Wurde eine 73-jährige Hundebesitzerin aus dem Bus geworfen?
„Pfoten auf den Boden!“

MÜNSTER -

Es steht Aussage gegen Aussage. Reinhild Wennemer aus Münster-Ost gibt an, vor zwei Wochen aus der Linie 11 verwiesen worden zu sein. Die Busfahrerin räumt zwar einen Wortwechsel ein, bestreitet jedoch den Rauswurf.

Dienstag, 16.10.2018, 16:00 Uhr aktualisiert: 17.10.2018, 13:44 Uhr
Reinhild Wennemer mit Pudelmischling Cindy. Vor gut zwei Wochen sollen beide aus der Linie 11 verwiesen worden sein.
Reinhild Wennemer mit Pudelmischling Cindy. Vor gut zwei Wochen sollen beide aus der Linie 11 verwiesen worden sein. Foto: Matthias Ahlke

In Münsters Bussen ist normalerweise die Welt in Ordnung. Nur selten werden Störenfriede gerügt oder gar hinauskomplimentiert, versichert Florian Adler , Pressesprecher der Stadtwerke. Und wenn es doch mal vorkomme, so seien es zum Beispiel Betrunkene – aber keine Damen mit kleinem Hund; wie Reinhild Wennemer .

Aber am letzten Samstag im September soll es dennoch so passiert sein: Die 73-Jährige aus Münster-Ost, die mit der Linie 11 in die Innenstadt fuhr, wurde am Hauptbahnhof aus dem Bus gewiesen, wie sie sagt.

Was war passiert? Die Busfahrerin hatte sich daran gestört, dass Pudelmischling Cindy auf Frauchens Schoß saß. Er wurde zwar nach Ermahnung auf den Boden gesetzt, machte aber umgehend „Männchen“ und platzierte die Vorderpfoten wieder auf dem Schoß. „Alle vier Pfoten müssen auf den Boden!“ mahnte die Busfahrerin – worauf Reinhild Wennemer die Bemerkung entfuhr: „Tut mir leid, dass Sie bei dem schönen Wetter arbeiten müssen, aber lassen Sie das nicht an mir aus.“

Busfahrerin bestreitet die Darstellung

Was nun geschah, ist strittig: Laut Reinhild Wennemer ließ die Fahrerin ihre Autorität spielen und warf sie am Hauptbahnhof hinaus. Zum Glück war das nahe genug, um ihr Einkaufsziel zu Fuß erreichen zu können, denn Reinhild Wennemer ist bedingt durch ein Lungenleiden oft kurzatmig.

Sie gibt an, für ihre Darstellung eine Zeugin zu haben – dennoch bestreitet die Busfahrerin den Hergang. Der Wortwechsel sei zwar korrekt wiedergegeben, eine Aufforderung, den Bus zu verlassen, habe es aber nicht gegeben.

Grundsätzlich sei die Ermahnung korrekt gewesen, versichert Stadtwerke-Sprecher Florian Adler. Der Hygiene wegen gehörten Hundepfoten ebenso wenig auf die Polster wie Straßenschuhe. Außerdem könne ein Hund bei einer Vollbremsung leicht zum „Geschoss“ werden.

Das letzte Mittel

Die Stadtwerke seien stolz darauf, just bei beim ÖPNV-Kundenbarometer den ersten Platz in puncto „Freundlichkeit“ errungen zu haben. „Unsere Busfahrer sind für uns natürlich ein Aushängeschild.“

Der Rauswurf eines Fahrgasts, so Florian Adler, sei in den Vorschriften natürlich nur „das letzte Mittel, wenn Ordnung und Sicherheit gefährdet sind. Dies trifft hier sicherlich nicht zu.“ Die Darstellung von Frau Wennemer wolle man nicht explizit in Zweifel ziehen, aber es habe sich offenbar um ein Missverständnis gehandelt. Man werde die Kundin dafür offiziell um Entschuldigung bitten.

Wie auch immer: Deren Entrüstung war groß genug, auch die Polizei aufzusuchen, wo in der vergangenen Woche eine Anzeige aufgenommen wurde. Die Polizei in Münster sagte auf Anfrage, der Vorgang sei bislang noch nicht vom entsprechenden Sachbearbeiter in Angriff genommen, dies werde in den nächsten Tagen geschehen. Ein Straftatbestand liege aber vermutlich nicht vor.

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