Die Käfige am Turm von St. Lamberti
Plädoyer für die Käfige

Münster -

Am Anfang hatte Buchautor Jan Matthias Hoffrogge nur eine Idee, daraus entwickelte sich dann Band 15 in der Reihe „Kleine Schriften aus dem Stadtarchiv Münster“ das Buch Der „Wiedertäufermythos“. Der 28-Jährige plädiert dafür, die Käfige am Turm zu belassen.

Dienstag, 02.10.2018, 16:38 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 02.10.2018, 16:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 02.10.2018, 16:38 Uhr
Die Käfige am Turm von St. Lamberti: Plädoyer für die Käfige
Präsentierten das neue Buch Der „Wiedertäufermythos“, das in der Reihe „Kleine Schriften aus dem Stadtarchiv Münster“ erscheint (v.l.): Dr. Dirk Paßmann, Anja Gussek, Matthias Hoffrogge und Dr. Hannes Lambacher. Foto: gh

Die drei Eisenkörbe oben am Kirchturm von St. Lamberti ziehen viele Blicke auf sich. Manche Menschen sind der Auffassung, die Körbe werfen ein schlechtes Licht auf die Stadt, andere bezeichnen die Körbe als Mahnmal und Abschreckung. Jan Matthias Hoffrogge hat jetzt über den „Wiedertäufermythos“ geschrieben und das Aufregerthema aufgegriffen. Er ist der Autor eines neues Buches, das als Band 15 in der Reihe „Kleine Schriften aus dem Stadtarchiv Münster“ erschienen ist.

Der Streit um die Täufer-Körbe ist in Münster eine unendliche Geschichte. Seit Jahrzehnten wird darüber debattiert. Der „Wiedertäufermythos“ hält sich hartnäckig. Präziser wäre es von einem Erinnerungsort zu sprechen, meint Jan Matthias Hoffrogge. Der Doktorand und Mitarbeiter im Institut für Didaktik der Geschichte plädiert dafür, die Käfige am Lambertiturm zu belassen und mit Informationen anzureichern. Nur wer fühlt sich dafür in der Stadt zuständig, fragt der Autor, für den die Eisenkörbe der materialistische Ausdruck des Wiedertäufer-Mythos sind.

Bücher über die Wiedertäufer gibt es viele, sagt Dr. Dirk Paßmann vom Buchverlag Aschendorff, in dem das Buch jetzt erschienen ist. Einig ist sich Paßmann mit der Leitung des Stadtarchivs, Dr. Hannes Lambacher und Anja Gussek, dass aber kein Autor das Thema mit einer so gedanklichen Frische bearbeitet habe wie Jan Matthias Hoffrogge.

„Seit 25 Jahren interessiere ich mich für die Wiedertäufer“, erklärt Hoffrogge. Der 28-Jährige hörte sich um, kam mit vielen Menschen ins Gespräch und erfuhr eine Menge Neues über die Wiedertäufer. Sein Interesse war geweckt. Er ging vielen Fragen nach. Auch denen, warum die Körbe als Hinrichtungszeugnisse der Wiedertäufer bis heute am Turm hängen und ob dies für eine Stadt der Wissenschaft und Lebensart immer noch angemessen sei? Hoffrogges Weg führte bei der Recherche unter anderem zum Karneval, zu Punkern und zu Dritte-Welt-Aktivisten. Sie alle, so der Autor, nutzten die Täufer als Wertemaßstab und schufen den „Wiedertäufermythos“. Hoffrogge betont: „Man lernt dabei, wie die Münsteraner heute so ticken und vor was sie Angst haben.“

Zum Thema

Band 15 in der Reihe „Kleine Schriften aus dem Stadtarchiv Münster“, Aschendorff-Verlag, ISVN 978-3-402-13121-3, 19,90 Euro.

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