Polizei verzeichnet Steigerung von 80 Prozent
Häusliche Gewalt nimmt deutlich zu

Münster -

79,4 Prozent. So hoch ist die Zunahme der Fallzahlen von häuslicher Gewalt in den vergangenen zehn Jahren in Münster. Das ist mehr als doppelt so hoch wie der ebenfalls steigende Landestrend (38 Prozent).

Freitag, 19.10.2018, 20:38 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 19.10.2018, 20:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 19.10.2018, 20:38 Uhr
Polizeipräsident Kuhlisch rät zur frühzeitigen Beratung.
Polizeipräsident Kuhlisch rät zur frühzeitigen Beratung. Foto: ah

Für Polizeipräsident Hajo Kuhlisch ist dieser deutliche Anstieg in Münster allerdings keine allzu große Überraschung. Das frühere Tabu-Thema komme an die Oberfläche, werde heute viel transparenter in der Öffentlichkeit diskutiert.

„Die Scheu, sich zu melden, ist gesunken. Opfer, Angehörige, Freunde oder Nachbarn trauen sich mehr, solche Vorfälle zur Anzeige zu bringen“, sagt Kuhlisch. Die Dunkelziffer sei auch in Münster immer hoch gewesen.

Alarmierende Zahlen

Die alarmierenden Zahlen: Die bemerkten und zur Anzeige gebrachten Delikte sind um 250 Straftaten zwischen den Jahren 2007 und 2016 angestiegen (79,4 Prozent). Im vergangenen Jahr gab es 555 solcher der Polizei bekannten Fälle. In laufenden Jahr 2018 sind es erneut mehrere hundert Fälle, die Täter sind hier zwischen 15 und 62 Jahre alt, die Opfer zwischen zehn und 60 Jahre. Betroffen seien alle Beziehungsformen.

Die Anzahl der Wohnungsverweise stieg zwischen den Jahren 2007 und 2016 von 110 auf 168, die der Rückkehrverbote von 105 auf 173. 555 Opfer – das sind in über 90 Prozent der Fälle Frauen – wurden im Jahr 2016 an Beratungsstellen verwiesen. Das sind 257 mehr als im Jahr 2007.

Häusliche Gewalt: Das rät der Polizeipräsident Betroffenen

Häusliche Gewalt in allen Schichten

Häusliche Gewalt findet über das ganze Stadtgebiet verteilt statt, bei allen Nationalitäten und Religionen. Sie sei nicht auf einzelne soziale Milieus beschränkt. Die Polizei wird nach Berg Fidel, Coerde und Kinderhaus gerufen, aber auch ins Kreuzviertel, nach Mauritz und Hiltrup. Sie fährt zu Flüchtlingsunterkünften, Mietskasernen, aber auch schicken Einfamilienhäusern.

„Alle Schichten sind vertreten, es gibt keine signifikant höheren Zahlen bei Menschen mit Migrationshintergrund“, sagt Kuhlisch im Gespräch mit unserer Zeitung. Gleichwohl würden patriarchische Familienstrukturen, die es auch in deutschen Familien gebe, und räumliche Enge der häuslichen Gewalt Vorschub leisten, so die Beobachtungen der Polizei.

Unterschiedlichste Ursachen

In den weitaus meisten Fällen greifen Männer ihre Frauen an. Aber auch Frauen werden gegen Männer, Eltern und andere Verwandte gegen Kinder oder Kinder gegen Eltern handgreiflich. „Die zur Anzeige gebrachten Fälle von häuslicher Gewalt haben in der Regel unterschiedliche Ursachen und eine Vorgeschichte, die dann plötzlich eskaliert“, erläutert Kuhlisch.

Mehr Brutalität

Die Zahl der angezeigten Körperverletzungen hat in Münster zugenommen. Ohne Fallzahlen zu nennen, spricht Polizeipräsident Hajo Kuhlisch von einem Anstieg und geändertem Anzeigeverhalten. Auch wenn die Anzahl der schweren Körperverletzungen statisch keine signifikante Steigerung zeige, beobachtet die Polizei eine zunehmende Brutalität.

„Es kommt schneller zu schweren Körperverletzungen, in Einzelfällen wird es am Ende sehr brutal“, sagt Kuhlisch. Auch der Ton sei rauer geworden, die verbale Gewalt nehme zu. In letzter Zeit häuften sich Gewalttaten mit einem Messer. Im Jahr 2018 gab es bereits zwölf laut Polizei „herausragende Fälle“ mit einem Messer-Angriff.

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Die Fallzahlen sind an Feiertagen und langen Wochenende auffällig höher, Alkoholkonsum trägt ebenso dazu bei.

Opfer sollen Hilfe suchen

Die Täter und Täterinnen schlagen mit der Hand, der Faust, Gegenständen, schubsen, würgen, treten oder beißen. Häusliche Gewalt zeigt sich allerdings auch verbal, unter anderem durch die Bedrohung mit Worten. Häufig sind die Strafbestände der Nötigung, Körperverletzung, auch Freiheitsberaubung oder des Stalkings gegeben.

Kuhlisch rät den Opfern von häuslicher Gewalt, sich rechtzeitig beraten zu lassen und Hilfe zu suchen. „Münster hat ein sehr gutes Angebot an Beratungsstellen und Frauenhäusern.“  

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