Netzwerk Organspende
Ritter für eine gute Sache

Münster -

Nicht jeder muss Organspender werden, aber vielleicht sollte sich jeder zumindest einmal die Zeit nehmen, über die Thematik nachzudenken.

Mittwoch, 26.09.2018, 17:42 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 26.09.2018, 17:42 Uhr
Claudia Krogul (l.), Konstanze Birkner und Marcus Nagel engagieren sich für das Netzwerk Organspende, das informieren und mit Vorurteilen aufräumen möchte.
Claudia Krogul (l.), Konstanze Birkner und Marcus Nagel engagieren sich für das Netzwerk Organspende, das informieren und mit Vorurteilen aufräumen möchte. Foto: Björn Meyer

Claudia Krogul erinnert sich noch gut daran, als Mitte 2012 die ersten Meldungen zum sogenannten Organspende-Skandal an die Öffentlichkeit drangen. „Ich hatte wohl Glück“, sagt sie heute rückblickend, denn nur kurze Zeit zuvor hatte die heute 39-Jährige eine neue Lunge transplantiert bekommen. Wer weiß schon, wie es gekommen wäre, wenn die Vorgänge an der Göttinger Uniklinik vorher ans Licht gekommen wären. Vielleicht wäre ihr Spender ins Grübeln gekommen. Vielleicht hätte Claudia Krogul dann kein Organ erhalten. Dann würde Sie an diesem Mittwochmorgen auch nicht vor der Lambertikirche stehen – ganz einfach, weil sie wohl nicht mehr leben würde.

Schon als Kind war bei der gebürtigen Münsteranerin Mukoviszidose diagnostiziert worden. Man bereitete sie darauf vor, früh zu sterben. 2008 sei es ihr dann gesundheitlich immer schlechter gegangen, erinnert sich Krogul. Eigenständig atmen war nicht mehr möglich. Ihr letzter Ausweg: ein Spenderorgan.

Genau wie Marcus Nagel, der vor acht Jahren eine neue Niere erhielt, möchte sie etwas zurückgeben und vor allem auch anderen Menschen helfen, eine Chance auf ein Spenderorgan zu erhalten. „Wir möchten auch mit Vorurteilen aufräumen“, sagt Nagel am Stand des Netzwerks Organspende am Mittwochmorgen. Häufig lese man, Menschen mit einem transplantierten Organ hätten keine Lebensqualität mehr, würden krank und siechten dahin. Quatsch sei das, sagt Nagel und schiebt gut gelaunt mit einem Blick auf Claudia Krogul hinterher: „Wir beide sind doch das beste Beispiel.“

Dass trotzdem viel Aufklärungsbedarf besteht, weiß auch Konstanze Birkner vom Netzwerk Organspende. Gleichgültigkeit, Bequemlichkeit, manchmal auch Ängste – es gebe verschiedene Gründe, warum viele Menschen sich nicht mit dem Thema befassen würden. Dabei käme fast jeder als Organspender in Betracht. Lediglich ein paar Krankheiten seien Ausschlusskriterien. Mit 16 Jahren dürften sogar Jugendliche bereits darüber entscheiden, ob sie Organspender sein wollen.

Sechs Jahre, so lange müssten Betroffene derzeit im Durchschnitt auf Organe warten, sagt Marcus Nagel. Allein in Nordrhein-Westfalen würden über 2000 Menschen auf ein Organ warten. Gespendet worden seien im vergangenen Jahr allerdings nur 147 Organe.

Zum Thema

Informationen rund um die Organspende gibt es unter anderem unter www.netzwerk-organspende-nrw.de

...
Kommentar

Natürlich muss nicht jeder gleich Organspender werden. Vielmehr ist das eine Entscheidung über den eigenen Körper, die jeder mit seinem Gewissen gründlich ausmachen sollte. Die Problematik daran: Es gibt nicht zu wenige Organspender, weil nicht genügend Menschen hinter der Methode stehen, sondern weil sich einfach zu wenige Menschen überhaupt mit der Thematik befassen. Es lohnt sich daher nicht nur, sich in einer ruhigen Minute mal darüber Gedanken zu machen, es könnte sogar irgendwann mal ein Leben retten. 

...
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6081092?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
Körnerkissen war Ursache für Brand mit einem Toten
Gefahr aus der Mikrowelle: Körnerkissen war Ursache für Brand mit einem Toten
Nachrichten-Ticker