Terrorhelfer abgeschoben
Anschlag vom 11. September: Motassadeq studierte in Münster

Münster / Hamburg -

Mit Fußfesseln und verbundenen Augen auf dem Weg nach Marokko: Nach knapp 15 Jahren Haft ist der 9/11-Terrorhelfer Mounir el Motassadeq für seine geplante Abschiebung von der Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel zum Hamburger Flughafen gebracht worden. In Münster ist der heute 44-jährige Marokkaner kein Unbekannter.

Dienstag, 16.10.2018, 08:59 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 15.10.2018, 21:30 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 16.10.2018, 08:59 Uhr
Abschiebung ins Heimatland: Schwerbewaffnete Polizisten brachten Terrorhelfer Mounir el Motassadeq (M.) von der Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel nach Frankfurt. Von dort aus ging es dann für den 44-Jährigen zurück in sein Heimatland Marokko.
Abschiebung ins Heimatland: Schwerbewaffnete Polizisten brachten Terrorhelfer Mounir el Motassadeq (M.) von der Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel nach Frankfurt. Von dort aus ging es dann für den 44-Jährigen zurück in sein Heimatland Marokko. Foto: dpa

Rund zwei Jahre lang hatte er hier gewohnt und studiert, in Roxel gejobbt und in Gievenbeck Fußball gespielt.

Schwerbewaffnete Polizisten hatten el Motassadeq am Montag im Hubschrauber von der Justizvollzugsanstalt im Norden Hamburgs abgeholt und zum nahe gelegenen Helmut-Schmidt-Airport gebracht. Von dort wurde er in einem Hubschrauber der Bundespolizei nach Frankfurt geflogen.

Motassadeq war Mitglied der sogenannten Hamburger Zelle um den Todespiloten Mohammed Atta, der am 11. September 2001 eines der Flugzeuge in das New Yorker World Trade Center gesteuert hatte. Der Hamburger Gruppe gehörten noch zwei weitere der insgesamt vier 9/11-Terrorpiloten und neben Motassadeq noch mindestens fünf islamistische Unterstützer an.

Begnadeter Techniker auf dem Fußballplatz

1993 zog es Mounir el Motassadeq im Alter von 19 Jahren aus seiner Heimat zum Studium nach Münster, wo er Deutsch lernen wollte, um sich zwei Jahre später dann an der Technischen Universität in Hamburg als Elektrotechnik-Student einschreiben zu können.

In seiner Freizeit hatte der Marokkaner ein Faible fürs Fußballspiel. Beim 1. FC Gievenbeck fand er reichlich Gelegenheit, dem runden Leder nachzujagen. Auf dem Platz sei er ein begnadeter Techniker gewesen, hieß es aus Vereinskreisen. Beim gemeinsamen Duschen mit den Teamkollegen soll sich Mounir el Motassadeq als streng gläubiger Muslim stets nur mit Unterhose bekleidet unter den Brausestrahl gestellt haben.

Roxeler arbeitete im World Trade Center

Um seine Finanzen aufzubessern, jobbte der Marokkaner als Küchenhilfe in einem Roxeler Gastronomiebetrieb. Dort kreuzte sich sein Weg mit einem Sohn des Wirte-Ehepaars. Diesen zog es nach New York, wo er im World Trade Center arbeiten und später durch den Anschlag der von Mounir el Motassadeq unterstützten 9/11-Terroristen sein Leben lassen musste. Der Roxeler soll im 101. Stock gearbeitet haben, als die Selbstmordattentäter die entführten Flugzeuge in die Wolkenkratzer steuerten.

Das Hanseatische Oberlandesgericht hatte el Motassadeq, der 1995 Münster den Rücken kehrte, wegen Beihilfe zum Mord und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu 15 Jahren Haft verurteilt. Seine reguläre Haftzeit wäre im November abgelaufen.

Rückreiseverbot bis zum 90. Geburtstag

Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums hatte kürzlich erklärt, dass Abschiebungen dieser Art immer in enger Abstimmung zwischen Landes- und Bundesbehörden geplant würden. Rückführungen nach Marokko seien etwas komplizierter, weil das nordafrikanische Land keine Charterflüge bei Abschiebungen zulasse.

Bis zu seinem 90. Geburtstag darf el Motassadeq aus seiner Heimat Marokko nicht wieder nach Deutschland einreisen.  

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