Mit Video
Zwei Überfälle an einem Tag: Zapfsäulen-Rebell rüstet weiter auf

Münster -

Gleich zwei Tankstellen von Michael Deim wurden an einem Tag überfallen. Doch der 60-Jährige gibt sich kämpferisch.

Donnerstag, 25.10.2018, 16:41 Uhr aktualisiert: 25.10.2018, 18:40 Uhr
Tankstellenbetreiber Michael Deim sitzt an der Kasse seiner Station „Am Stadtgraben.“ Hier wurde am Dienstagabend seine Mitarbeiterin Opfer eines Überfalls.
Tankstellenbetreiber Michael Deim sitzt an der Kasse seiner Station „Am Stadtgraben.“ Hier wurde am Dienstagabend seine Mitarbeiterin Opfer eines Überfalls. Foto: Dirk Anger

Michael Deim hat so einiges erlebt in seinen 36 Jahren als Tankstellenbetreiber: Er selbst wurde schon mal mit den Tageseinnahmen im Auto am Ludgerikreisel überfallen – „zwei habe ich noch umgehauen, die anderen beiden sind abgehauen“, erzählt Deim. Irgendwann hat er dann aufgehört, die schier unzähligen Einbrüche in seinen Stationen zu zählen. „Aber zwei Überfälle an einem Tag – das hatte ich noch nie“, sagt der 60-jährige Geschäftsmann. Bis eben zu dieser Woche. Da werden Deim und seine Angestellten gleich zweimal zum Opfer von einem oder mehreren noch flüchtigen Tätern.

So liefen die Überfälle ab

Am Dienstagmorgen betritt ein vermummter Räuber Deims Tankstelle an der Hafenstraße und greift sich Scheine und Münzen aus der Kasse. Gut 14 Stunden später überfällt ein bislang unbekannter Mann die Station am Stadtgraben, er entkommt mit den Tageseinnahmen. „Die Polizei war schnell vor Ort“, sagt Deim.

Doch der Täter ist in beiden Fällen schon aus dem Staub. Zurückbleiben zwei verängstigte Angestellte, deren Zustand dem Tankstellen-Chef am Ende mehr Sorgen bereiten als der wirtschaftliche Verlust eines insgesamt kleineren vierstelligen Betrags.

„Geld her oder ich stech dich ab“

„Gott sei Dank ist nichts passiert“, atmet Deim erleichtert auf. Schließlich droht der Täter in beiden Fällen mit Waffen. „Geld her oder ich stech dich ab“ – mit diesen Worten habe der Räuber am Abend die 20-jährige Mitarbeiterin am Stadtgraben aufgefordert, das Bargeld herauszugeben. Der Geschäftsmann ist sich nach eigenem Bekunden nicht sicher, ob er künftig Ruhe hat. „Ich denke nicht, dass das vorbei ist.“

Tankstellen-Inhaber: "Angst um Mitarbeiter"

In jedem Fall hat er in den vergangenen Jahren schon massiv aufgerüstet und in Sicherheitsmaßnahmen an seinen Tankstellen investiert: Kameraüberwachung, Alarmanlagen, Panzerfolie auf dem Glas, Sperrriegel an den Türen, vergitterte Fenster an den Seiten. Und wenn doch noch jemand einbreche, dann würde automatisch im Innenraum künstlicher Nebel die Sicht auslöschen, warnt Deim.

Keine Spur von Angst

„Angst habe ich nicht“, betont der Freund schneller Autos und drückt energisch die Zigarette im Aschenbecher aus. Ja, er würde sich schon wünschen, dass die Polizei abends öfter vorbeifährt. „Aber man kann auch nicht erwarten, dass die jeden Tag patrouillieren.“

Der ehemalige Zeitsoldat, der nach eigenen Worten an seinen insgesamt vier Tankstellen mindestens elf Überfälle erlebt hat, zeigt sich angesichts der jüngsten Geschehnisse resolut. „Wenn ich dürfte, ich würde mir eine Knarre besorgen.“ So aber hat er die Sicherheitsvorkehrungen an den Stationen noch mal hochgeschraubt – und bringt mehrmals am Tag die Einnahmen zur Bank.

Trotz zweier Überfälle an einem Tag, das Geschäft an der Zapfsäule geht weiter: „An Ihrer Stelle würde ich vor dem Wochenende tanken“, ruft Deim, der mit seinen freien Tankstellen quasi als Rebell den großen Marken in Münster knallhart die günstigsten Preise vorsetzt, dem Journalisten hinterher. Niedrigwasser auf dem Rhein, zu wenig Tanklastwagen-Fahrer – es werde nochmals spürbar teurer. „So eine Situation hatten wir das letzte Mal beim Irak-Krieg.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6144777?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
Mehr Buchen, bitte!
Buchen unter Eichen: Förster Holger Eggert zeigt einen "zweischichtigen Bestand."
Nachrichten-Ticker