Missbrauch in der Kirche
Bistum Münster hat keine regionalen Fallzahlen

Münster -

Es gibt 450 Betroffene und 138 beschuldigte Kleriker im Bistum Münster – aber regionale Zahlen gibt es nicht.

Mittwoch, 26.09.2018, 14:45 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 26.09.2018, 09:30 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 26.09.2018, 14:45 Uhr
Tatort Kirche: Laut einer Studie wurden seit 1946 im Bistum Münster 138 Kleriker wegen sexuellen Missbrauchs aktenkundig, 14 von ihnen wurden verurteilt.
Tatort Kirche: Laut einer Studie wurden seit 1946 im Bistum Münster 138 Kleriker wegen sexuellen Missbrauchs aktenkundig, 14 von ihnen wurden verurteilt. Foto: Oliver Werner

Es gibt 450 Betroffene und damit Fälle sowie 138 beschuldigte Kleriker im gesamten und großen Bistum Münster – aber regionale Zahlen gibt es nicht. Wie viele Fälle aus Westfalen oder vom Niederrhein stammen, wie viele aus dem Bistumsteil in Niedersachsen bleibt damit unklar.

Uns geht es um die Opfer und darum, wie wir Missbrauch zukünftig verhindern können.

Generalvikar Dr. Norbert Köster

Generalvikar Dr. Norbert Köster erklärte am Dienstagnachmittag bei der Pressekonferenz zu den Kenntnissen über sexuellen Missbrauch den enttäuschten Journalisten, dass heruntergebrochene Zahlen nicht weiter zielführend seien. Viele der Geistlichen seien im Laufe der Jahre gewechselt. Zudem sei die Dunkelziffer deutlich höher. „Uns geht es um die Opfer und darum, wie wir Missbrauch zukünftig verhindern können“, sagte Köster bei der per ­Livestream übertragenen Vorstellung der Ergebnisse.

"Mahnender Mühlstein" soll aufmerksam machen

Am Mittwochmorgen wird auf der Rückseite des St.-Paulus-Dom der „Mahnende Mühlstein“ aufgestellt, der mit einer Ausstellung auf den sexuellen Missbrauch im Raum der Kirche aufmerksam macht. Am Tag zuvor stellte das Bischöfliche Generalvikariat die Studie mit Sprengkraft vor, für die die Kölner Beratungsgruppe Axis Zugang zum Geheimarchiv des Bistums ab dem Jahr 1946 und den Personalakten von Priestern, Diakonen und Ordensgeistlichen zwischen den Jahren 2000 und 2015 bekommen hatte.

Mahnender Mühlstein macht auf sexuellen Missbrauch in der Kirche aufmerksam

1/21
  • Den Mühlstein als Symbol erklärt ein Vers aus dem Matthäus-Evangelium.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Ein "Mahnender Mühlstein" wurde am Mittwoch (26. September 2018) hinter dem münsterischen Dom enthüllt. Er erinnert an die Opfer sexueller Gewalt in der Katholischen Kirche. Initiator Johannes Heibel, Schülerin Sefin Mustafa, Weihbischof Dieter Geerlings, Bürgermeisterin Wendela-Beate Vilhjalmsson, Schülerin Marlene Löer, Domvikar Hendrik Drüing, Sabrina Schulte-Lüke (Pädagogische Verantwortung) und der stellvertretende Generalvikar Jochen Reidegeld (von links) enthüllten ihn.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Deutliche Worte fand bei der Feierstunde Weihbischof Dieter Geerlings.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Viele Besucher verfolgten die Enthüllung. Initiator Johannes Heibel erklärte ihnen die Idee.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Der stellvertretende Generalvikar Jochen Reidegeld sprach einleitende Worte.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Für die musikalische Umrahmung sorgten  Hildegard Michael (links) und Kathi Böseler.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Viele Besucher verfolgten die Enthüllung. Initiator Johannes Heibel erklärte ihnen die Idee.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Der Mühlstein war zunächst verhüllt.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Initiator Johannes Heibel erklärte ihnen die Idee.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Initiator Johannes Heibel erklärte ihnen die Idee.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Domvikar Hendrik Drüing

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Sabrina Schulte-Lütke (Pädagogische Verantwortung)

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Bürgermeisterin Wendela-Beate Vilhjalmsson

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Der Mühlstein war zunächst verhüllt.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Schülerin Marlene Löer

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Die Musikerinnen Hildegard Michael (links) und Kathi Böseler

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Weihbischof Dieter Geerlings

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Initiator Johannes Heibel, Schülerin Sefin Mustafa, Weihbischof Dieter Geerlings, Bürgermeisterin Wendela-Beate Vilhjalmsson, Schülerin Marlene Löer, Domvikar Hendrik Drüing, Sabrina Schulte-Lüke (Pädagogische Verantwortung) und der stellvertretende Generalvikar Jochen Reidegeld (von links) enthüllten das Kunstwerk.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Den Mühlstein als Symbol erklärt ein Vers aus dem Matthäus-Evangelium.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Initiator Johannes Heibel erklärte ihnen die Idee.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Viele Besucher verfolgten die Enthüllung.

    Foto: Gunnar A. Pier

Insgesamt wurden 1708 Akten in Münster geprüft. Die 138 Beschuldigten sind überwiegend Priester und in 13 Fällen Ordensgeistliche. Ein Diakon ist nicht dabei. 80 Prozent der Opfer sind Männer. Das Alter der männlichen Betroffenen lag zwischen 4 und 21 Jahren, das der weiblichen zwischen 0 und 18 Jahren.

Härtere Strafen gefordert

Köster forderte in Vertretung für Bischof Dr. Felix Genn, der bei der Bischofskonferenz in Fulda ist, „kirchlicher- wie staatlicherseits härtere Strafen und ein Ende der Verjährungsfristen bei sexuellem Missbrauch“. In 14 Fällen von den 138 Beschuldigten kam es von staatlicher Seite aus zu Verurteilungen, 20 Verfahren wurden indes eingestellt.

Aktuell (ab 2016) gibt es im Bistum Münster vier Fälle, einer davon in Horstmar.  

Generalvikar Dr. Norbert Köster zum Missbrauch im Bistum Münster

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6079724?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
Unfall mit vier Verletzten auf A1
Transporter fährt auf: Unfall mit vier Verletzten auf A1
Nachrichten-Ticker