Zuckerrüben
Zuckerrüben-Ernte nicht verhagelt

münster -

Die Böden in Münster sind nicht ideal für die Zuckerrübe - und der extrem trockene Sommer war es erst recht nicht. Trotzdem freut sich Landwirt Stephan Lütke Notarp.

Montag, 22.10.2018, 20:00 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 22.10.2018, 20:00 Uhr
Stephan Lütke Notarp hat den Landwirtschaftsbetrieb von seinem Vater übernommen. Nun freuen sich bereits seine Söhne Moritz (M.) und Ole über die überraschend gute Zuckerrübenernte dieses trockenen Jahres. Auch die riesige, technisch komplexe Rüben-Rodungsmaschine macht staunen.
Stephan Lütke Notarp hat den Landwirtschaftsbetrieb von seinem Vater übernommen. Nun freuen sich bereits seine Söhne Moritz (M.) und Ole über die überraschend gute Zuckerrübenernte dieses trockenen Jahres. Auch die riesige, technisch komplexe Rüben-Rodungsmaschine macht staunen. Foto: Oliver Werner

„Ich bin sehr positiv überrascht“, lächelt Stephan Lütke Notarp und schaut auf den etwa 400 Meter langen „Wall“ aus Zuckerrüben, der neben seinem Feld aufgetürmt steht. „Ich hatte Schlimmes erwartet“, erklärt der Landwirt weiter – denn der Sommer und Herbst waren extrem arm an Niederschlägen. Das hätte die Zuckerrüben-Ernte richtig verhageln können.

Die Pflanze musste viel Energie in die Ausbildung der Blätter stecken, um die Rüben vor zu starker Sonne zu schützen. Aber so, wie die Rüben aussehen und schmecken, ist alles im grünen Bereich. Die umstehenden Vertreter von Presse und Landschaftlichem Kreisverband Münster dürfen alle ein Stück Rübe kosten: Unverkennbarer Zuckergeschmack.

Der Zuckergehalt der Pflanze liegt zwischen 17 und 20 Prozent, das schmeckt man. Bis Mitte des 18. Jahrhunderts war man bei begehrten Süßungsmitteln auf das ausschließlich in Übersee angebaute Zuckerrohr angewiesen.

Nicht typisch münsterländisch

Die Entdeckung, dass heimische Rüben auch Zucker enthalten, wurde erst im Jahr 1747 gemacht. Apropos heimisch: Im Münsterland wird traditionell kaum Zuckerrübe angebaut – Stephan Lütke Notarp ist neben einem Kollegen in Münster der Einzige, der es tut. Und das auf den zehn (anfangs sechs) Hektar auf dem Feld an der Adresse „Auf der Laer“ bereits seit 1965. In dem Jahr hatte Notarps Vater mit dem Anbau begonnen.

Nun schauen zwei von Notarps kleinen Söhnen bei der Ernte zu: Moritz (zehn Jahre alt) und Ole (sechs). Zu schauen gibt es eine Menge, wenn man den Blick auf die Details der Rodungsmaschine lenkt: Drei Meter breit ist sie, rupft zunächst die Pflanze aus dem Boden und köpft dann die Blätter der Rübe ab, worauf sie durch ein feines Räderwerk geschleust wird, sodass die Erde großteils abfällt. „Was der Mensch sich für Technik ausdenkt!“, sagt ein Umstehender.

Elf-Stunden-Tag

Und die ist entsprechend teuer: Notarp schätzt die Kosten der Rodungsmaschine auf mindestens 300.000 Euro. Die sich rechnen müssen: Einen Elf-Stunden-Tag lang ist der Ernte-Brummer auf dem Feld unterwegs, um die zehn Hektar abzuernten; im Schnitt etwa einen Hektar pro Stunde.

Gewinner und Verlierer der Hitzewelle

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  • Gewinner

    Speiseeishersteller: Eisdielenbesitzer berichten bei Stichproben über glänzende Geschäfte, im Einzelhandel zählt Speiseeis ebenfalls zu den Rennern. Laut der Union der italienischen Speiseeishersteller in Deutschland (Uniteis) ist dieses Jahr vor allem Fruchteis gefragt. „Es ist ein wunderbarer Eis-Sommer“, sagt Uniteis-Sprecherin Annalisa Carnio, meint aber auch: „Am meisten verkaufen wir bei Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad Celsius.“ Bei allem, was an Temperaturen darüber liegt, steige eher der Bedarf nach Flüssigkeiten als nach Speiseeis.

    Foto: Wolfgang Kumm
  • Gewinner

    Sonnenschutz-Anbieter: Um sich vor Sonnenbrand zu schützen, ist sowohl auf dem Balkon als auch im Garten oder am Strand ein Mittel unerlässlich: der Sonnenschutz. Egal ob als Sonnensegel, Sonnenschirm, Baldachin oder Markise, Schattenspender aller Art sind bei den sommerlichen Temperaturen sehr gefragt. „Bei den Bereichen Pavillon, Bewässerung, Camping und Grillen verspüren wir einen deutlichen und starken Nachfragezuwachs“, sagte eine Sprecherin der Baumarktkette Hagebau. Gute Nachfrage bestätigen auch viele Fachgeschäfte bei Ventilatoren und Klimageräten.

    Foto: Patrick Pleul
  • Gewinner

    Sonnencreme-Hersteller: Die Sonnenstrahlung sorgt nicht nur für gesunde Bräune, sondern verursacht auch Sonnenbrand - und im schlimmsten Fall Hautkrebs. Sonnencremes stehen daher laut Einzelhandel hoch im Kurs.

    Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand
  • Gewinner

    Getränkewirtschaft: Hitze macht durstig. Das hat auch in den vergangenen Sommerwochen die Absätze von Bier deutlich nach oben getrieben. „Gerade auch die alkoholfreien Sorten sind derzeit äußerst gefragt“, sagt Marc-Oliver Huhnholz, Sprecher beim Deutschen Brauer-Bund. „Wir blicken sehr optimistisch auf dieses Geschäftsjahr.“

    Die Fußball-Weltmeisterschaft und das Sommerwetter haben schon im ersten Halbjahr den Bierabsatz angekurbelt. Er stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 0,6 Prozent oder 0,3 Millionen Hektoliter, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Brauereien und Bierlager setzten damit rund 47,1 Millionen Hektoliter Bier ab.

     

    Foto: Sina Schuldt
  • Verlierer

    Landwirtschaft: Die Bauern haben große Angst um ihre Ernte. Was für ambitionierte Freizeitgärtner schon eine Herausforderung ist, treibt vielen Landwirten angesichts verdorrender Felder Kummerfalten auf die Stirn. Bauernverbände rechnen etwa bei der Getreideernte in vielen Regionen des Landes mit Ausfällen. Bauernverbands-Präsident Joachim Rukwied fürchtet gar ein „existenzbedrohendes Ausmaß“ in Teilen der Bundesrepublik.

    Foto: Julian Stratenschulte
  • Verlierer

    Wälder: Wegen Trockenheit gibt es in Teilen Deutschlands Warnungen vor Waldbränden. In Niedersachsen etwa besteht fast landesweit allerhöchste Bandgefahr, in Brandenburg bei Fichtenwalde standen jüngst schon Wälder in Flammen. Die geringen Niederschläge der vergangenen Wochen und die stark gestiegenen Temperaturen haben die Bäume bereits in Mitleidenschaft gezogen. Besonders hoch ist die Gefahr entlang von Straßen- und Wegböschungen sowie an Waldrändern und Hecken, wo vertrocknete Gräser und Stauden leicht in Brand geraten können.

    Foto: Jan Woitas
  • Verlierer

    Binnenschiffahrt: Wegen der extremen Hitze und Trockenheit sinken die Pegelstände stark. Deshalb müssen etliche Schiffe mit deutlich weniger Ladung fahren als sonst, wie Rolf Nagelschmidt vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Köln sagt.

    Foto: Frank Rumpenhorst
  • Verlierer

    Kraftwerke: Mehrere Kraftwerke mussten nach der tagelangen Hitze gedrosselt werden. Denn so gelangt weniger Witze über Kühlwasser in Flüsse. Auch hieß es kürzlich aus einem Kraftwerk aus Nordrhein-Westfalen, dass die Wassertemperatur im Kühlturm wegen der Hitze zu hoch gewesen sei.

    Foto: Paul Zinken
  • Verlierer

    Fische: Fische sterben, wenn das Wasser immer wärmer wird. „Spätestens ab 28 Grad ist mit Schädigungen der Gewässerbiologie zu rechnen“, sagt Holger Sticht vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Einige Fische in Flüssen suchten sich kühlere Orte zum Laichen und brächten so ihren natürlichen Takt durcheinander. „Problematischer ist die Lage in Stillgewässern und kleineren Fließgewässern“, sagt Fischereibiologe Olaf Niepagenkemper. Wenn es wärmer wird, könne das Wasser weniger Sauerstoff aufnehmen.

    Ein tausendfaches Fischsterben am Rhein ist nach Experteneinschätzung kaum noch abzuwenden. „Ich rechne schon nächste Woche mit der Tragödie“, sagte der Geschäftsführer des schweizerischen Fischereiverbandes, Philipp Sicher. Der Rhein habe westlich des Bodensees bereits 25 Grad Wassertemperatur.

    Foto: Thomas Frey

Das besorgt Notarp nicht selber, sondern eine Lohnunternehmer-Gemeinschaft. Daraufhin werden die Rüben später auf Lkw verladen und zur Firma Südzucker gebracht. Dort erfolgt die Weiterverarbeitung zu Haushalts- oder Industriezucker sowie als Nebenprodukt zum Viehfutter.

Nahe dem Werseufer sind die Böden gut genug für die Zuckerrübe, die nun zügig abgeerntet werden muss. „Länger als bis Ende November kann man sie nicht im Boden lassen, sonst bekommt man sie wegen des Frosts nicht mehr heraus“, erklärt Stephan Lütke Notarp.

Zuckerrübenanbau in Münster

Der Landwirtschaftliche Betrieb von Stephan Lütke Notarp ist im Stadtteil St. Mauritz gelegen, in unmittelbarer Nähe zur Werse. Der 47-Jährige hat den Familienbetrieb 2003 übernommen und baut auf einer Fläche von 85 Hektar Zuckerrüben, Mais, Weizen und Gerste an.Zuckerrüben wachsen dort bereits seit 1965;„Die Zuckerrübe ist eine für Münster ungewöhnliche Ackerfrucht, hat aber eine zentrale Bedeutung für die Fruchtfolge, weil sie den Boden besonders gut durchwurzelt“, sagt Susanne Schulze Bockeloh, Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Münster.Erst im Jahr 1747 entdeckte der Chemiker Andreas Sigismund Marggraf, dass die heimischen Rüben Zucker enthalten.

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