Selbstversuch im Zirkus
Einsatz im Todesrad: Nichts für Hasenfüße

Münster -

Nomen est omen? Zum Glück nicht immer: Im Zirkus Flic Flac hat sich Redakteur Pjer Biederstädt ins Todesrad getraut. Er hat überlebt, sein Stolz hingegen nicht.

Donnerstag, 25.10.2018, 19:06 Uhr
Angeleinter Hasenfuß: Redakteur Pjer Biederstädt überkam während seiner Mutprobe im Todesrad der Verdacht, dass die Flic-Flac-Show den Titel „Farblos“ trägt, weil jedem Laien bei der ersten Umrundung die Gesichtsröte abhanden kommt. Stimmt aber nicht.
Angeleinter Hasenfuß: Redakteur Pjer Biederstädt überkam während seiner Mutprobe im Todesrad der Verdacht, dass die Flic-Flac-Show den Titel „Farblos“ trägt, weil jedem Laien bei der ersten Umrundung die Gesichtsröte abhanden kommt. Stimmt aber nicht. Foto: Oliver Werner

Das Todesrad setzt sich in Bewegung, immer schneller, immer höher. „Einfach nicht nach unten gucken“, rät mir Zirkus-Artist Wilson. Je näher mich das Rad Richtung Zelt-Dach hebt, desto heftiger schlägt mein Puls. Jetzt gibt es kein Zurück mehr.

Zwölf Stunden zuvor: Den Termin im Zirkus Flic Flac hatte ich tagsüber erfolgreich verdrängt. Doch kurz vor der Nachtruhe rächt sich ein entscheidender Fehler: Ich habe mir zur Vorbereitung meines Todesrad-Trainings Videos der Flic-Flac-Show angesehen. Salto, Drehung, Huckepack – was die Artisten in schwindelerregender Höhe auf der Stahlkonstruktion mit den zwei Rhönrad-Tretmühlen veranstalten, raubt mir den Schlaf.

"Verängstigter Hamster" im Rad

Der nächste Morgen beginnt trügerisch harmlos. Flic-Flac-Pressesprecherin Melissa Goll empfängt mich vor dem Zirkuszelt an der Fliednerstraße. Als wir das dunkle Foyer passiert haben, und ich das Todesrad erstmals in der Manege in Augenschein nehme, wird mir bewusst, worauf ich mich eingelassen habe. „Kein Problem, das ist ganz sicher“, sagt Wilson auf Spanisch, nachdem er meinen betont lässigen Blick enttarnt hat.

Der kleine sportliche Mann ist einer der vier kolumbianischen Todesrad-Artisten der „Adrenalin Crew“. Während mir der Sicherheitsgurt angelegt wird, bin ich mir plötzlich nicht mehr sicher, ob ich die spanischen Vokabeln für ‚ganz sicher‘ und ‚vielleicht sicher‘ nicht verwechselt habe.

Mutprobe im Todesrad des Zirkus' Flic Flac

Doch für Panikmache bleibt keine Zeit. Jetzt ist Konzentration gefragt. „Aufrecht gehen, nach vorne gucken, einen Punkt fixieren, und wenn‘s geht, nicht daneben treten“, sagt Wilson. Meine feuchten Hände greifen nach den Sicherheitsseilen, während William – mein Gegengewicht im anderen Rad – ungesichert und ohne Seil 13 Meter über mir leicht gelangweilt darauf wartet, dass ich endlich loslaufe.

Dann ist es soweit: Wie ein verängstigter Hamster laufe ich zögerlich im Rad geradeaus. „Etwas weiter vorne, etwas schneller“, so die Anweisung von unten, die ich kaum wahrnehme, weil meine Konzentration einzig und allein auf die schmale Gitterlaufbahn gerichtet ist.

Flic Flac - brandheiß und mit atemberaubenden Darbietungen unter der Zirkuskuppel

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Hasenfuß nimmt Tempo auf...

William droht bei meinem Tempo in dem anderen Rad einzunicken. Mit ein paar schnellen Schritten macht er mir, dem Hasenfuß, Beine. Plötzlich katapultiert mich das Rad blitzschnell in die Höhe – zumindest fühlt es sich so an. Dass William nebenbei lässig auf sein Handy schauen kann, relativiert die Sache natürlich.

Die zweite Runde ist flotter. Trotzdem lässt die Verkrampfung langsam nach. Gewohnheit ist alles. In der dritten kann ich sogar die Aussicht auf die 1500 Plätze im weiten Rund genießen. Welch ein Ritt!

Dann macht die „Adrenalin Crew“ kurz vor, wie das Todesrad ohne Laien funktioniert. Mit zwei Männern in einem Rad, mit zwei Männern übereinander, mit Salti. Meine stolzgeschwellte Brust fällt ein kleines bisschen in sich zusammen. Aber unterm Strich bleibt: Ich habe das Todesrad überlebt.

Zirkus Flic Flac in Zahlen

Das „Flic Flac“ Hauptzelt hat einen Durchmesser von 42 Metern und besteht aus 3500 Quadratmetern PVC-Plane. Zwei Rundbögen schultern das Gewicht des Zeltes in etwa 18 Metern Höhe. Flic Flac beschäftigt knapp 100 Mitarbeiter, davon 35 Artisten aus neun Nationen.

Mit der aktuellen Show „Farblos“ gastiert der Zirkus noch bis zum 4. November (Sonntag) an der Fliednerstraße 38. Tickets gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen und im Internet unter www.flicflac.de

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