Pläne für die Rekultivierung
Wein-Anbau auf der Deponie

Münster -

Weinanbau auf der rekultivierten Zentraldeponie II in Coerde – das könnte schon bald Realität sein. Die AWM würden gerne auf einer 1000 Quadratmeter großen Fläche Reben anpflanzen.

Donnerstag, 01.11.2018, 11:00 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 01.11.2018, 11:00 Uhr
Auf einer Fläche von rund 1000 Quadratmetern soll auf der rekultivierten Zentraldeponie II Wein angebaut werden. Als Standort für den kleinen Weinberg ist eine kleine Fläche über der Photovoltaikanlage (oben links) vorgesehen.
Auf einer Fläche von rund 1000 Quadratmetern soll auf der rekultivierten Zentraldeponie II Wein angebaut werden. Als Standort für den kleinen Weinberg ist eine kleine Fläche über der Photovoltaikanlage (oben links) vorgesehen. Foto: Stadt Münster/AWM

Der Klimawandel macht es möglich: Der Weinanbau zieht immer mehr gen Norden. Bereits seit einigen Jahren werden auf der Ostseeinsel Usedom Chardonnay und Cabernet Sauvignon angebaut, und auf einer Anhöhe in St. Pauli gedeiht ein klassischer Rosé.

Zu den Weinstädten, die näher an der Küste als an Mosel oder Mittelrhein liegen, könnte bald auch Münster gehören. Ausgerechnet auf einer früheren Mülldeponie, der Zentraldeponie II in Coerde, soll nach der Rekultivierung eine 1000 Quadratmeter große Fläche mit Rebstöcken gepflanzt werden.

Das haben die AWM vor

„Wir würden den Bereich gerne für den Weinanbau nutzen“, betont Manuela Feldkamp , Sprecherin der Abfallwirtschaftsbetriebe Münster (AWM). Es müsse allerdings sichergestellt sein, dass die darunter liegende Dichtung nicht durch die Wurzeln der Rebpflanzen beschädigt wird. Das entsprechende Gutachten soll dann in Auftrag gegeben werden, wenn die Genehmigung für die Umsetzung des sogenannten landschaftspflegerischen Begleitplans vorliegt. Immerhin: Die Bezirksregierung habe bereits im September ihre Zustimmung signalisiert, sagt Feldkamp.

Der Plan sieht eine schrittweise, naturnahe Umgestaltung der nicht mehr benötigten Deponiebereiche vor. Er soll ein 1998 erstelltes Konzept ablösen, das bogenförmige Anpflanzungen vorsah. Wäre es umgesetzt worden, dann hätte die Deponie aus der Luft wie eine riesige Pril-Blume ausgesehen.

Erste Versuche gescheitert

Erste Pflanzversuche waren schnell wieder abgebrochen worden, wie die AWM berichten. Wegen der „extremen Standortverhältnisse“ – viel Sonne, Trockenheit – ging ein Großteil der Pflanzen wieder ein.

Zahlen und Fakten zum Sommer der Extreme

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  • Von Anfang April bis Ende Juli war es dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zufolge noch nie so warm seit Beginn der flächendeckenden Aufzeichnungen im Jahr 1881. Demnach war es 3,6 Grad wärmer als im langjährigen Vergleich. Rekordniveau erreichten vor allem die Monate April und Mai.

    Foto: Julian Stratenschulte
  • 39,5 Grad war die bisherige Temperaturspitze in diesem Sommer. Der Wert wurde am 31. Juli in Bernburg in Sachsen-Anhalt gemessen. Den Hitzerekord seit Beginn der Aufzeichnungen hält allerdings Kitzingen in Bayern. Sowohl am 5. Juli 2015 als auch am 7. August 2015 registrierte der DWD an seiner dortigen Messstation 40,3 Grad.

    Foto: Patrick Seeger
  • Sogenannte Tropennächte, bei denen die Temperatur nicht unter 20 Grad sinkt, gab es in diesem Frühjahr und Sommer bereits eine ganze Reihe. Besonders warm war es in der Nacht zum 1. August. So erlebte Berlin mit einem Tiefstwert von 24,4 Grad an zwei Messstellen seine bislang wärmste Nacht seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

    Foto: Julian Stratenschulte
  • Noch nie wurde zwischen April und Juli so wenig Niederschlag registriert. Im Vergleich zur vieljährigen (1961-1990) mittleren Niederschlagssumme betrug das Defizit 110 Millimeter. Besonders trocken war es in Sachsen-Anhalt, so die Experten vom DWD.

    Foto: Tino Plunert
  • In den vier Monaten gab es überdurchschnittlich viele Sonnenstunden. Der Juli war nach 2006 mit vielerorts 300 bis 350 Stunden der zweitsonnigste seit Messbeginn im Jahr 1950.

    Foto: Bodo Marks
  • Im Juli erreichte die Nordsee nach Angaben des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie die zweithöchste Oberflächentemperatur seit 50 Jahren: 16,3 Grad im Schnitt. Im Juli 2014 war das Wasser nur 0,1 Grad wärmer. Die Ostsee stellte mit einer mittleren Oberflächentemperatur von 20,0 Grad sogar einen neuen Rekord auf.

    Foto: Hauke-Christian Dittrich

Der neue Plan sieht eine völlig andere Art der Rekultivierung vor. Naturschutz und Artenschutz sollen nun im Vordergrund stehen. Die AWM wollen standorttypische Gehölze pflanzen und Extrembiotope schaffen, die sporadisch von Austrocknung und großer Wärme beeinflusst werden. Sie sollen zum Lebensraum von Arten wie Schwarzkehlchen, Neuntötern und Zauneidechsen werden. Auch Weidebereiche, die von Schafen gepflegt werden, sind geplant. Und, im Südwesten, eben jene Weinanbaufläche. Welche Sorte hier einmal angebaut wird, das ist allerdings noch nicht heraus.

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