcluster „Religion und Politik“ der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) erarbeitet. Foto: Oliver Werner
  • Die Ausstellung „Aus Westfalen in die Südsee. Katholische Mission in den deutschen Kolonien“ wurde in Kooperation vom Stadtmuseum Münster und dem Excellenzcluster „Religion und Politik“ der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) erarbeitet. Foto: Oliver Werner
  • Die Ausstellung „Aus Westfalen in die Südsee. Katholische Mission in den deutschen Kolonien“ wurde in Kooperation vom Stadtmuseum Münster und dem Excellenzcluster „Religion und Politik“ der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) erarbeitet. Foto: Oliver Werner
  • Die Ausstellung „Aus Westfalen in die Südsee. Katholische Mission in den deutschen Kolonien“ wurde in Kooperation vom Stadtmuseum Münster und dem Excellenzcluster „Religion und Politik“ der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) erarbeitet. Foto: Oliver Werner
  • Die Ausstellung „Aus Westfalen in die Südsee. Katholische Mission in den deutschen Kolonien“ wurde in Kooperation vom Stadtmuseum Münster und dem Excellenzcluster „Religion und Politik“ der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) erarbeitet. Foto: Stadtmuseum Münster
  • Die Ausstellung „Aus Westfalen in die Südsee. Katholische Mission in den deutschen Kolonien“ wurde in Kooperation vom Stadtmuseum Münster und dem Excellenzcluster „Religion und Politik“ der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) erarbeitet. Foto: Stadtmuseum Münster
  • Die Ausstellung „Aus Westfalen in die Südsee. Katholische Mission in den deutschen Kolonien“ wurde in Kooperation vom Stadtmuseum Münster und dem Excellenzcluster „Religion und Politik“ der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) erarbeitet. Foto: Stadtmuseum Münster
  • Die Ausstellung „Aus Westfalen in die Südsee. Katholische Mission in den deutschen Kolonien“ wurde in Kooperation vom Stadtmuseum Münster und dem Excellenzcluster „Religion und Politik“ der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) erarbeitet. Foto: Oliver Werner
  • Die Ausstellung „Aus Westfalen in die Südsee. Katholische Mission in den deutschen Kolonien“ wurde in Kooperation vom Stadtmuseum Münster und dem Excellenzcluster „Religion und Politik“ der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) erarbeitet. Foto: Oliver Werner
  • Die Ausstellung „Aus Westfalen in die Südsee. Katholische Mission in den deutschen Kolonien“ wurde in Kooperation vom Stadtmuseum Münster und dem Excellenzcluster „Religion und Politik“ der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) erarbeitet. Foto: Oliver Werner
  • Die Ausstellung „Aus Westfalen in die Südsee. Katholische Mission in den deutschen Kolonien“ wurde in Kooperation vom Stadtmuseum Münster und dem Excellenzcluster „Religion und Politik“ der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) erarbeitet. Foto: Oliver Werner
  • Die Ausstellung „Aus Westfalen in die Südsee. Katholische Mission in den deutschen Kolonien“ wurde in Kooperation vom Stadtmuseum Münster und dem Excellenzcluster „Religion und Politik“ der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) erarbeitet. Foto: Oliver Werner
  • Die Ausstellung „Aus Westfalen in die Südsee. Katholische Mission in den deutschen Kolonien“ wurde in Kooperation vom Stadtmuseum Münster und dem Excellenzcluster „Religion und Politik“ der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) erarbeitet. Foto: Oliver Werner
  • Die Ausstellung „Aus Westfalen in die Südsee. Katholische Mission in den deutschen Kolonien“ wurde in Kooperation vom Stadtmuseum Münster und dem Excellenzcluster „Religion und Politik“ der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) erarbeitet. Foto: Oliver Werner
  • Die Ausstellung „Aus Westfalen in die Südsee. Katholische Mission in den deutschen Kolonien“ wurde in Kooperation vom Stadtmuseum Münster und dem Excellenzcluster „Religion und Politik“ der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) erarbeitet. Foto: Oliver Werner
  • Die Ausstellung „Aus Westfalen in die Südsee. Katholische Mission in den deutschen Kolonien“ wurde in Kooperation vom Stadtmuseum Münster und dem Excellenzcluster „Religion und Politik“ der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) erarbeitet. Foto: Oliver Werner
  • Die Ausstellung „Aus Westfalen in die Südsee. Katholische Mission in den deutschen Kolonien“ wurde in Kooperation vom Stadtmuseum Münster und dem Excellenzcluster „Religion und Politik“ der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) erarbeitet. Foto: Oliver Werner

Nicht auf Augenhöhe

Auch wenn die Missionare den Menschen in den damaligen Kolonien deutsche Kultur und katholisches Christentum nahebringen wollten, so war die Beziehung keine Einbahnstraße, wie Silke Hensel erklärt: Die Ordensleute aus Hiltrup, auch zahlreiche Schwestern gingen nach Mikronesien und berichteten sehr detailliert vom dortigen Leben in die Heimat. Sie sandten Fotos und Berichte, viele erforschten die Natur – und schickten getrocknete Pflanzen, auch tote Tiere, die auf der Seereise konserviert und im Münsterland präpariert und ausgestellt wurden.

Federn des Paradiesvogels schmückten modische Hüte, kunstvoll geschnitzte Totenkult-Figuren auf den Inseln beeinflussten das Design. Und mit den auch vom münsterischen Zoo-Gründer Professor Landois in Münster organisierten „Völkerschauern“ kamen auch die Menschen selbst nach Westfalen.

Der Blick der Missionare auf die Menschen der Südseeinseln befand sich nicht auf Augenhöhe, wie Hensel immer wieder feststellte. Die besten Eingeborenen waren in den Augen der Missionare natürlich jene, die sich europäisch kleideten, in Kleinfamilien lebten und den katholischen Glauben angenommen hatten.

„Marketinginstrumente“ und Konflikte 

Aber auch die heimische Bevölkerung hatte verstanden, dass die Beziehung zu den Deutschen für sie Vorteile bringen könnte. So begriffen einige die Darstellung ihres Lebens in den Völkerschauen als „Marketinginstrument“ für die Heimat, so Hensel. Die „Südsee“, speziell Samoa hatte im deutschen Reich ein sehr positives Image. Es wurde Handel getrieben mit Kunst und Handwerklichem von den Inseln.

Die Ausstellung beleuchtet aber auch die Konflikte – etwa den Aufstand auf Pohnpei im Jahr 1910. Dem Gericht, das am Ende die Anführer zum Tode verurteilte, gehörten auch jeweils ein Vertreter der katholischen und ebenfalls dort wirkenden evangelischen Missionare an.

Die Orden rekrutierten im wesentlichen ihre Missionare aus Westfalen – hier im katholisch geprägten ländlichen Raum gab es damals genügend Nachwuchs für diese Aufgabe, so die Leiterin des Stadtmuseums, Dr. Barbara Rommé.

Die Ausstellung kann – obgleich ein Stück Stadtgeschichte Münsters – nicht dauerhaft im Stadtmuseum präsentiert werden. „Viele Exponate brauchen eine besondere Konservierung, die wir hier nicht leisten können“, bedauert Rommé.

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