Dubioses Flugblatt
Islam- und frauenfeindliche Handzettel in Studentenwohnheimen verteilt

Münster -

In mehreren Studentenwohnheimen in Münster sind am Wochenende dubiose Flugblätter aufgetaucht. Darin wird gegen eine multikulturelle Gesellschaft und den Islam gehetzt und zu mehr Nachwuchs aufgefordert.

Dienstag, 16.10.2018, 16:20 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 15.10.2018, 11:20 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 16.10.2018, 16:20 Uhr
Dubioses Flugblatt: Islam- und frauenfeindliche Handzettel in Studentenwohnheimen verteilt
Unter anderem in dem Wohnheim an der Bismarckallee wurden die Flugblätter verteilt. Foto: Jürgen Peperhowe

In mehreren Studentenwohnheimen in Münster sind am Wochenende Flyer mit dubiosem Inhalt verteilt worden. Auf dem Flugblatt wird gegen den eine multikulturelle Gesellschaft sowie den Islam gehetzt, außerdem wird zu mehr Nachwuchs aufgerufen. Das Papier ist mit dem Wort "Nachwuchsmangel" überschrieben. Auf der Rückseite sind zahlreiche Bibelstellen aufgeführt.

Bismarckallee und Rudolf-Harbig-Weg

"Ich habe den Flyer am Sonntagabend gegen acht Uhr in meinem Briefkasten gefunden", sagt ein Bewohner des Studentenwohnheims an der Bismarckallee. Der 22-Jährige hat sich bei seinen Mitbewohnern umgehört, auch sie hatten die islamfeindlichen Flugblätter in ihren Briefkästen. Der Bewohner vermutet, dass die Flyer "einfach in alle Briefkästen" geworfen wurden. Die Flugblätter sind nicht nur im Wohnheim an der Bismarckallee aufgetaucht. "Eine Freundin hat mir eben erzählt, dass auch in ihrem Wohnheim am Rudolf-Harbig-Weg solche Flyer verteilt wurden", sagt der 22-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung.

Wir sind wütend, weil solche Flyer vor allem Muslimen das Gefühl geben, sie wären hier nicht willkommen.

Bewohner des Wohnheims an der Bismarckallee

Woher die Flyer kommen, wissen die Studenten in den Wohnheimen nicht. Vor allem an der Bismarckallee wohnen nach Angaben des 22-Jährigen "Studierende mit Wurzeln in der ganzen Welt". Deshalb seien die Studierenden "wütend, weil solche Flyer vor allem Muslimen das Gefühl geben, sie wären hier nicht willkommen". In dem Wohnheim herrsche sonst stets eine freundliche Atmospäre zwischen allen Bewohnern.

Auslegen von Flugblättern "grundsätzlich verboten"

Die Flugblätter wurden in den Wohnheimen ohne Genehmigung verteilt, wie es in einer Stellungnahme des Studierendenwerks heißt, das die Wohnheime betreibt. Das Auslegen von Flugblättern oder Flyern sowie deren Plakatierung sei in den Wohnheimen "aus Brandschutzgründen grundsätzlich verboten". "Wir wahren Neutralität gegenüber politischen, konfessionellen und weltanschaulichen Gruppierungen", teilt das Studierendenwerk gegenüber unserer Zeitung mit. Die Diskriminierung von bestimmten Gruppen werde entschieden abgelehnt.

Polizei hat Prüfung eingeleitet

Auch der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) verurteilt den Inhalt der Handzettel im Gespräch mit unserer Zeitung. Wie Liam Demmke vom Referat für Öffentlichkeitsarbeit sagt, lehne der Asta "jede Form von Islamophobie und Sexismus" ab. Laut Polizei seien die Flugblätter zumindest auf den ersten Blick nicht strafrechtlich relevant. Der Fall werde aber umfassend geprüft.

Auf dem Flugblatt werden von den unbekannten Verfassern, die nach eigener Aussage ihr Leben Jesus Christus und der Bibel widmen, mehrere Ursachen für den "Nachwuchsmangel" in Deutschland aufgeführt, unter anderem die Pille und die fehlende "Vorbereitung der Mädchen auf ihre Mutteraufgaben". So lautet ein Appell: "Zurück an den Wickeltisch!" Zudem weist das Papier zahlreiche islamfeindliche Passagen auf. Der Islam wird als "brutal, herrisch, unversöhnlich" bezeichnet.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6124172?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
Stadt prüft nach Abbruch Konsequenzen
Das Haus Oststraße 21 (links) ist inzwischen teilweise abgerissen. Die Stadt hat daraufhin die Abrissbaustelle versiegelt.
Nachrichten-Ticker