Angehende Altenpfleger
Schüler einer internationalen Krankenpflege-Klasse berichten von ihren Erfahrungen

Münster -

Zwölf Schüler und Schülerinnen aus Nigeria, dazu weitere aus sechs zusätzlichen Ländern. Eine Altenpflege-Klasse am Bildungsinstitut Münster hatte mit Problemen zu kämpfen, zeigt aber letztlich wegweisende Möglichkeiten auf.

Donnerstag, 25.10.2018, 18:53 Uhr
Eine intensive Zeit erlebten die Altenpflegeschüler Eva Subas (links), Marysandra Ubajiogu (r.) sowie Precious Chikwado Nwaka und Lehrerin Ute Höhl miteinander. Geprägt war das Miteinander dabei auch von einem gegenseitigen Lernprozess.
Eine intensive Zeit erlebten die Altenpflegeschüler Eva Subas (links), Marysandra Ubajiogu (r.) sowie Precious Chikwado Nwaka und Lehrerin Ute Höhl miteinander. Geprägt war das Miteinander dabei auch von einem gegenseitigen Lernprozess. Foto: Björn Meyer

10 Frauen und 13 Männer schließen in der kommenden Woche eine dreijährige Ausbildung an der Altenpflegeschule im Bildungsinstitut Münster ab. Das allein wäre freilich kaum eine Meldung wert, wäre es nicht die erste derart internationale Klasse an der Einrichtung. Fünf Schüler aus Deutschland, dazu welche aus Bosnien, der Türkei, Russland, Polen und Brasilien.

Der größte Teil der Klasse aber, allein zwölf Schüler, kommt aus Nigeria. Vivian Ozurumba eine Missionsschwester von Gottes Ebenbild hat die jungen Menschen nach Münster vermittelt. Drei Jahre später steht fest, es ist eine Erfolgsgeschichte. Allerdings eine, bei der es auch hohe Hürden zu überwinden gab – für alle Beteiligten.

Keine leichte Umstellung

„Es hat auch mal ganz schön gekracht“, verrät Eva Subas , eine der fünf Deutschen im Ausbildungskurs. Gerade am Anfang sei das Miteinander schwer gefallen. „An Stillarbeit war nicht zu denken, die sind einfach nicht still“, sagt Subas mit Blick auf Marysandra Ubajiogu (21) und Precious Chikwado Nwaka (23), zwei der nigerianischen Schüler, die ihr Heimatland vor drei Jahren verließen, um hier eine Ausbildung zu machen.

Doch Mitschülerin Eva Subas (46), die früher Bürokauffrau war, mittlerweile aber in der Altenpflege ihre berufliche Bestimmung sieht, hat noch etwas anderes ausgemacht: „Ich habe noch nie Menschen gesehen, die so viel lachen und sehr emotional bei der Sache sind.“

Während sie das sagt müssen Marysandra Ubajiogu und Precious Chikwado Nwaka – na klar – lachen. Dabei war für sie die Umstellung auf Deutschland nicht immer einfach. Trotz eines Deutschkurses in ihrer Heimat sei die Sprache ein Problem gewesen – allerdings keineswegs das einzige. „Ich dachte, dass ich den alten Menschen nur im Alltag helfen muss, was Pflege alles bedeutet, das war mir vorher gar nicht klar. Daran musste ich mich erst gewöhnen“, gibt Marysandra Ubajiogu zu. Auch, dass man Vorgesetzte und ältere Menschen mit Vornamen ansprechen könne, sei für sie zunächst unvorstellbar gewesen.

Rassismus im Alltag

Für Precious Chikwado Nwaka waren es vor allem die kulturellen Unterschiede, die ihm zu schaffen machten. „Der offene Umgang mit Homosexualität etwa, den gibt es bei uns so nicht. Ich habe länger dafür gebraucht, mich daran zu gewöhnen“, sagt Nwaka, der mehrmals im Gespräch bemerkenswerte Selbstreflektion aufblitzen lässt.

Beim Thema Rassismus haben die beiden unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Es komme schon mal vor, dass jemand sage, er oder sie wolle nicht von ihr gepflegt werden. „Ich wusste aber vorher, dass es das gibt. Das macht mir nichts aus“, sagt Marysandra Ubajiogu. Precious Chikwado Nwaka hat diese Erfahrung bei seiner Stelle in Billerbeck noch nicht gemacht – dafür begegne ihm Rassismus fast täglich im Alltag. „Vor allem von Jugendlichen“, sagt Nwaka merklich bedrückt, dabei habe er gedacht, dass gerade diese Generation eine viel weltoffenere Sicht vertreten müsste.

Gute Perspektiven

Doch alles in allem ist das Fazit der beiden Nigerianer nach ihrer Ausbildung in Deutschland mehr als positiv. Beide wollen sogar vorerst hierbleiben, dabei war das zunächst anders gedacht. Nwaka will an seine Ausbildung eine weitere als Notfallsanitäter dranhängen, Ubajiogu will als Altenpflegerin arbeiten. „Ich denke, dass die Perspektiven für mich hier gut sind“, sagt sie. Ihr Arbeitgeber, das Altenzentrum Klarastift, habe bereits die Übernahme angeboten. Das freue sie, zumal sie als ältestes Kind ihrer Eltern, sowohl diese, als auch ihre Geschwister unterstützen wolle.

Einen Wunsch hat auch Eva Subas. „Ich würde mir wünschen, dass kein Deutscher unser Kursbester wird. Denn auch wenn es hier mal gekracht hat. Es ist eine tolle Leistung, die die Mitschüler aus Nigeria hier gezeigt haben. Der Weg, den sie gegangen sind, ist eine bemerkenswerte Fleißarbeit.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6145025?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F
Umstrittenes Einkaufszentrum soll weitergebaut werden
Die Arbeiten am Hafencenter ruhen. Über Veränderungen am Projekt, die Grundpfeiler für einen neuen Bebauungsplan sind, wurde jetzt Einigung erzielt.
Nachrichten-Ticker