Fahrrad-Weltreise
Tausche Sattel gegen Surfbrett

Münster -

Sie haben in Tiflis gepokert, im Euphrat Wildschweinen beim Schwimmen zugeguckt, im Iran persische Kekse gebacken: Die Weltenbummler Magda Mayerhoffer und Manu Winkler aus Münster leben ihren Traum von der großen Freiheit. Nach über 7500 Kilometern im Sattel hat das Paar inzwischen den Iran erreicht - und freut sich auf ein ganz anderes Fortbewegungsmittel...

Mittwoch, 07.11.2018, 15:05 Uhr aktualisiert: 08.11.2018, 13:19 Uhr
Fahrrad-Weltreise: Tausche Sattel gegen Surfbrett
In der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku stehen die "Flame Towers" - der höchste davon knapp 182 Meter hoch. Magda Mayerhoffer und Manu Winkler nahmen sich Zeit für die Stadt, in der sie sich nach der bewussten Auszeit wieder trafen. Foto: manuandmagda.com

Der Winter fällt in diesem Jahr aus. „Auf richtig kaltes Wetter“, sagt Manu Winkler (27) lachend, „wären wir auch nicht vorbereitet“. Stattdessen will er mit Freundin Magda Mayerhoffer der Sonne entgegenfahren: über den (aktuell empfindlich kühlen) Iran nach Dubai, in den Oman und schließlich nach Sri Lanka. Seit fast sieben Monaten ist das Paar aus Münster mit nichts als zwei Rädern, einem Zelt und dem Lebensnotwendigsten unterwegs, um die Welt zu umrunden. Und die Welt empfängt die beiden mit offenen Armen.

Herzlicher Empfang

Derzeit erleben sie ihr eigenes Märchen aus 1001 Nacht – „ausgerechnet“ im autokratischen Iran, der unter Radreisenden als eine der absoluten Top-Empfehlungen gilt. Die Menschen seien im Alltag „aufgeschlossen, herzlich und wahnsinnig gastfreundlich“, berichten Manu und Magda auf technischen Umwegen, weil die offizielle Kommunikation strenger Überwachung unterliegt. In sozialen Netzwerken posten sie als „Piggybackriders“ Fotos, die vor allem wegen ihrer leuchtend-warmen Farben ins Auge springen: Aufnahmen von opulenten Abendessen und fröhliche Selfies aus liebevoll gestalteten Klassenzimmern, in denen die beiden Weltenbummler iranischen Kindern von ihren Abenteuern berichteten.

Viele Geschenke

Tag für Tag werden die zwei auf ihrer Reise durch inzwischen ein Dutzend Länder mit über 7500 Fahrrad-Kilometern reich beschenkt, im wörtlichen und übertragenen Sinne. „Von den Eindrücken könnte man ewig erzählen“, sagt Magda, eine 28-jährige Mathematikerin. In der Türkei haben sie sich von Putzerfischen in heißen Quellen beknabbern lassen, im Euphrat Wildschweine beim Schwimmen beobachtet, in Tiflis mit Reisenden aus aller Welt gepokert, im iranischen Fouman den Konditoren bei der Herstellung persischer Kekse über die Schultern geschaut.

„Piggybackriders“: Paar aus Münster radelt um die Welt

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  • Manu Winkler und Magda Mayerhoffer aus Münster reisen seit April 2018 mit dem Rad um die Welt. Dabei stehen ungewöhnliche Begegnungen auf der Tagesordnung...

    Foto: manuandmagda.com
  • ...manchmal schließen sich auch andere Reisende an. Auf diese Weise sind schon diverse Freundschaften entstanden.

    Foto: manuandmagda.com
  • Ungewöhnlich wie praktisch: eine Mittelspur nur für Radler.

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  • Kulinarische Köstlichkeiten wie diese bekommen Manu und Magda immer wieder aufgetischt. Bislang erwiesen sich die Menschen auf der gesamten Reise als ungeheuer herzlich und gastfreundlich.

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  • Magdas Cousine Aline übernahm zeitweilig das Rad von Manu.

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  • „Piggybackriders“: Münsteraner Paar radelt um die Welt Foto: manuandmagda.com
  • „Piggybackriders“: Münsteraner Paar radelt um die Welt Foto: manuandmagda.com
  • „Piggybackriders“: Münsteraner Paar radelt um die Welt Foto: manuandmagda.com
  • „Piggybackriders“: Münsteraner Paar radelt um die Welt Foto: manuandmagda.com
  • „Piggybackriders“: Münsteraner Paar radelt um die Welt Foto: manuandmagda.com
  • „Piggybackriders“: Münsteraner Paar radelt um die Welt Foto: manuandmagda.com

 „Sobald wir irgendwo anhalten, steht eine Menschentraube um uns herum, will wissen, wo wir herkommen und ob wir irgendetwas brauchen“, berichten die beiden. Zusammen hatten sie mit einem Mini-Budget von 15 Euro am Tag geplant, brauchen aber oft nicht einmal das, weil „wir ständig Sachen geschenkt kriegen. Letztens sogar Shampoo – warum auch immer“, lacht Magda.

Auszeit

Ihr Credo: Immer dem Herzen folgen – und nur bedingt den Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes. „Wir fühlen uns absolut sicher.“ Komplizierter war da schon die Sache mit dem eigenen Beziehungsstatus. Nachdem beide monatelang rund um die Uhr  zusammen waren, kriselte es mächtig. Zwischen Georgien und Aserbaidschan übernahm Magdas Cousine das Rad von Manu, damit sich das Paar eine Auszeit gönnen – und am Ende nach intensiver Aussprache wieder glücklich zueinander finden – konnte.

Mit dem Rad um die Welt

Mitte April 2018 haben sich Magda Mayerhoffer und ihr Freund Manu Winkler in Münster auf den Weg gemacht, um mit dem Rad die Welt zu umrunden. 40.000 Kilometer wollen die beiden Münsteraner mit eigener Muskelkraft bewältigen, weitere 10.000 bis 15.000 auf Segelschiffen, angetrieben von der Kraft der Natur. Sie übernachten im eigenen Zelt oder bei Privatleuten, die im Internet einen Couchsurfing-Platz anbieten.

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Sattel gegen Surfbrett

Jetzt freuen sich die beiden auf das, was kommt: den Zauber des Unbekannten. „Wir treffen unterwegs viele Reisende, die von da kommen, wo wir noch hinwollen, und Megaspannendes zu berichten haben. Da kommt echt Fernweh auf!“ Außerdem ist die Sehnsucht groß, den Sattel endlich mal wieder gegen ein Surfbrett einzutauschen. Beide sind passionierte Kitesurfer. „Zum Glück kommen wir bald in Regionen, wo das wieder besser geht.“

Schul-Projekt

Magda Mayerhoffer und Manu Winkler wollen ihre Reiseerlebnisse mit Kindern in aller Welt teilen. Ihr Plan ist es, auf der Tour in unregelmäßigen Abständen Schulen zu besuchen, von ihren Erlebnissen zu erzählen, Fotos und Videos zu zeigen - und für den Klimaschutz zu werben. „Je weiter wir nach Südostasien kommen, desto weniger werden die Kinder von der Welt mit eigenen Augen gesehen haben.“ Die beiden hoffen, Sponsoren zu finden, die mithelfen, den einen oder anderen Laptop für Schulklassen in ärmeren Ländern zu finanzieren. Weitere Infos dazu - und zu einem Postkarten-Projekt, mit dem Magda und Manu einen Teil ihrer Reise finanzieren wollen - gibt es  hier  oder auch bei  Instagram .

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