Bombenkrieg in Münster
Briefe aus der Hölle

Münster -

Vor 75 Jahren, im Oktober 1943, wurde Münster Ziel eines der schwersten Bombenangriffe der Alliierten. In Briefen, die unmittelbar nach den schrecklichen Ereignissen verfasst wurden, wird der ganze Horror des Bombenkrieges deutlich.

Sonntag, 14.10.2018, 14:35 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 14.10.2018, 07:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Sonntag, 14.10.2018, 14:35 Uhr
Hans-Joachim Hopp mit einem Brief, den sein Vater Julius am 11. Oktober 1943, also einen Tag nach dem schweren Bombenangriff, schrieb. Hans-Joachim Hopp befand sich damals mit seiner Mutter in Bayern.
Hans-Joachim Hopp mit einem Brief, den sein Vater Julius am 11. Oktober 1943, also einen Tag nach dem schweren Bombenangriff, schrieb. Hans-Joachim Hopp befand sich damals mit seiner Mutter in Bayern. Foto: Matthias Ahlke

Es ist ein Brief aus der Hölle, den Hans-Joachim Hopp in Händen hält. Er wurde am 11. Oktober 1943 verfasst – einen Tag nach einem der schwersten Luftangriff auf Münster während des Zweiten Weltkrieges. Große Teile der Innenstadt waren danach verwüstet, Hunderte kamen ums Leben (wir berichteten).

Dass der Brief 75 Jahre alt ist, sieht man ihm nicht an – Hans-Joachim Hopp hütet ihn wie seinen Augapfel. Sein Vater hatte ihn damals an seine Mutter geschrieben, mit ihr befand sich Hans-Joachim Hopp während des alliierten Angriffs in Bayern in Sicherheit.

Unser Haus hat einen Volltreffer. Jetzt haben wir keine Wohnung mehr.

Julius Hopp

Innenstadt zerstört

„Die ganze Innenstadt ist restlos zerstört“, schrieb Julius Hopp – und zählte auf: Bahnhof, Clemenshospital, Hedwigsklinik, Rothenburg, Königsstraße. Und dann noch dies: „Unser Haus hat einen Volltreffer. Jetzt haben wir keine Wohnung mehr. (...) Es war furchtbar. Ich bin ganz erledigt.“

Julius Hopp überlebte den Krieg, sein Sohn wurde 1946 in Bayern eingeschult und kehrte erst 1947 mit seiner Mutter nach Münster zurück. Die Familie bezog eine Wohnung an der Wermelingstraße. „Betet für uns“, endet der historische Brief – zumindest für Familie Hopp ging der Zweite Weltkrieg ohne weiteren Horror zu Ende.

Schwere Schäden in der Stadt

Auch Helmut Helmer bewahrt Briefe aus den Tagen nach dem schweren Bombenangriff vom 10. Oktober 1943 auf. Sein Vater Aloys, der damals in Albanien stationiert war, hatte sie von seiner Schwester und seinem Bruder erhalten.

„Unsere Gauhauptstadt ist wieder mächtig verkleinert worden“, schrieb am 12. Oktober 1943 Aloys`Bruder Josef. „Aber so doll wie dieses Mal ist es doch noch nicht gewesen. Schildern kann man es wirklich nicht mehr. Heute war ich noch an der Hedwigsklinik, es steht nichts mehr davon. Das Mutterhaus, alles ist weg, überhaupt – die ganze Ecke gegenüber der früheren Synagoge ist total umgelegt. Eine Menge Schwestern sind tot.“ Josef Helmer berichtet zudem von den schweren Schäden am Dom, und auch die Martinikirche sei „ganz kaputt“.

Sein Fazit: „So etwas hat Münster noch nicht gesehen.“

Der liebe Gott zeigt mal wieder so recht, wie vergänglich alles Irdische ist.

Wenefrieda Helmer

"Schwarzer Sonntag von Münster"

Wenige Tage später erhielt Aloys Helmer dann auch Post von seiner Schwester Wenefrieda. So berichtete sie am 16. Oktober 1943 von den Schäden am Clemenshospital: „Die armen Nonnen. All die bekannten Schwestern sind gestern schon beerdigt worden. Es sind 90 Schwestern, davon sind 28 geborgen.“ Die Verwundeten seien bis nach Meppen gebracht worden. Weiter berichtete sie davon, dass das Kino „Apollo“ (Königsstraße) drei „Haupttreffer“ bekommen habe.

Am 24. Oktober schrieb seine Schwester in einem weiteren Brief, dass die Menschen inzwischen vom „schwarzen Sonntag von Münster“ sprechen. Die Ordensschwester kommentierte den Angriff so: „Der liebe Gott zeigt mal wieder so recht, wie vergänglich alles Irdische ist.“

Der Prinzipalmarkt - damals und heute

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