Gutachten stellen Altenheim-Strukturen infrage
Dickes Defizit beim Klarastift

Münster -

Es brodelt gewaltig hinter den Kulissen des Klarastifts. Das in Auftrag gegebene Gutachten einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hat zu hitzigen Diskussionen im Aufsichtsrat des Altenzentrums geführt. Die derzeitigen Strukturen seien wirtschaftlich risikobehaftet und einer guten Pflege nicht dienlich, heißt es.

Freitag, 12.10.2018, 20:00 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 12.10.2018, 20:00 Uhr
Gutachten stellen Altenheim-Strukturen infrage: Dickes Defizit beim Klarastift
Derzeit sind 83 Bewohner in der stationären Pflege im Klarastift. Foto: Oliver Werner

Es brodelt gewaltig hinter den Kulissen der Altenzentrums Klarastift. Nach dem Aufnahmestopp, den die städtische Heimaufsicht Ende Juni wegen Unregelmäßigkeiten in der Pflege verhängt hatte, schwappen auch im Aufsichtsrat des Klarastifts die Wogen hoch.

Nachdem am Montag in nichtöffentlicher Sitzung das Ergebnis des externen Gutachters vorgestellt wurde, von dem man sich eigentlich Wege aus der schwierigen Gesamtsituation erhofft hatte, entbrannte eine hitzige Diskussion. Die Sitzung wurde an dem Abend abgebrochen und nun am Freitagnachmittag fortgesetzt.

Es fehlen 300.000 Euro

Zuvor war der langjährige Geschäftsführer des Klara­stiftes, Dr. Michael Lucas, schriftlich aufgefordert worden, einen ausführlichen Bericht über die finanzielle Lage vorzulegen und vor allem die bestehenden Mängel zu beseitigen. Die Kritik an der Heimleitung wächst bei den Politikern. Der Gutachter bescheinigt, dass die heutige Konstruktion nicht mehr zeitgemäß sei und das Altenzentrum zukunftssicher aufgestellt werden müsse.

In der Kasse des Altenzentrums fehlen nach Informationen unserer Zeitung rund 300. 000 Euro. Ein Grund mit ist der verhängte Aufnahmestopp, der wegen Problemen und Personalmangels in der Pflege von der Heimaufsicht verhängt worden war. „Die Vakanz reißt ein Loch“, sagt ein Insider.

Oberstes Ziel muss es sein, die Pflege so zu gestalten, dass der bis zum Jahresende verhängte Aufnahmestopp wieder aufgehoben wird.

Aufsichtsratsvorsitzende Anne Hakenes

Von einer „stark emotionsgeladenen Diskussion“ spricht Aufsichtsratsvorsitzende Anne Hakenes. Oberstes Ziel müsse es sein, die Pflege so zu gestalten, „dass der bis zum Jahresende verhängte Aufnahmestopp wieder aufgehoben wird“. Die jüngst bekannt gewordenen Beanstandungen in der Pflege seien allerdings das Ergebnis einer Anlass-bezogenen und nicht der allgemeinen Prüfung gewesen, betont Hakenes.

Schon vor verhängtem Aufnahmestopp in wirtschaftlicher Schieflage

Die städtische Heimaufsicht überprüft Pflegeeinrichtungen in der Regel jährlich. Wenn es keine Beanstandungen gebe, werde erst nach zwei Jahren wieder geprüft, heißt es beim Sozialamt.

Bei dem letzten im Internet einsehbaren Prüfbericht für das Klarastift aus dem Jahr 2016 gab es bei fast allen Anforderungen keine Beanstandungen und in nur wenigen Bereichen „geringfügige Mängel“.

Derzeit sind laut Hakenes 83 Bewohner in der stationären Pflege im Klarastift. Die Altenpflegeeinrichtung, die sich schon vor dem verhängten Aufnahmestopp in wirtschaftlicher Schieflage befand, ist indes auf 103 Plätze ausgelegt.

Der Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Curacon, die im Juni beauftragt wurde, zeige „Handlungsbedarf“, wie die Stadt mitteilt. Die Konstruktion der Führung des bis 1996 in städtischer Regie geführten Klarastifts, das heute von vier Gesellschaften getragen wird (Altenzentrum Klara­stift GmbH, Sozialholding GmbH, Service GmbH, Ambulante Dienste GmbH) sei möglicherweise nicht mehr zeitgemäß, heißt es. Diese Strukturen seien „wirtschaftlich risikobehaftet“ und „einer qualitativ guten Pflege weniger dienlich“.

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