Geschichte in der Schule
Historiker und Lehrer beklagen Bedeutungsverlust

Münster -

Geschichtslehrer in Nordrhein-Westfalen freuen sich auf die Rückkehr zur neunjährigen Schulzeit. „Es wäre schön, wenn das Fach Geschichte dann wieder mehr Gewicht bekäme.“ Das hofft Ulrich Bongertmann, der Bundesvorsitzende des Verbandes der Geschichtslehrer Deutschlands, beim Historikertag in Münster. Das populärwissenschaftliche Interesse an historischen Themen ist groß, aber in den vergangenen Jahrzehnten habe das Schulfach immer mehr an Bedeutung verloren, klagt Bongertmann.

Donnerstag, 27.09.2018, 12:47 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 27.09.2018, 11:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 27.09.2018, 12:47 Uhr
Ulrich Bongertmann ist Vorsitzender des Verbandes der Geschichtslehrer.
Ulrich Bongertmann ist Vorsitzender des Verbandes der Geschichtslehrer. Foto: Oliver Werner

Dr. Wolfhart Beck, Geschichtslehrer am Annette-Gymnasium, ist wenig optimistisch: „Es sieht nicht so aus, als ob das zusätzliche Schuljahr mehr Geschichte in den Stundenplan bringen wird.“ Am Annette-Gymnasium wird die Auseinandersetzung mit Geschichte, das selbstständige Forschen an historischen Themen in Arbeitsgemeinschaften gefördert, die Schule hat bundesweit die meisten Sieger beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten hervorgebracht.

In der sechsten Klasse wird Geschichte erteilt, zusätzlich in einzelnen Halbjahren des siebten und achten Jahrgangs. Wer das Fach in der Oberstufe nicht wählt, muss einen kurzen Pflichtkurs absolvieren. Vermittelt werden soll in der kurzen Zeit die komplette Geschichte von der Urzeit bis zur deutschen Wiedervereinigung, „sehr oberflächlich“, so Beck.

Appell an die Politik

Ulrich Bongertmann fordert die Politik auf, dem Fach Geschichte mehr Raum zu geben – damit junge Menschen mehr historisches Wissen erhalten, die Chance eröffnet wird, dass Begeisterung für die Auseinandersetzung mit historischen Themen geweckt wird, Sensibilität für gesellschaftliche Entwicklungen entstehen kann.

Historisches Wissen, das sagt Prof. Eva Schlotheuber, die Vorsitzende des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands, „kann bei der Orientierung in der Gegenwart helfen“. Sie beklagt, dass die Kenntnisse, selbst der jungen Leute, die Geschichte als Studienfach wählen, in den vergangenen Jahren stark nachgelassen hätten. Das bestätigt auch der Vorsitzende der Ortsgruppe Münster des Historikerverbandes Prof. Peter Funke: „Unsere Studienanfänger bringen immer weniger Kenntnisse mit.“

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