Jahrestag der Wiedervereinigung
Nooke bricht Lanze für den Osten

Münster -

Am Dienstagabend begingen Münster und seine Partnerstadt Mühlhausen mit einer Feierstunde im Rathausfestsaal den Jahrestag der Wiedervereinigung. Es fielen deutliche Worte zum Osten von damals – und heute.

Donnerstag, 04.10.2018, 11:36 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 03.10.2018, 10:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 04.10.2018, 11:36 Uhr
Der ehemalige DDR-Bürgerrechtler Günter Nooke (r.) trug sich im Beisein des Oberbürgermeisters Markus Lewe ins Goldene Buch der Stadt ein. Danach hielt Nooke eine beeindruckende und nachdenkliche Rede zum Gedenken an die friedliche Revolution im Osten 1989.
Der ehemalige DDR-Bürgerrechtler Günter Nooke (r.) trug sich im Beisein des Oberbürgermeisters Markus Lewe ins Goldene Buch der Stadt ein. Danach hielt Nooke eine beeindruckende und nachdenkliche Rede zum Gedenken an die friedliche Revolution im Osten 1989. Foto: Oliver Werne

Bunte Beflaggung am Stadtweinhaus. Die Fahnen von Europa, Bund, Land und der Stadt Münster wurden am Dienstagabend gehisst. Am selben Abend fand eine Feierstunde im Rathausfestsaal statt, mit welcher Münster und seine Partnerstadt Mühlhausen den Jahrestag der Wiedervereinigung begingen.

Anwesend war im Rathausfestsaal neben viel Politprominenz auch der Oberbürgermeister von Mühlhausen, Dr. Johannes Bruns. Münsters OB Markus Lewe berichtete, wie er den Mauerfall 1989 in Berlin erlebte – in Zeiten ohne Handy und Twitter. „Ich bin mit Räuberleiter auf die Mauer am Brandenburger Tor gestiegen“, erinnerte sich Lewe schwärmerisch.

Im Zentrum des Abends stand eine Rede von Günter Nooke, ehemals DDR-Bürgerrechtler und Vorstandsmitglied des „Demokratischen Aufbruchs“. Eine Rede, die bei aller Verbindlichkeit nicht die schmerzhaften Bruchstellen zwischen Ost und West kaschierte.

„Haben die Bilder von Chemnitz uns voneinander entfremdet oder die Entfremdung nur bewusst gemacht?“ Zu Recht wies Nooke darauf hin, dass ihm Jahr 1989 die erste und dauerhaft erfolgreiche Revolution in Deutschland stattgefunden habe. Und zwar gewaltfrei.

Gestürzt worden sei jene Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED), die es – mehrfach umbenannt – noch immer gebe, auch in Münster. Indes: „Menschen und Parteien können sich selbstverständlich ändern.“

Aber man solle heute nicht immerzu von „DDR-Bürgern“ sprechen und damit jene DDR-Anerkennung nachträglich vollziehen, die Helmut Kohl zum Glück immer verweigert habe.

Nooke wies auf die kaum fassliche Tatsache hin, dass in nur vier Wochen eine Diktatur und die Teilung hinweggefegt wurden – „nur weil ein paar Ossis keine Angst mehr hatten und sagten, was sie wollten“.

Und was ist mit den „Ossis“ heute? „Wäre es damals besser nicht soweit gekommen?“, fragte Nooke mit Blick auf Chemnitz. „Nein“, gab er selbst die Antwort.

Nooke distanzierte sich unmissverständlich von rechten Kräften, brach aber für „seine Ossis“ eine Lanze. Auch die seiner Ansicht nach einseitigen Medien sah er kritisch. „Ostdeutsche sind da sehr sensibel.“

Sein Blick in die Zukunft ist positiv: „Deutschland ist ein im Kern gesundes Land.“

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