Schülerprogramm beim Historikertag
Wissen schützt vor Spaltung

Münster -

Der Hörsaal H1 ist proppenvoll. Hunderte Schüler sind gekommen, um am Schülerprogramm des 52. Deutschen Historikertages teilzunehmen. Carina und Ben gefällt‘s, das Tagungsmotto „Gespaltene Gesellschaften“ macht sie aber nachdenklich.

Donnerstag, 27.09.2018, 11:52 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 27.09.2018, 09:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 27.09.2018, 11:52 Uhr
Geballtes Geschichtsinteresse: Carina und Ben sind in der elften Klasse des Annette-Gymnasiums und besuchten mit ihrem Leistungskurs, sowie vier weiteren Kursen ihrer Schule, das Schülerprogramm des 52. Deutschen Historikertages im Hörsaal H1 am Schlossplatz.
Geballtes Geschichtsinteresse: Carina und Ben sind in der elften Klasse des Annette-Gymnasiums und besuchten mit ihrem Leistungskurs, sowie vier weiteren Kursen ihrer Schule, das Schülerprogramm des 52. Deutschen Historikertages im Hörsaal H1 am Schlossplatz. Foto: Pjer Biederstädt

Als sich die Tür des H1 im Hörsaalgebäude gegenüber dem Schlossplatz öffnet, wird aus der andächtigen Stille im Foyer ein Tohuwabohu. Hunderte Schüler laufen durcheinander, nachdem der erste Vortrag des Tages im Schülerprogramm des 52. Deutschen Historikertages über die Bühne gegangen ist.

Mittendrin im Gewusel stehen Carina und Ben. Geschichte ein verstaubtes Fach? Für die beiden 16-Jährigen aus dem Geschichtsleistungskurs des Annette-Gymnasiums ist das nur ein Klischee. „Richtig gut“ habe ihnen der Vortrag zur 68er-Bewegung gefallen. „Interessant, wie damals die linke Bewegung aufbegehrte und heute ein Rechtsruck zu verzeichnen ist“, sagt Ben, während der rote Jutebeutel mit dem Tagungsmotto „Gespaltene Gesellschaften“ an seiner Schulter baumelt.

Das Thema Spaltung macht die beiden Jugendlichen nachdenklich. Auch sie merken, wie in ihrem Umfeld die Meinungen stärker auseinander gehen. „Wir haben bei uns zu Hause einen Flüchtling aufgenommen“, erzählt er. Ein älterer Herr aus der Nachbarschaft hätte dafür überhaupt kein Verständnis gehabt.

Carina ist Geschichtsbewusstsein enorm wichtig. „Ich kann nicht verstehen, wie man aus den schlimmen Fehlern aus der NS-Zeit nicht lernen kann.“ Sie fürchtet, dass die Geschichte dabei ist, sich zu wiederholen.

Plötzlich setzt sich die Menschenmenge wieder in Bewegung. Hans-Ulrich Thamer, Geschichtsprofessor der Uni Münster, beginnt gleich mit seinem Vortrag zur Historie von „Fake News“. Das wollen auch Carina und Ben nicht verpassen.

  Foto: Pjer Biederstädt

„Flugblätter aus dem Dreißigjährigen Krieg sind die Tweets von heute“, schlägt Thamer die Brücke aus dem 17. Jahrhundert ins Jetzt. Seine Beispiele zeigen die manipulative Kraft von alternativen Fakten. Sei es das nachgestellte Bild vom Fackelzug der Nazis 1933 durch das Brandenburger Tor oder die Bilder von Amtseinführungsfeier von US-Präsident Donald Trump – besonders stark komme die Wirkung der Wahrheitsfälschung bei Bildern zum Tragen. „Das sensibilisiert mich schon. Woher weiß man heutzutage, welches Bild echt ist?“, fragt sich Ben – Vertreter der Generation Instagram – nach dem Vortrag im Foyer.

  Foto: Pjer Biederstädt

Dort stehen Jugendliche vor großen Plakattafeln. Eine Ausstellung zeigt Beiträge münsterischer Schüler, die in den letzten zehn Jahren Teil des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten waren. Ben hat auch schon teilgenommen, Carina hat den Wettbewerb sogar gewonnen.

„Münster ist eine Hochburg geschichtsinteressierter Schüler. Von 5000 Teilnehmern waren zuletzt 154 aus Münster. Das sind so viele wie in ganz Ostdeutschland“, erzählt Saskia Handro. Die WWU-Professorin des Instituts für Geschichtsdidaktik hat das Schülerprogramm zusammen mit der Körber-Stiftung auch deshalb in die Fachtagung integriert. Die Resonanz der Schüler gibt ihnen recht.

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